Navigation über die Inhaltsbereiche dieser Seite

Der Hauptinhaltsbereich - hier finden Sie Artikel zum Thema Aktuelles

02.01.2008

Hasefisch des Monats Januar 2008: der Bitterling

Der kleine Bitterling (lat. Rhodeus amarus) ist kein besonders auffälliger, aber dennoch ganz außergewöhnlicher Fisch. Er wird gerade einmal 6 cm groß und ist außerhalb der Laichzeit in seiner Färbung eher unscheinbar. Er lebt gesellig in stehenden und langsam fließenden Gewässern und ernährt sich überwiegend von Algen und kleinen Pflanzenteilen, verschmäht aber auch kleine Würmer, Krebse und Insektenlarven nicht.

Der Bitterling ist nicht nur unser Fisch des Monats - er ist auch der Fisch des Jahres 2008. Foto: Michael Hehmann

In Osnabrück in Regenrückhaltebecken zu finden
Der Bitterling gehört zu den Karpfenfischen und ist – wie viele andere Vertreter dieser Gruppe auch – nicht besonders anspruchsvoll. Er kann somit z.B. auch in Lebensräumen vorkommen, die eine relativ geringe Sauerstoffkonzentration aufweisen.
Im Stadtgebiet von Osnabrück ist der Bitterling nur noch in einigen Regenrückhaltebecken zu finden. Dieses Vorkommen ist jedoch auf Besatzmaßnahmen zurückzuführen. Die Gründe für den Rückgang dieser Art sind auf seine besondere Lebensweise zurückzuführen.

Was macht nun den Bitterling so außergewöhnlich – und warum ist sein Bestand so stark gefährdet?
Wie viele andere Arten versucht auch der Bitterling seine Nachkommen so gut wie möglich vor Fressfeinden zu schützen. Der Bittterling hat hierbei eine besondere Strategie entwickelt: er legt seine Eier in große Fluss- und Teichmuscheln, in denen sie sich dann zu Jungfischen entwickeln.
Die Fortpflanzungszeit beginnt im April und dauert etwa 3 Monate. Sind große Fluss- oder Teichmuscheln im Gewässer vorhanden kleidet sich das Männchen nun in sein „Hochzeitsgewand“, einer sehr farbenprächtigen Laichfärbung. Das Weibchen bildet in dieser Zeit eine etwa 5 cm lange Legeröhre aus.
Hat ein Männchen eine geeignete Muschel in Besitz genommen, verteidigt er diese gegen Rivalen. Kommt ein Weibchen in seine Nähe, so beginnt er mit einem komplizierten Balztanz um das Weibchen von sich und den Qualitäten seiner Muschel zu überzeugen. Wenn das Weibchen laichbereit ist führt es die Legeröhre in die Kloakenöffnung der Muschel ein und gibt bis zu 4 Eier in deren Kiemenraum ab. Direkt über der Muschel verteilt nun das Männchen die Spermien. Diese werden mit dem nächsten Atemzug der Muschel in sie hinein befördert und befruchten dort die Eier. Dieser Vorgang wird an mehreren Muscheln wiederholt, so dass ein Weibchen etwa 40 Eier pro Jahr produziert.
Aus den in der Muschel festsitzenden Eiern schlüpfen nach ca. 2 bis 3 Wochen die Larven der Bitterlinge. Um nicht mit dem Atemstrom der Muschel aus ihr heraus befördert zu werden, verankern sich die Larven mit Auswüchsen des Dottersacks an den Kiemen der Muschel. Die kleinen Bitterlinge verlassen die Muschel wenn sie ca. 1 cm groß sind - die Muschel nimmt jedoch keinerlei Schaden davon.
Aber nicht nur der Bitterling hat eine solche Taktik entwickelt: auch die Larvenstadien der Großmuscheln entwickeln sich an bzw. in einem anderen Organismus, nämlich an den Kiemen von Fischen!

Existenzvoraussetzung ist eine intakte Muschelpopulation
Hieraus wird deutlich, dass die Bedingung für den Erhalt des Bitterlings eine intakte Population von großen Fluss- oder Teichmuscheln ist. Für die Hase bedeutet dies, dass der Rückgang der Bitterlinge auf den Rückgang der Großmuscheln, der schlechten Strukturgüte und der fehlenden Durchgängigkeit zurückzuführen ist.
Aufgrund der nun schon mehrere Jahre andauernden, deutschlandweiten Gefährdung des Bitterlings ist er vom Verband Deutscher Sportfischer e.V. zum Fisch des Jahres 2008 gewählt worden. Hiermit sollte auch darauf hingewiesen werden, dass zum Schutz einer Art nicht immer nur die entsprechende Art in ihren Ansprüchen allein betrachtet werden sollte, sondern dass vielmehr der Erhalt des gesamten Lebensraumes von ausschlaggebender Bedeutung ist.
(Julia Meinhard

{LLL:EXT:css_styled_content/Resources/Private/Language/locallang.xlf:label.toTop}

www.osnabrueck.de

Datenschutz | Impressum | Urheberrechte © 1996-2021: Stadt Osnabrück | Tel: 0541 323-0

zum Seitenanfang mit der Seitenbereichsnavigation springen