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24.05.2017

Unbekannte Badeanstalt an der Großen Straße entdeckt

Pläne für bisher unbekanntes Wannenbad an der Hase bei Recherchen für neue Sonderausstellung im Museum Industriekultur entdeckt

Entwurf zum Neubau einer Badeanstalt für Herrn Chr. Bullerdiek, Grossestrasse 12: Der Plan vom 21. März 1902 belegt das Bad im Stadtkern. Oben gab es ein Dampfbad, unten Wannen in einzelnen Kabinen.© PR, Museum Industriekultur
Blick auf die Hase mit den Grundstücken der Großen Straße: Aufnahme von Rudolf Lichtenberg, um 1910. © PR, Museum Industriekultur
Schmucke Sache: Kaufmann N. Kleeberg ließ 1905 diese "Stützmauer am Hasefluss" errichten. © PR, Museum Industriekultur
Museumsdirektor Rolf Spilker mit einem Lageplan aus dem Jahr 1908. Die Grundstücke Große Straße 1 bis 22 grenzten im rückwärtigen Bereich an die Hase.
Ausschnitt aus dem Lageplan von 1908. Die Grundstücke Große Straße 1 bis 22 grenzten hinten an die Hase.

Wer sich mit Osnabrücks Stadtentwicklung beschäftigt, kommt an der Hase nicht vorbei: Das wird auch in der neuen Sonderausstellung „Waren, Welt und Wirtschaftswunder: Die Große Straße in Osnabrück um 1900“ deutlich, die jetzt im Museum Industriekultur läuft.

In der Ausstellung (bis 7. Oktober), die am Beispiel der Großen Straße die einschneidenden sozialen und städtebaulichen Veränderungen durch die fortschreitende Industrialisierung und den beginnenden Massenkonsum in Osnabrück sichtbar macht, tauchen mehrere Exponate auf, die in einem Zusammenhang mit der Hase stehen. Sie erzählen interessante Episoden aus der Geschichte des Gewässers und weisen auf die große Bedeutung hin, die der „Hasefluss“ zunächst für die Gründung der Stadt und dann bis in die Neuzeit hinein in allen Lebensbereichen für die Osnabrücker hatte. 

In der Ausstellung kann ein Spaziergang durch die Große Straße vom Neumarkt bis zum Nikolaiort in der Zeit um 1900 unternommen werden, wobei das Aufkommen von Elektrizität und von neuen Verkehrsmitteln wie Fahrrädern, Autos und Straßenbahn ebenso wie das Entstehen der ersten Kauf- und Warenhäuser oder die baulichen Veränderungen in der Stadt belichtet werden. Museumsdirektor Rolf Spilker hat die Ausstellung zusammen mit Mitarbeiterin Marie Toepper erarbeitet. Es ist eine Vielzahl von alten Bauplänen und Fotos zu sehen, weiter umfasst die Ausstellung etwa historische Automaten und Bekleidungstücke, Werbeplakate, Produktverpackungen, Tapetenmuster, eine prächtige Registrierkasse, Hoch- und Fahrräder sowie noch viele weitere Objekte. 

Einige interessante Hase-Exponate tauchen gleich am Anfang des Rundgangs auf. Sie veranschaulichen, dass Osnabrück, bevor die industrielle Revolution einsetzte, noch fast dörflich geprägt war. So sind beispielsweise Baupläne und ein Hase-Foto von Rudolf Lichtenberg aus dem Jahr 1910 mit der Flussansicht von der Neumarktbrücke in Richtung Georgstraße zu sehen, die ein ganz anderes Bild der Stadt zeigen. Die heutige Überbauung gab es nicht, die Grundstücke an der Großen Straße grenzten hinten an den Fluss und hatten vielfach Bootsanleger. Ein Lageplan aus dem Jahr 1908 dokumentiert, dass von den Hausnummern 1 bis 22 alle Grundstücke an der Großen Straße im rückwärtigen Bereich bis an die Hase reichten. 

Spilker hat bei seinen Recherchen für die Ausstellung im Niedersächsischen Landesarchiv und in den Archiven der Stadt Osnabrück einen großen Bestand alter Baupläne gefunden, mit denen sich die Stadtentwicklung seit 1850 im Detail nachvollziehen lässt. Osnabrück verfüge damit über einen ganz besonderen Schatz, meinte der Museumsdirektor, da derartige Kartenbestände in einem solchen Umfang kaum erhalten geblieben seien. 

Spilker ist bei der Arbeit in den Archiven auch eine besondere Entdeckung geglückt: Er hat Pläne einer 1902 im Haus „Grossestrasse 12“ eingerichteten „Badeanstalt“ entdeckt, von der bisher nichts bekannt war. „Nach meinem Wissen bestand zu dieser Zeit nur das Bad an der Neuen Mühle, deswegen ist das ein ganz bemerkenswertes Dokument“, meinte der Museumsdirektor. Das ganzjährig geöffnete Schwimmbad an der Neuen Mühle, zu dem auch ein Wannen- und Brausebad gehörte, war 1883 von der „Osnabrücker Badehaus Aktiengesellschaft“ eröffnet worden. Es wurde aber bereits im Jahr 1909 wegen der Verschmutzung der Hase wieder geschlossen. Zuvor hatte sich bereits die erste Flussbadeanstalt, die 1820 eingerichtet worden war, aus diesen Gründen als ungeeignet erwiesen. Die Hase war nämlich nicht nur Waschplatz und Badeanstalt (obwohl Baden im Fluss in der Stadt eigentlich verboten war), sondern diente den Städtern auch als Kloake und Müll-„Schlucker“. 

In Osnabrück mangelte es in jener Zeit dringend an öffentlichen Einrichtungen für Körperpflege. Solche Bedürfnisse kamen damals verstärkt auf, nachdem die Fortschritte in der Medizin und in der Biologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein steigendes Hygienebewusstsein ausgelöst hatten. Die vom 21. März datierten Pläne mit dem „Entwurf zum Neubau einer Badeanstalt“, die Spilker beim Fachbereich Städtebau der Stadt entdeckt hat, deuten darauf, dass der Sattler und Tapezierer Christian Bullerdiek, der laut damaligem Adressbuch eigentlich Betreiber einer Möbelhandlung war, auf seinem bis an die Hase reichenden Grundstück an der Großen Straße 12 ein weiteres Bad errichten ließ. Wie es im Katalog zur Ausstellung heißt, sei die „Badeanstalt“ im Erdgeschoss offenkundig mit Badewannen ausgestattet gewesen, die in einzelnen Zellen untergebracht waren. Im Obergeschoss seien ein „Irisches Bad“, ein Dampfbad und ein Duschraum vorgesehen gewesen.

Weitere Einrichtungen dieser Art entstanden laut Katalog später in der Katholischen Bürgerschule am Herrenteichswall (1914) und in der Volkschule an der Teutoburger Straße. Schwimmbäder wurden nach dem Aus an der Neuen Mühle an der Nette und an der Hase im Ortsteil Schinkel (also vor der Verschmutzung) eingerichtet. Daneben gab es noch weitere Bäder, zeitweise wohl auch getrennt für Frauen und Männer. 

In der Ausstellung, die im Magazingebäude des Museums Industriekultur am Süberweg läuft, tauchen dann noch in dem Abschnitt, in dem es um den Durchbruch zur Georgstraße geht, alte Fotos von der Hase auf. Und ein besonders prächtiges Exemplar eines Bauplans für eine „Stützmauer am Hasefluss“ aus dem Jahr 1905 lässt erahnen, wie idyllisch es damals am Wasser in Osnabrück zuging. Außerdem wird deutlich, dass die Hase früher auch in der Freizeit eine wichtige Rolle spielte.

Anlass für den Bau der Stützmauer war nämlich, dass sich der Kaufmann Kleeberg auf der Rückseite seines Grundstücks direkt am Flussufer einen Pavillon und eine Treppe mit Steg zum Wasser errichten ließ. Es sei ein überaus kleines Grundstück gewesen, heißt es in der Erklärung zu dem Exponat – aber selbst auf einer ganz kleinen Fläche wollte es der Eigentümer schön haben am Fluss.

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Museum Industriekultur

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