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03.02.2022

Parkinson: 63-Jähriger hat neue Hoffnung im Klinikum Osnabrück geschöpft

„Die Pumpe führt bereits jetzt dazu, dass die Über- und Unterbeweglichkeit durch meine Erkrankung nicht mehr so ausgeprägt sind. Und künftig bestehen sogar noch weitere Optionen für Verbesserungen.“ Das sagt Josef Vogt. Der 63-Jährige hat nach einer Behandlung im Klinikum Osnabrück neue Hoffnung geschöpft.

Josef Vogt (l.) und Prof. Dr. Tobias Warnecke, Chefarzt der Klinik für Neurologie des Klinikums Osnabrück; Fotograf: Jens Lintel Josef Vogt (l.) und Prof. Dr. Tobias Warnecke, Chefarzt der Klinik für Neurologie des Klinikums Osnabrück; Fotograf: Jens Lintel

Vogt leidet an einer fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung, die bei ihm den typischen Verlauf genommen hat, so dass die sogenannten On- und Off-Phasen mit ihren quasi gegensätzlichen Symptomen zuletzt immer ausgeprägter aufgetreten sind. Phasen, in denen er seinen linken Fuß, das linke Bein und teils die ganze linke Körperhälfte nur ganz schlecht bewegen konnte und unter großen Schmerzen litt, wechselten sich mit solchen Phasen ab, in denen er ganz schnell sprach und mit dem rechten Arm und dem Kopf unwillkürlich gestikulierte.

„Parkinson wird die Krankheit der 1000 Gesichter genannt. Auch mein Fall gleicht keinem anderen und ich war zuletzt nicht mehr zuversichtlich, dass die Pumpe oder Medikamente noch etwas nützen würden – sondern, im Gegenteil: Das Ende war absehbar“, sagt Vogt. Der Mann aus der Ortschaft Istrup, die zur Stadt Brakel in Ostwestfalen (Kreis Höxter) gehört, hat, wie er es ausdrückt, im September 2011 mit der Diagnose der neurodegenerativen Erkrankung sein „persönliches Nine Eleven“ erlitten.

Kollegen war aufgefallen, dass er hinkte. „Mir war das zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst. Ich bin zum Arzt gegangen, als meine Hand einmal eine ganze Zeit lang gezittert hat und es nicht mehr aufhören wollte.“ Zunächst sei die Erkrankung nur mit wenigen Einschränkungen für ihn verbunden gewesen. „Ich konnte nicht mehr lange stehen. Aber das ließ sich auch mit meiner beruflichen Tätigkeit erst noch gut vereinbaren und ich habe Wert darauf gelegt, mich nicht beeinträchtigen zu lassen und habe weiter Vollgas gegeben“, berichtet er.

Vogt ist Maschinenbautechniker und hat, wie er beschreibt, für einen Anlagenbauer gearbeitet, für den er Projekte auf der ganzen Welt betreut hat. „Ich habe die Krankheit nicht an mich herangelassen. 2018 habe ich schließlich erst ein Sabbatjahr eingelegt und bin danach wenig später verrentet worden.“ Von den zunehmenden Einschränkungen, zu denen seine Erkrankung in der Zeit geführt hat, spricht Vogt nicht. „Ich habe erst Medikamente eingenommen, mit denen ich relativ gut eingestellt war – zum Schluss hat das aber nicht mehr gereicht. Ich musste die Tabletten alle zwei bis zweieinhalb Stunden einnehmen und konnte mich deswegen kaum noch ernähren. Außerdem hatte ich oft Atembeschwerden.“

Nachdem er bereits relativ früh auf die Möglichkeiten einer Pumpentherapie hingewiesen worden sei, habe er sich Ende des vergangenen Jahres dazu entschlossen, sich der Operation zu unterziehen. Dabei wurden die Anschlüsse für die Medikamentenpumpe durch den Magen in den Dünndarm eingesetzt. Wie Prof. Dr. Tobias Warnecke, Chefarzt der Klinik für Neurologie des Klinikums Osnabrück, erklärt, sorgen die Pumpen, die von den Erkrankten außen am Körper getragen werden, für eine kontinuierliche Gabe der Medikamente, die den Mangel des Gehirn-Botenstoffs Dopamin ausgleichen, der zu den Parkinson-Beschwerden führt. „Die kontinuierliche Medikamentengabe per Pumpe gleicht Wirkungsschwankungen aus. Außerdem bleiben die Magenfunktionen unbeeinträchtigt und die Patienten können sich ernähren“, macht Warnecke deutlich. „Aber es kommt darauf an, dass die Pumpen ganz genau auf den tageszeitlichen Verlauf der Beschwerden eingestellt werden.“

Vogt hat sich die Pumpe in der Nähe seines Wohnorts einsetzen lassen. „Die Testphase im Krankenhaus lief erst gut. Zuhause hat es aber überhaupt nicht mehr funktioniert. Zuletzt, bevor ich ins Klinikum gekommen bin, wollte ich mir die Pumpe fast schon wieder herausnehmen lassen.“ Warnecke ist Spezialist für die Behandlung von Morbus Parkinson. „Es gibt mehrere Arten von Therapien mit Pumpen, die wir alle bei uns im Klinikum anbieten. Welche geeignet ist, hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab – und es ist hochkomplex, mit ihnen die gewünschte kontinuierliche Wirkung zu erzielen. Bei Josef Vogt haben wir uns eines Tricks bedient – er nimmt nachmittags noch ein weiteres Medikament.“

Nach drei Wochen im Klinikum, in denen Vogt nun neu eingestellt ist, haben sich die Beschwerden merklich gebessert. „Ich gehe besser und teils ganz beschwerdefrei. Auf der anderen Seite bin ich weniger nervös und die Überbewegungen gehen zurück. Außerdem fällt es mir auf, wenn ich zu schnell spreche – und es gelingt mir, es zu bremsen.“ Vogt lobt die Anleitung der Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten der Klinik für Neurologie, die er als besonders wirkungsvoll empfunden hat. Seine Sprach- und Atemkontrolle hätten sich durch sie merklich gebessert. „Aber vor allem habe ich viel über die Pumpentherapie gelernt. Prof. Warnecke hat mir deutlich gemacht, dass es eine ganze Zeit dauert, bis die Wirkung der zuvor in Tablettenform verabreichten Medikamente abgeklungen ist und sich mein Körper auf die kontinuierliche Medikamentengabe eingestellt hat.“

Wie Warnecke erläutert, kann die Umstellung bis zu einem halben Jahr dauern. „Es spielen auch weitere Faktoren wie die Ernährung mit hinein. Weil sie zuhause anders ist, müssen die Pumpen nach der Testphase in den Kliniken noch einmal neu eingestellt werden.“ Um die Versorgung im Anschluss zu sichern, ist in der Klinik für Neurologie des Klinikums eine „Parkinson-Nurse“ beschäftigt – also eine Gesundheits- und Krankenpflegerin mit einer speziellen Zusatzqualifikation – die nur mit diesen Erkrankten befasst ist. „Sie weist die Patienten hier in den Umgang mit den Geräten, das Anbringen der Pflaster und alle weiteren Kenntnisse ein – anschließend stellt sie die ambulante Versorgung und Nachbetreuung sicher. Wir halten nach solchen Eingriffen bis zu einem halben Jahr lang den Kontakt zu den Erkrankten und laden sie regelmäßig zu uns ins MVZ ein. Das macht sie für uns.“

Nach den Worten von Warnecke können es die Pumpentherapie, wenn sie bei einem individuellen Krankheitsbild geeignet sind, ermöglichen, dass die Parkinson-Erkrankten den „überwiegenden Teil des Tages weitgehend beschwerdefrei“ verbringen. Vogt sagt: „Mir geht es schon jetzt besser – aber ich möchte den Tag nicht vor dem Abend loben. Nur, wie heißt es so schön? Geht nicht, gibt es nicht und nicht zu früh aufgeben.“ Seine beiden Zukunftsoptionen sind einfach erklärt. „Zum einen besteht die Möglichkeit, dass die Pumpe dauerhaft gut oder sogar noch besser wirkt. Außerdem kann ich damit direkt Einfluss auf die Dosierung nehmen – mit den Tabletten war das nicht möglich. Weiter besteht die Option, die Pumpe künftig noch nachts zu tragen und den Zeitraum der Medikamentengabe dadurch noch auszudehnen – das haben wir bisher nicht vorgesehen.“

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