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26.06.2019

Ein neuer Weg für die Kunsthalle Osnabrück

Anna Jehle und Juliane Schickedanz sind als beste Bewerberinnen aus dem Auswahlverfahren für die Nachfolge der Direktion der Kunsthalle Osnabrück hervorgegangen

Das Auswahlgremium unter Leitung von Stadtrat Wolfgang Beckermann, das aus Vertreterinnen und Vertretern der Ratsfraktionen, der Stadtverwaltung, der Freunde der Kunsthalle Osnabrück und - als externe Expertin - Kathleen Rahn vom Kunstverein Hannover bestand, sprach sich für die beiden Bewerberinnen aus. Der städtische Verwaltungsausschuss hat diese Auswahl bestätigt. Das Verfahren war notwendig geworden, da die bisherige Direktorin der Kunsthalle Osnabrück, Dr. Julia Draganović, zum 1. Juli die Leitung der Villa Massimo in Rom übernehmen wird.

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(204067 P) Neue Kuratorinnen für die Kunsthalle Osnabrück: Juliane Schickedanz und Anna Jehle (von links); Foto: Dana Lorenz

„Das sehr überzeugende Bewerbungskonzept von Anna Jehle und Juliane Schickedanz hat das Auswahlgremium begeistert. Ich begrüße es, dass die Nachfolgeregelung zügig erfolgt ist und freue mich auf interessante Ideen der beiden Kuratorinnen und auf ihre internationalen Kontakte“, fasst Stadtrat Wolfgang Beckermann das Ergebnis zusammen.

Aufgrund sich überschneidender Interessen und sich ergänzender Prinzipien einer feministisch-kuratorischen Herangehensweise haben Jehle und Schickedanz seit einigen Jahren eine Praxis kollektiven Arbeitens entwickelt.

„Wir denken, dass ein gemeinsam formuliertes Anliegen der entscheidende Ansatz ist, aktuellen gesellschaftlichen Zerrissenheiten etwas entgegenzusetzen. Deshalb möchten wir unsere Zweistimmigkeit im Rahmen unserer Arbeit in eine grundsätzliche Mehrstimmigkeit übersetzen. Die Kunsthalle Osnabrück als prozessualen Verhandlungsraum zu stärken, ist uns dabei ein grundlegendes Anliegen“, betonen Anna Jehle und Juliane Schickedanz.

Neben Veranstaltungsformaten und Workshops möchten sie in Einzel- und Gruppenausstellungen Plattformen schaffen, in denen der ortsspezifische Kontext der Kunsthalle anhand der Einbindung mit intersektionalen, interdisziplinären, diversen und queeren Positionen eine zeitgenössische Sichtbarkeit und Teilhabe erfährt. Gleichermaßen möchten sie die hervorragende und intensive Vermittlungsarbeit der Kunsthalle Osnabrück noch starker hervorheben und ins grundlegende Programm integrieren.

In einem kontinuierlichen Prozess möchten sie neue Angebote des Zugangs entwickeln und durch mediale sowie digitale Anwendungen bekräftigen. Patricia Mersinger, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur, gefiel im Vorstellungsgespräch „auch der sehr partizipative Ansatz zu anderen Kulturorten in der Stadt“.

Anna Jehle studierte Kultur-- und Politikwissenschaften, Urbanistik sowie Kulturen des Kuratorischen. 2018 unterrichtete sie in der Klasse expanded cinema an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 2017 veröffentlichte sie zusammen mit Paul Buckermann den Theorieband „Kinship in Solitude. Perspectives on Notions of Solidarity“ (adocs publishing). 2015 gründete sie den temporären Piojektraum lAb in Bielefeld, wo sie das Potential eines Kunstraumes hinsichtlich kollaborativer Möglichkeiten untersuchte. Von 2012 bis 2014 war sie im Bielefelder Kunstverein tätig. Darüber hinaus realisierte sie unter anderem Ausstellungsprojekte wie „fremd“, GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, mit Anke Dyes, Benjamin Meyer-Krahmer und Clemens von Wedemeyer, „Ahmet Ögüt – Apparatuses of Subversion“, Horst-Janssen-Museum Oldenburg, mit Anja Lückenkemper, „Up till now –Wiedervorlagen historischer Performance und Aktionskunst aus der DDR“, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, mit Julia Kurz.

Juliane Schickedanz studierte Kunstvermittlung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und spezialisierte sich aus ihrer eigenen künstlerischen Produktion heraus auf eine Praxis des Ausstellens. In dieser Doppelfunktion hat sie sich bereits früh mit der Sprache und den Funktionsweisen des Kunstbetriebs, dortigen Rollenzuschreibungen sowie den Arbeitsbedingungen von Kulturproduzentinnen und -produzenten auseinandergesetzt. So auch in ihrem Graduiertenforschungsprojekt „The Curator’s Image – Die Vermutung eines neuen Stifterbildes“. In den vergangenen Jahren arbeitete sie unter anderem für Kunstinstitutionen wie den Bielefelder Kunstverein, die Halle 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst Leipzig oder lAb Artist Unlimited. 2019 co-kuratierte sie zusammen mit Konrad Renner das Werkleitz Festival „Holen und Bringen“ in Halle (Saale) mit Beiträgen unter anderem von Foundland Collective, Mariechen Danz, Hiwa K., Lawrence Lek, Candice Lin, !Mediengruppe Bitnik, Sebastian Schmieg und Leanne Wijnsma.

Beide Kuratorinnen sind Teil des kollektiv geführten KV- - Verein für zeitgenössische Kunst Leipzig. Dort kuratierten sie in den vergangenen Jahren Ausstellungen unter anderem mit Sebastian Burger, Lotte Meret Effinger, Wilhelm Klotzek, Lindsay Lawson, Peggy Pehl, Diana Policarpo und Aleen Solari. In diesem Jahr erhielten sie gemeinsam mit dem Kunstverein den ADKV-Art Cologne-Preis für den besten Kunstverein im deutschsprachigen Raum.

„Die Kunsthalle Osnabrück geht mit der geplanten Neubesetzung der Kunsthallendirektion einen spannenden Weg, der dazu beitragen wird, die Kunsthalle international, national und regional zu stärken“, erklärt Stadtrat Wolfgang Beckermann. 


www.osnabrueck.de

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