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12.10.2020

Paul Celan – Alfred Gong – Immanuel Weissglas: Eine literarisch-musikalische Hommage zum 100. Geburtstag

Das poetische Dreigestirn aus der Bukowina: Paul Celan, Alfred Gong und Immanuel Weissglas, alle in Czernowitz geboren, begehen in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Um das Werk der drei deutschjüdischen Dichter rankt sich eine Veranstaltungsreihe, zu der sich die Kulturkirche St. Katharinen, die Gesellschaft für Christl.-Jüdische Zusammenarbeit Osnabrück e.V., das Literaturbüro Westniedersachsen und die Alfred-Gong-Gesellschaft e. V. zusammengetan haben.

Alfred Gong1.
(Alfred Gong1) Alfred Gong; © Dietlind Horstmann-Köpper

Das von der Hanns-Lilje-Stiftung geförderte Programm umfasst zwei Kunstausstellungen in St. Katharinen und der Stadtbibliothek Osnabrück, einen Vortrag über die Literatur der Bukowina von Prof. Dr. Petro Rychlo, Czernowitz, eine Lesung von Gedichten jüdischer Autorinnen und Autoren mit Tanja Langer, Berlin sowie die musikalische Aufführung der Suite „Sehnen nach der Bukowina“ von Mitsch Kohn nach Gedichten von Alfred Gong mit der Bläservereinigung Osnabrück und Helmut Thiele.

Vom 29. Oktober bis 18. November werden in  St. Katharinen in der Ausstellung „Wasser, welch ein Wort“ Aquarelle zur Dichtung der Bukowina
von Helga von Loewenich, Berlin, präsentiert.

Die Eröffnung findet am Donnerstag, 29. Oktober, um 10.30 Uhr in St. Katharinen im Rahmen der „Musik zur Marktzeit“ statt. Dabei wird die Suite „Sehnen nach der Bukowina“ von Mitsch Kohn nach Gedichten von Alfred Gong von der Bläservereinigung Osnabrück und Helmut Thiele aufgeführt. Die Begrüßung erfolgt durch Angela Müllenbach-Michel und Pastor Otto Weymann. Helga von Loewenich, Berlin, und Prof. Dr. Petro Rychlo, Czernowitz, führen in die Ausstellung ein.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten zum Brunnen-und Wolkenmotiv in der Lyrik von deutschsprachigen Dichtern der Bukowina wie unter anderem Isaak Schreyer, Rose Ausländer, Paul Celan und Selma Meerbaum-Eisinger. Helga von Loewenich, geboren 1943 am Bodensee, studierte an den Kunstakademien in Nürnberg und München, Jerusalem, Prag und Warschau. Ihre Bilder waren unter anderem in München, Nürnberg, Tutzing, Tübingen, Düsseldorf, Berlin, Potsdam, Prag, Jerusalem, Tel Aviv und Czernowitz zu sehen. Für ihr Wirken wurde sie mit dem Rabbiner Seligman-Meyer-Preis und der Ehrenmedaille der Stadt Czernowitz geehrt. Helga von Loewenich lebt in Berlin und ist dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Jüdischen Museum tätig.

Am Donnerstag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr hält in St. Katharinen Prof. Dr. Petro Rychlo, Czernowitz den Vortrag „Das poetische Dreigestirn aus der Bukowina:  Paul Celan, Alfred Gong, Immanuel Weissglas“.

Czernowitz, die Hauptstadt des österreich-ungarischen Kronlandes der Bukowina, einst multikulturelle, polyethnische Stadt mit einem halben Dutzend Völkerschaften und Religionsgemeinschaften, Zentrum geistigen Lebens im 19. Jahrhundert, literarische Metropole: Dies alles erlosch ab 1941 mit der Deportation der deutschsprachigen jüdischen Bevölkerung. Heute wächst dort wieder neues literarisches Leben und historisches Bewusstsein.

Prof. Dr. Peter Rychlo, Literaturwissenschaftler und Übersetzer an der nationalen Jurij-Fedkovytch-Universität Czernowitz arbeitet mit großer Leidenschaft daran, das historische Gedächtnis an jene Zeit wieder zu erwecken. Er wurde dafür international geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Georg-Dehio-Kulturpreis, dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

Vom 5. November bis 16. Januar zeigt die Stadtbibliothek Osnabrück, Markt 1, in der Ausstellung „Czernowitzer Köpfe“ Porträts jüdischer Dichterinnen und Dichter, unter anderem Paul Celan, Alfred Gong und Rose Ausländer, von Dietlind Horstmann-Köpper, Schneverdingen.

Lässt sich im Porträt des Gesichts eines Poeten dessen innere Welt erfassen? Die Künstlerin Dietlind Horstmann-Köpper ließ sich von Dichterinnen und Dichtern inspirieren, wie etwa Else Lasker-Schüler, Edgar Hilsenrath oder Lou Andreas-Salomé. Durch eine intensive Auseinandersetzung mit Dichterpersönlichkeiten aus Czernowitz und der Bukowina widmete sie ihre expressiven und eigenwilligen Porträts auch unter anderem Paul Celan, Alfred Gong, Immanuel Weissglas, Selma Meerbaum Eisinger, Edith Silberstein und Karl Emil Franzos. Die Ausstellung erinnert somit an wichtige Stimmen der deutschen Literatur, die jüdischen Menschen gehörten.

Dietlind Horstmann-Köpper wurde 1947 in Schneverdingen geboren, studierte Malerei unter anderem in Hamburg, und stellte in Frankreich, Deutschland und Polen aus. Die Künstlerin kuratiert den Kunstraum in der Kulturstellmacherei Schneverdingen.

Am Donnerstag, 5. November, um 18 Uhr, liest Tanja Langer (Berlin) in St. Katharinen zum Auftakt der Ausstellung „Czernowitzer Köpfe“ Texte unter anderem von Paul Celan, Alfred Gong, Immanuel Weissglas und Else Lasker-Schüler. Die Autorin Tanja Langer befasst sich in vielen ihrer Texte mit der bildenden Kunst. Mit Bezug auf die Ausstellung denkt sie über die Form des Porträts nach und wirft einen Blick auf die Kulturgeschichte. Außerdem liest sie zu den in der Stadtbibliothek gezeigten Bildern von Dietlind Horstmann-Köpper ausgewählte Texte der porträtierten Dichterinnen und Dichter.

Tanja Langer, 1962 geboren in Wiesbaden, lebt seit 1986 in Berlin. Sie inszenierte zahlreiche Theaterstücke, unter anderem über Selma Meerbaum-Eisinger, und veröffentlichte Erzählungen, Hörspiele und Romane, unter anderem „Der Tag ist hell, ich schreibe dir“ (als Hörbuch gelesen von Eva Mattes) und „Der Maler Munch“. Sie ist zudem eine renommierte Textdichterin für Neue Musik, so für die Opern „Kleist“ von Rainer Rubbert (UA 2008, Brandenburg) und „Ovartaci- crazy, queer & loveable“ für zwölf Komponistinnen und Komponisten der Atonale e.V. (Szen. UA Staatsoper Unter den Linden, Berlin 2018). 2016 gründete die Schriftstellerin den Bübül Verlag Berlin. Außerdem ist sie Mitglied des P.E.N. Musikalisch begleitet wird die Lesung von Auszügen aus der Suite „Sehnen nach der Bukowina“ von Mitsch Kohn nach Gedichten von Alfred Gong mit der Bläservereinigung Osnabrück und Helmut Thiele

Veranstalter des Programms sind die Kulturkirche St. Katharinen, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Osnabrück e.V., das Literaturbüro Westniedersachsen, die Alfred-Gong-Gesellschaft e. V., in Kooperation mit der Bläservereinigung Osnabrück und mit freundlicher Unterstützung
durch die Hanns-Lilje-Stiftung und das Kulturgeschichtliche Museum des Museumsquartiers Osnabrück.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.


www.osnabrueck.de

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