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10.02.2016

JAHRESPROGRAMM 2016

Kunsthalle Osnabrück : Schule der Empathie

Das Jahresprogramm 2016 steht unter dem Motto Schule der Empathie. Es umfasst vier Ausstellungs- und Performanceprojekte, die Künstler und Publikum auf unterschiedlichen partizipativen Ebenen in einen sich selbst fortschreibenden Dialog bringt. Kuratorisch und inhaltlich eng mit dem Ausstellungsprogramm verbunden ist das Vermittlungsprogramm In deinen Schuhen. Es ist als Aufforderung  an die Besucher zu verstehen, die eigene Lebenswelt von anderen Standpunkten aus zu betrachten und Diversität als Kraftquelle zu nutzen. Das Thema der Migration wird in Osnabrück 2016 nicht nur intellektuell thematisiert, sondern ist selbst in die Geschichte des Ausstellungsorts eingeschrieben: Schließlich beherbergte nach 1945 das ehemalige Dominikanerkloster Flüchtlinge, die ihre Heimat im Osten aufgeben mussten.

 

 

David Rauer & Joshua Sassmannshausen: Forma Forma
17.  Juli – 30. Oktober 2016

 

David Rauer & Joshua Sassmannshausen, Weg zum Eukalyptus Gral Favoritenfestival Dortmund 2014, Installationsansicht. Foto: Joshua Sassmannshausen

 

Die raumfüllende Installation Forma Forma von David Rauer und Joshua Sassmannshausen schafft Räume im Kirchenraum und nimmt damit Bezug auf die Geschichte des ehemaligen Dominikaner Klosters.  Schließlich diente das bereits unter Napoleon säkularisierte Kloster nach 1945 als Zufluchtsstätte für Flüchtlinge, die im Osten ihre Heimat aufgegeben hatten. Auf drei Ebenen (!) mit zwei eingezogenen Zwischendecken hatte man derzeit Flüchtlingswohnungen im Kirchenschiff geschaffen. Flucht und Migration, der Wunsch nach einer friedvollen Heimat und das Nachdenken darüber, welche Räume eine Gesellschaft dauerhaft für die künftigen Mitbürger zur Verfügung zu stellen gewillt ist, prägt die politische Debatte seit Herbst 2015.

Bereits im Juni 2014 waren Rauer und Sassmannhausen zu Gast in der Kunsthalle Osnabrück und haben für 24 Stunden einen begehbaren „Catwalk“ mit zahlreichen technischen Schaltungen geschaffen, die die Besucher selbst aktivieren konnten. Im Sommer 2016 soll das Kirchenschiff nun in eine kafkaesk anmutende Rauminstallation verwandelt werden, die den Besucher mit komplexen Grenzerfahrungen konfrontiert. Durch individuell versperrte Zugänge verunsichert, sollen die Besucher angeregt werden, sich über alle Hindernisse hinweg  ihren eigenen Weg durch das Labyrinth zu finden. In Begleitung die Ausstellung betretende Besucher werden feststellen, dass dabei die Zugangskriterien variieren können. Können er (oder sie) beispielsweise nicht auf allen vieren kriechen, bleiben für ihn (für sie) bestimmte Räume verschlossen. Auch kann das  Einlassverfahren für bestimmte Räume vom individuellen Verhalten oder vom äußeren Erscheinungsbild abhängig sein; dann wieder begegnen dem Besucher Kriterien, die zufällig und undurchsichtig scheinen.

Auch dieses Projekt ist ein Beitrag zur Schule der Empathie, in dem Grunderfahrungen wie Neugier, Freunde, Furcht vor dem Betreten fremder Räume, Enttäuschungen und Unverständnis über das Ausgeschlossen-Sein, sowie Erfahrungen des Entdeckens, Eroberns oder Zurückkehrens zu Grenzerfahrungen werden. Sowohl  Aufbau wie der Abbau der Ausstellung folgen partizipativen Konzepten, die dem Vermittlungsprogramm entnommen werden können. Während der Ausstellung wird es neben partizipativen auch performative Aktionen geben, die durch Künstler aktiviert werden.

 

Jan Tichy: Installation Nr. 29 (Neues Rathaus)
November 2016 – Januar 2017

Jan Tichy, installation no. 14 (austin), 2012, Installationsansicht
Courtesy Wadsworth Atheneum Museum of Art

 

Mit der Installation Nr. 29 in der Kunsthalle Osnabrück initiiert der in Prag geborene Künstler Jan Tichy ein partizipatives Langzeitprojekt, das zum Nachdenken über Licht und Raum anregt. Tichy hat in Tel Aviv und Chicago studiert, wo er heute am Chicago Art Institut als Professor für Fotografie unterrichtet. Er ist Künstler und Kunstvermittler und arbeitet in den Grenzbereichen von Video, Skulptur, Architektur und Fotografie.
Seine Licht-Raum-Installationen stehen in der Nachfolge der Bauhaus-Tradition und sind insbesondere von Laszlo Moholy Nagy inspiriert, mit dessen filmischen Nachlass er sich intensiv beschäftigt. In mehreren Projekten greift er auf unverwendetes Filmmaterial zurück, die für eine Filmproduktion von Orson Welles bestimmt war. Tichys künstlerisches Nachdenken über Licht und Raum gründen auf einer gleichermaßen historischen, soziologischen, architektonischen wie künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsraum, seiner räumlichen Ästhetik und möglichen politischen Implikationen.

Bereits im Frühjahr 2016 soll das Projekt mit der Aufforderung an die Besucher der Kunsthalle beginnen, Lichtimpressionen fotografisch festzuhalten. Unter der Vermittlungsleitung der Kunsthalle und in Osnabrück ansässiger Fotografen soll das durch die farbigen Kirchenfenster gebrochene Tageslicht fotografisch eingefangen und gesammelt, auf sozialen Medienplattformen geteilt, archiviert und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Für die Ausstellung im November 2016  wird Tichy dann auf dieses Material zurückgreifen.

Zum Lichtkonzept der Kunsthalle gehört es seit dem Rückbau von 2014, auf künstliche Beleuchtung im Kirchenschiff zu verzichten. Wohlwissend, dass damit ein Eingriff das Lichtkonzept und in den natürlichen Rhythmus von Leben und Gesellschaft geschieht, will Tichy zwischen November 2016 und Januar 2017 mit einem schwarzen Kirchenfensterbehang das ehemalige Kirchenschiff der Kunsthalle verdunkeln. Aus einem individuellen Licht-Mapping entsteht eine aus unterschiedlichen Perspektiven neu arrangierte Lichtraumerfahrung. Auch dieses Projekt steht im Rahmen der Schule der Empathie. Es verdeutlicht die wichtige Rolle des individuellen Standpunkts für die Bildung eines neuen Erlebnisraums. Besonders im Kirchenschiff der ehemaligen Dominikanerkirche erinnert es an die geschichtliche Gemeinschaftsanstrengung, ohne die das architektonische Gesamtkunstwerk „Kirche“ vor Jahrhunderten nicht denkbar gewesen wäre.

Tichys eigene Migrationsgeschichte ist auf der Folie seiner jüdischen Zugehörigkeit zu verstehen. Ohne dass der jüdische Glaube eine Rolle in seiner Entwicklung gespielt hätte, ermöglichte ihm seine Herkunft das Studium im Ausland. Die Implikationen in den Lichtraum der Kunsthalle Osnabrück formuliert Jan Tichy daher als Fragen: Was bedeutet es, wenn ein Raum verdunkelt wird? Welche metaphorischen Bedeutungshorizonte eröffnen Licht und Schatten, Projektion und Verdunkelung? Welche Folgen haben die Manipulationen des natürlichen Bio-Licht-Rhythmus? Wer hat im Laufe der Geschichte auf welche Weise in die Rhythmen eingegriffen? Gibt es  „Lichtpolitik“? Welche Folgen hat sie für den Einzelnen, für Gesellschaften und Vergesellschaftung?

Jan Tichy wird die Lichtsammler aus der Ferne (Chicago) mittels sozialer Medien begleiten. Die deutsch-japanische Violinistin Ayumi Paul, die dem Osnabrücker Publikum durch ihre Performance während der Ausstellung Konkret mehr Raum bekannt ist, wird Tichys Arbeit als Beraterin für Sound zur Seite stehen und die Installation mit zwei Performances bespielen.

 

Das Jahresprogramm der Kunsthalle wird in Zusammenarbeit mit den Freunden der Kunsthalle Dominikanerkirche e.V. durchgeführt und durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert.

Zum Vermittlungsprogramm hält die Kunsthalle Osnabrück ausführliches Informationsmaterial bereit. Ansprechpartnerin ist Christel Schulte.

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www.osnabrueck.de

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