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21.02.2018

Wohngeld für Senioren, Arm aus Unkenntnis und Scham

Neuer Flyer informiert über die verschiedenen Möglichkeiten

Den Mitarbeiterinnen des Osnabrücker Seniorenbüros und dem Seniorenbeirat begegnen häufig Fälle von verdeckter Altersarmut. Ältere Menschen nehmen aus Unkenntnis oder Scham soziale Leistungen nicht in Anspruch – obwohl sie sie dringend nötig hätten.  Ein  neuer Flyer zum Thema Wohngeld informiert über die verschiedenen Möglichkeiten.

2018 02 20 Flyer Wohngeld SilkeBrickwedde.
(2018 02 20 Flyer Wohngeld SilkeBrickwedde) Stellen den neuen Wohngeldflyer vor: (von links) Jürgen Schulte, Fachdienstleiter allgemeine Sozialleistungen, Fachbereich Integration, Soziales und Bürgerengagement, Anette Herlitzius, Fachdienst Bürgerengagement und Seniorenbüro, Fachbereich Integration, Soziales und Bürgerengagement, Mathias Eckardt und Jürgen Wilkewitz vom Seniorenbeirat der Stadt Osnabrück. Foto: Stadt Osnabrück, Silke Brickwedde

„Unstrittig unter Praktikern der Sozialberatung ist, dass viele Ältere ihren Anspruch nicht geltend machen“ sagt Anette Herlitzius, vom Fachdienst Bürgerengagement und Seniorenbüro. Die Gründe sind vielfältig: „Manche schämen sich zum Amt zu gehen oder haben Angst, dass die Kinder für sie Unterhalt zahlen müssen oder sie kennen einfach ihre Rechte nicht.“ Wie viele Seniorinnen und Senioren keine Hilfen beantragen kann nicht genau beziffert werden. „Die Datenlage ist dürftig. Studien gehen – je nach Leistung - von einer Quote zwischen 40 und 68 Prozent aus.“

Die Mitarbeiterinnen des Seniorenbüros haben die Idee eines speziellen Informationsflyers zum Thema Wohngeld von der niedersächsischen Seniorenkonferenz in Hannover nach Osnabrück mitgebracht. Anette Herlitzius: „Bereits das Stadtentwicklungskonzept ‚Älterwerden in Osnabrück‘ von 2014 enthält den Auftrag, die Akzeptanz von Wohngeld und Grundsicherung bei Älteren zu erhöhen, um der verdeckten Altersarmut entgegenzuwirken.“

Wohngeld ist ein Zuschuss zu den Wohnkosten für Haushalte mit geringem Einkommen bzw. geringer Rente. Sowohl Wohnungsmieter als auch Wohnungs- bzw. Hauseigentümer, die ihr Eigentum selbst bewohnen oder Bewohner von Altenpflegeheimen können wohngeldberechtigt sein. „Etwa 1400 Haushalte in Osnabrück haben 2016 diese Leistung erhalten“, zählt Jürgen Schulte auf, Fachdienstleiter allgemeine Sozialleistungen, Fachbereich Integration, Soziales und Bürgerengagement Ob ein Rechtsanspruch auf Wohngeld besteht, wird im Einzelfall, abhängig vom Haushaltseinkommen, der Miethöhe und der Anzahl der Haushaltsmitglieder geprüft.

Es handelt sich dabei um eine Sozialleistung, die nach den Vorschriften des Wohngeldgesetzes (WoGG) gewährt wird. Wohngeld wird je zur Hälfte vom Bund und den Ländern getragen und ist ein Instrument, um Menschen ein soziokulturelles Existenzminimum zu sichern und Armut zu verhindern.

Menschen mit kleiner Altersrente sind stark armutsgefährdet. Als arm oder armutsgefährdet gelten Menschen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Arm sind danach alle, die über so geringe Mittel verfügen, „dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die als Minimum annehmbar ist“. Die Armutsschwelle lag danach 2015 für einen Single bei 942 Euro (Nettoeinkommen eines Haushaltes inklusive Transferleistungen oder sonstiger Zuwendungen).

Als Faustregel gilt: Haushalte mit geringem Einkommen sollten nicht mehr als 30 Prozent ihres (Netto-)Einkommens für die (Bruttokalt-)miete aufwenden, da sonst nicht genug Geld für den Alltag bleibt.

Mit der Wohngeldreform 2016 wurde das Wohngeld an die Entwicklung des Einkommens und der Mietpreise angepasst und somit die Wohngeldleistungen erhöht, um die finanzielle Situation der Haushalte mit geringem Einkommen zu verbessern. Beim Wohngeld darf der Antragsteller, anders als bei der Grundsicherung, 60.000 Euro finanzielle Rücklagen behalten und die Angehörigen müssen nicht zuzahlen. Weil viele ältere Menschen das nicht wissen, ist dringend Aufklärung geboten, damit Ältere nicht in die Armut und Verschuldung geraten.

Der Flyer „Wohngeld für Senior*innen“, der geltende Wohngeldregelungen erläutert, ist neben vielen anderen Informationsbroschüren „Rund ums Alter“ in der Bürgerberatung, Bierstraße 32a, erhältlich. Er listet auch Stellen auf, die bei der Antragstellung helfen.

Hintergrund:

Rentenhöhe bei Männern und Frauen

Die durchschnittliche Altersrente von Frauen liegt unterhalb der Armutsschwelle. Weil Frauen mehr unbezahlte Sorgearbeit leisten, reicht ihre Rente seltener für die eigenständige Absicherung im Alter. Altersarmut ist weiblich.

Die durchschnittliche Altersrente für Männer, die vor 2015 in Rente gingen, beträgt in Niedersachsen 1.105 Euro. Männer, die seit 2015 eine Rente erhalten, bekommen durchschnittlich 1.062 Euro. Die Durchschnittsrente für Frauen, die vor 2015 in Rente gingen, beträgt in Niedersachsen 575 Euro. Ab 2015 erhielten Neurentnerinnen durchschnittlich 587 Euro monatlich (ohne „neue“ Mütterrente 639 Euro).

Für mehr als drei von vier Frauen sowie für gut ein Drittel der Männer liegt die Altersrente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 942 Euro, es sei denn, sie können auf zusätzliche Einkommensarten oder Vermögen zurückgreifen. In Deutschland haben aber 48 Prozent der Männer und 69 Prozent der Frauen über 65 Jahren ausschließlich Ansprüche auf Leistungen der Rentenversicherung.

Steigende Altersarmut

Rentnerinnen und Rentner entwickeln sich zu einer besonderen Risikogruppe. Laut Berechnung des Statistischen Bundesamtes stieg die Armutsquote bei den Rentnerinnen und Rentnern von 10,7 Prozent im Jahr 2005 auf 15,9 Prozent im Jahr 2015, eine Steigerung von rund 48 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Im Bevölkerungsdurchschnitt stieg die Quote von 14,7 auf 15,7 Prozent.

Lag die Armutsquote von Rentnerinnen und Rentnern vor zehn Jahren also noch weit unterhalb der durchschnittlichen Armutsquote, liegt sie nun seit 2013 bereits darüber. Man geht außerdem davon aus, dass rund 2,5 Millionen Rentner mit ihrem Einkommen nur knapp über der Armutsschwelle liegen. Die Zahl der Personen, die Grundsicherung im Alter beziehen, hat sich seit Einführung dieser Leistung 2003 mehr als verdoppelt; von 2003 : 1,7 Prozent auf 2015 : 3,1 Prozent). Die Zahl der erwerbsgeminderten Grundsicherungsbezieher hat sich im selben Zeitraum nahezu verdreifacht.

Wohngeldflyer zum Herunterladen


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