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14.07.2020

Agentur „Schwerdtfeger & Vogt“ wird Museumsquartier bei der Neukonzeption der Villa Schlikker unterstützen

Ein lebendiges Forum zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus: Das ist der Anspruch an die künftige Konzeption der Villa Schlikker im Osnabrücker Museumsquartier. Hier sollen sich in Zukunft Menschen begegnen, gemeinsam lernen und aktiv diskutieren. Zum Beispiel über den Osnabrücker Juristen Hans Georg Calmeyer, der als Teil der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten das Überleben, aber auch den Tod niederländischer Juden und Jüdinnen verantwortete. Oder über die lokale Ausprägung der NS-Diktatur, die sich in dem Gebäude selbst unmittelbar niederschlägt, denn die Villa diente zwischen 1932 und 1945 als Hauptquartier der Osnabrücker NSDAP. Und nicht zuletzt über das, was aus dieser Geschichte für das künftige gesellschaftliche Miteinander zu lernen ist

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(2020 07 13 MUQU 16) von links: Dr. Thorsten Heese, Kurator für Stadtgeschichte Museumsquartier Osnabrück; Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Uni Leipzig, Vorsitzender des Beirats; Dr. Thorsten Heese, Kurator für Stadtgeschichte Museumsquartier Osnabrück; Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Uni Leipzig, Vorsitzender des Beirats; Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereiches Kultur der Stadt Osnabrück; Nils-Arne Kässens, Direktor Museumsquartier Osnabrück; Wolfgang Beckermann, Erster Stadtrat der Stadt Osnabrück; Foto: Hermann Pentermann

Für die Neugestaltung des so umfassenden wie interessanten Lern- und Erfahrungsortes erhält das Museumsquartier jetzt professionelle Unterstützung. In einem Ideenwettbewerb hatten mehrere mit NS-Lernorten erfahrene Agenturen ihre Machbarkeitsstudien für eine Neukonzeption der Villa vorgestellt. In einem umfassenden Beratungs- und Abstimmungsprozess zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Kulturpolitik, dem Kulturausschuss der Stadt, der Stadtverwaltung sowie dem wissenschaftlichen Beirat, der das Museumsquartier seit Ende 2018 in dem Verfahren zur Neugestaltung der Villa berät, fiel die Wahl mit einstimmigem Votum auf die Agentur „Schwerdtfeger & Vogt“ aus Münster und Berlin.

Nach der heutigen Beiratssitzung wurde die Gewinneragentur nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. "Der wissenschaftliche Beirat arbeitet unter dem Namen 'Neukonzeption der Villa Schlikker'. Unter diesem Namen werden wir unsere Arbeit fortsetzen. Ob wir nach eingängigen Recherchen noch anders entscheiden, lassen wir bewusst offen. Wir betreiben eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, dies wird auch ein im Frühjahr geplantes Symposium weiterführen", so Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Vorsitzender des Beirats. Erster Stadtrat und Kulturdezernent Wolfgang Beckermann ergänzte: „Wir sind auf einem guten Weg. Der Auftrag des Rates wird umgesetzt und wir werden wie geplant das neue Haus 2023 eröffnen. Im Zentrum der inhaltlichen Auseinandersetzung soll Hans Georg Calmeyer stehen. An seinem Beispiel können wir erfahren, welche Handlungsspielräume Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus besaßen, welche Werte und Haltungen ihr Handeln bestimmten und was wir heute daraus lernen können.“

„Wenn auch 75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus weltweit Antisemitismus und Rassismus nicht gebannt sind, unterstreicht dies, wie unverzichtbar Bildungs- und Reflexionsorte, wie wir ihn hier vor Ort planen, für die Zukunft unserer Gesellschaft tatsächlich sind“, hob Museumsdirektor Nils-Arne Kässens anschließend hervor. Deshalb wird sich das neue Nutzungskonzept besonders an die junge Generation richten. „Wir wünschen uns eine Strahlkraft, die weit über die Stadt hinausreicht und auch Raum für internationale Begegnungen von Jugendgruppen schafft“, so der federführende Kurator Dr. Thorsten Heese. Der Blick geht dabei besonders in Richtung Niederlande, wo Calmeyer während des Zweiten Weltkrieges wirkte.

„Für die Umsetzung der Ausstellung werden wir dem Rat der Stadt eine Finanzkalkulation vorstellen und uns zudem für weitere Fördermittel einsetzen,“ kündigte Fachbereichsleiterin Patricia Mersinger einen der nächsten Schritte der Kulturverwaltung an. Parallel zu der inhaltlichen Arbeit, die das Museumsquartier gemeinsam mit der Agentur und dem wissenschaftlichen Beirat bis zu der für 2023 geplanten Eröffnung vorantreiben wird, muss die Villa ab dem kommenden Jahr zunächst saniert und barrierefrei eingerichtet werden. Die Stadt Osnabrück hat dafür 1,7 Millionen Euro Fördermittel des Bundes einwerben können bei einem städtischen Eigenanteil von 200.000 Euro.


www.osnabrueck.de

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