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11.08.2005

Natur im Fluss, das Projekt Barrierefreie Hase

Die Hase ist der Osnabrücker Fluss: Mal sichtbar, mal verschlossen schlängelt sich die Hase auf ungefähr 2 Kilometer Länge durch die Osnabrücker Innenstadt und durchfließt das gesamte Stadtgebiet auf ihrem Weg von Lüstringen bis Eversburg auf etwa 16 Kilometer. Diese Strecke ist jedoch nur ein kleiner Ausschnitt der insgesamt 170 Kilometer langen Hase, die im Teutoburger Wald entspringt und in Meppen in die Ems mündet.

Durch den Fließgewässerschutz in Niedersachsen erhält die Hase eine herausragende Bedeutung. In den kommenden Jahren wird daher versucht, die Hase durch viele Projekte auf ihrer gesamten Länge von der Quelle bei Wellingholzhausen bis zur Mündung in die Ems wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen. Dieses groß angelegte Projekt wird auf dem Gebiet der Stadt Osnabrück vom Fachbereich Grün und Umwelt der Stadt Osnabrück durchgeführt und koordiniert.

Fische müssen wandern!

Zum natürlichen Lebenszyklus von Fischen gehört, dass sie die Flüsse auf- und abwärts wandern. Mühlenwehre und Stauanlagen mit zum Teil großen Abstürzen und Rückstaubereichen sind für Fische unüberwindbare Hindernisse. Aus diesem Grund steht der eigentlich so unempfindliche Aal, der auf eine Entwicklungsgeschichte von 70 Millionen Jahren zurückblicken kann, in Europa kurz vor dem Aussterben: Die Larven des Aals, die südlich der Bermudainseln in der Sargassosee schlüpfen, driften über mehr als sechstausend Kilometer mit dem Golfstrom bis vor unsere Küsten. Hier sammeln sie sich, um dann in großen Schwärmen flussaufwärts zu ziehen - und nicht selten stoßen sie dabei auf Barrieren wie Wehre und Stauanlagen, die es ihnen unmöglich machen, in unsere Flüsse aufzusteigen, um sich dort zu fortpflanzungsfähigen Fischen zu entwickeln.

Hase ohne Hindernisse

Um diese Hindernisse zu beheben, verpflichtet die Europäische Wasserrahmenrichtlinie alle Mitgliedsstaaten, bis zum Jahr 2015 ökologischen Zustand ihrer Fließgewässer zu verbessern u.a. durch die »Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit« zu erreichen. Für Osnabrück bedeutet das: Die Wehre an der Neuen Mühle, an der Pernickelmühle und an der ehemaligen Quirllsmühle (heute Papierfabrik Ahlstrom) müssen umgangen oder überwunden werden. Früher sorgten Umfluten für die Passierbarkeit, heute müssen vielfach aus Platzmangel künstlich angelegte Rampen oder Fischpässe diese Funktion erfüllen. Ob und wie es gelingen kann, die Hase für Fische barrierefrei zu machen, klären Ingenieure und Biologen zurzeit in einer Machbarkeitsstudie, bei der auch die unterschiedlichen Interessen und Belange von Denkmal- und Hochwasserschutz, Wasserkraftnutzung und Fischerei sowie Wasserentnahmerechte berücksichtigt werden müssen.

Leben in der Hase

Bereits jetzt ist die Hase lebendiger als manche vermuten würden. Selbst im Osnabrücker Stadtgebiet kommen in der Hase trotz massiver Eingriffe in der Vergangenheit noch etwa 30 Fischarten vor, wobei die meisten der Fische Besatzfische sind, die Angler aussetzen. Hasel, Aal, Rotauge, Barsch und vereinzelt auch eine Bachforelle wurden bei Untersuchungen zum Osnabrücker Fließgewässerschutzprogramm gefunden. Für Überraschung sorgte ein großes Vorkommen des europaweit geschützten Steinbeißers zwischen Schellenbergbrücke und Neuer Mühle. In den Nebenbächen der Hase, die zu einem intakten Fließgewässersystem gehören, leben neben Bachneunauge und Mühlkoppe (Groppe) auch so genannte »Rote-Liste-Arten« wie das Moderlieschen. Und wer weiß schon, dass es Süßwassermuscheln und Krebse in städtischen Fließgewässern gibt?

Die Hase im Fluss der Zeit

Die Geschichte der Stadt Osnabrück müsste neu geschrieben werden, wenn es die Hase nicht gäbe: Mit ihren ausgedehnten Sümpfen stellte die Hase ursprünglich einen Schutz für die Stadt dar, im frühen Mittelalter war sie ein wichtiger Handelsweg für friesische Händler, und die Haseufer wurden im Schutz der Domburg gern als Handelsplatz genutzt. Das Wasser der Hase lieferte Energie für den Antrieb von Korn- und Ölmühlen, später kam auch die Stromgewinnung hinzu.

Bis ins 19. Jahrhundert nahm die Hase für eine ständig wachsende Bevölkerung das Abwasser auf. Als im Industriezeitalter auch die ungeklärten Abwässer aus den Fabriken hinzukamen, ließ es sich an der Hase vor Gestank nicht mehr aushalten und die Tiere in und auf der Hase wurden vergiftet. Durch den Bau von Schmutzwasserkanalisation und Klär- anlagen verbesserte sich die Wasserqualität der Hase zwar, doch der Bauboom der 1960er und 70er Jahre setzte dem Fluss als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu: Die Hase wurde überbaut, um Parkraum zu schaffen, Geschäftshäuser rückten an die Stelle begrünter Ufer, Gewerbe- und Wohnsiedlungen zerstörten die Aue. In den vergangenen Jahren wurde die Hase in der Innenstadt wieder »ans Licht« geholt oder in einen naturnahen Zustand zurückversetzt.

Viele Osnabrücker Bürger wünschen sich, dass die Hase wieder mehr in den Mittelpunkt des städtischen Interesses rückt - das Projekt »Barrierefreie Hase« macht hier einen Anfang. Doch es muss noch mehr getan werden: Die Menschen sollen ihren Stadtfluss wieder erleben können, z.B. durch die Fertigstellung des Haseuferwegs oder im Zuge einer Umgestaltung des Neumarkts. Alle Bürger, Gruppen, Interessengemeinschaften und Institutionen können mithelfen, die Hase zu neuem Leben zu erwecken - machen Sie mit, damit die »Lebendige Hase« Wirklichkeit wird!

Ansprechpartnerin:

Christiane Balks-Lehmann
Telefon: 0541/ 323-3162
balks-lehmann@osnabrueck.de

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www.osnabrueck.de

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