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28.10.2020

Eine gute Sache mit vielen Gesichtspunkten: Präsentation des Tagungsbandes zu neuen Blicken auf Justus Möser

Fast 370 Seiten stark, reich bebildert und als schönes Buch gestaltet: So präsentiert sich der neue Tagungsband, den der Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. (LVO) in diesem Jahr, pünktlich zum 300. Geburtstag Justus Mösers (1720-1794) im Waxmann Verlag herausgebracht hat. Das Wichtigste ist und bleibt jedoch der inhaltliche Reichtum an Themen und neuen Erkenntnissen, die hier in insgesamt 19 Beiträgen versammelt sind. Der Tagungsband wurde nun, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Mösers Osnabrücker Haus, in St. Katharinen vorgestellt. Pastor Otto Weymann begrüßte in diesem Sinne alle Gäste der Pressepräsentation und wies darauf hin, dass er im Übrigen ein später Mitschüler Justus Mösers auf dem Ratsgymnasium sei.

Die beiden Herausgeber des Bandes, Dr. Ulrich Winzer und Dr. Susanne Tauss, betonten bei der von Susanne Tauss moderierten Präsentation des Bandes, in welch breiter thematischen Vielfalt Möser als Historiker, Jurist, Staatsmann, insbesondere aber als Publizist tätig war. So reicht laut Ulrich Winzer denn auch der Bogen der im Tagungsband angesprochenen Felder von der ländlichen Markgenossenschaft über die Wirtschaftsförderung bis hin zur Französischen Revolution, von Konservatismus-Debatten über die Möser-Rezeption bis hin zu Migration, Intelligenzblatt und Volksaufklärung. Nicht zu vergessen Justus Möser als Literat, als brillanter Netzwerker, aber auch als Vater seiner begabten und ihn unterstützenden Tochter Jenny von Voigts. Die Bandbreite all dieser Aspekte belege einmal mehr, dass einer so vielschichtigen Persönlichkeit wie Möser nur im interdisziplinären Zugriff beizukommen sei. Dies stand bereits im Vorfeld der internationalen Tagung, die 2019 in Osnabrück stattfand, fest und schlägt sich nun im Inhaltsverzeichnis sichtbar nieder. Winzer wies im Gespräch aber auch darauf hin, dass die Möser-Forschung von kontroversen Sichtweisen geprägt und belebt werde. Susanne Tauss ergänzte, dass hierfür auch Möser selbst durchaus vielfältige Anlässe biete, da in seinen Schriften oft nicht klar sei, ob er in eine Rolle schlüpft und ironisch argumentiert oder eigene Positionen vertritt. Nicht zuletzt aus diesem Grund lohnen weitere Felder eine Vertiefung, wie Ulrich Winzer betont: so beispielsweise die Möser-Rezeption in der NS-Zeit, aber auch in der ehemaligen DDR. Eine kontinuierliche Befassung mit Möser sei also mehr als wünschenswert und lohnend.

Die Stichworte ihrer Vorredner griff auch Professorin Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, Vizepräsidentin der Universität für Forschung und Lehre. Sie dankte zudem für die gute langjährige Zusammenarbeit zwischen Universität und Landschaftsverband. Zugleich verwies sie auf aktuell laufende Stipendienprojekte am Forschungszentrum „Interdisziplinäres Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit“, bei denen „Justus Möser im Netzwerk der deutschen Aufklärung“ bearbeitet werde.

Landrätin Anna Kebschulll, Präsidentin des LVO, und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, LVO-Vizepräsident, würdigten in einem lebhaften Wechselgespräch die Bedeutung des nun vorgelegten Bandes und dankten allen, die die Realisierung der Publikation ermöglichten,

allen voran der VGH-Stiftung, aber auch den Herausgebern und allen weiteren Beteiligten. Der Oberbürgermeister betonte, dass Justus Möser zwar der – noch viel zu wenig bekannte – Namensgeber von Straßen, Schulen oder der wichtigsten Ehrung der Stadt der Osnabrück (Möser-Medaille) sei. Er wünsche sich jedoch, dass Möser künftig noch stärker als bisher als bedeutende Person der Stadt wahrgenommen werde. Da die Forschung hierfür die Basis legen muss, freue er sich ausdrücklich über diesen neuen Band, dessen Inhalte zur künftigen Vermittlung genutzt werden sollten.

Landrätin Kebschull sieht große Potentiale darin, Justus Möser als wichtige Identifikationsgestalt zu vermitteln: Sein Kommunikationstalent ebenso wie seine aufklärerische Haltung und seine lebensnahen Themen, aber ebenso seine Auseinandersetzung mit dem Partikularismus böten dafür hervorragende Anknüpfungspunkte. Griesert wies aber auch darauf hin, dass nicht nur die „großen Söhne“ der Stadt Beachtung verdienten, sondern auch Mösers Tochter Jenny von Voigts, die – wie auch Ulrich Winzer betonte – als gebildete Frau auf Augenhöhe mit ihrem Vater noch deutlich mehr in den Blick gerückt werden sollte.

Für den Münsteraner Waxmann Verlag, in dem der lesenswerte Band erschien, war der Lektor und Historiker Dr. Sven Solterbeck bei der Buchpräsentation zugegen. Er betonte den hohen Stellenwert der Möser-Publikation im Programm des geistesgeschichtlich ausgerichteten Verlages, der einen Schwerpunkt im nordwestdeutschen und angrenzenden Benelux-Gebiet habe. Der Möser-Band sei ein wichtiges inhaltliches, aber auch ästhetisches Aushängeschild, nicht zuletzt wegen seiner wertigen Ausstattung, auf die der Landschaftsverband stets Wert lege. Er bedankte sich ferner für die gute Zusammenarbeit, eine Feststellung, die Ulrich Winzer im gleichen Sinne gern zurückspielte.

Ein Vertreter der VGH hatte kurzfristig absagen müssen, ließ aber mitteilen, dass die VGH-Stiftung in Justus Möser eine bedeutende historische Ausnahmegröße sehe, dessen Handeln weit über die Region hinaus hohes Ansehen genieße. Die Förderung des Tagungsbandes entspreche dem Anliegen der VGH, die Person ‚Justus Möser‘ neu in den Fokus zu rücken.

Das angeregte Gespräch mündete schließlich in die gemeinsame Überzeugung, dass der Charismatiker, Kommunikationskünstler und Vermittler Justus Möser als Leitfigur auch für heutige Debatten und Ideen gelten kann. Wie anregend Möser mit seinen Schriften, konkret seinen Patriotischen Phantasien, schon auf den jungen Goethe und dessen künftigen Förderer Carl August von Sachsen-Weimar wirken konnte, belegt auch, dass diese Schriften beim ersten Zusammentreffen 1774 beider einen willkommenen Gesprächsstoff boten. Eine Unterhaltung über Möser stand also am Anfang dieser für die deutsche Kulturgeschichte so ungemein folgenreichen Begegnung.

Alle Anwesenden waren sich einig: Mit der Tagung und der nun vorliegenden Publikation ist es gelungen, der Möser-Forschung sowie der Möser-Wahrnehmung neuen Schwung zu verleihen. Dass angesichts der derzeitigen Pandemie ein weiteres Jahr für Möser-Aktivitäten eingeplant ist, hat so gesehen auch sein Gutes.

Informationen zum Tagungsband:

‘Es hat also jede Sache ihren Gesichtspunct …‘ Neue Blicke auf Justus Möser (1720-1794)

Beiträge der wissenschaftlichen Tagung vom 14. bis 16. März 2019. Im Auftrag des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e. V. hrsg. von Ulrich Winzer und Susanne Tauss (Kulturregion Osnabrück 33). 368 Seiten mit farbigem Bildteil, gebunden, ISBN 978-3-8309-4099-9, Münster: Waxmann, 2020. Preis: 49,90 Euro.

Erhältlich im Buchhandel sowie direkt beim Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V., T. 0541 600 5850, info@lvosl.de.


www.osnabrueck.de

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