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25.09.2019

Das letzte Bild - Eine Zeichnung von Felix Nussbaum in der Ausstellung „Das stille Vergnügen“ in Linz

Mit nur einem Bild, einer kleinen Zeichnung, auf dem ein Skelett zu sehen ist, das mit Knochen die Trommel schlägt, klingt die Ausstellung „Das stille Vergnügen. Meisterzeichnungen aus der Sammlung Justus Schmidt“ im Museum Nordico in Linz aus. Diese Entscheidung der Kuratoren ist bemer-kenswert, weil diese Zeichnung als einzige gerade nicht aus der Sammlung stammt, die das Museum in seiner Ausstellung präsentiert.

2019 09 25 Nussbaum Linz SJuergensen Kopie.
(2019 09 25 Nussbaum Linz SJuergensen Kopie) Zeichnung von Felix Nussbaum (im Hintergrund an der Wand) in der Ausstellung „Das stille Vergnügen“ in Linz; Foto: Stadt Osnabrück, Sven Jürgensen

Die Sammlung umfasst über 700 Blätter – zurecht „Meisterzeichnungen“ ge-nannt. Große Namen sind darunter: Degas und Schiele, Kokoschka und Bar-lach, Manet und Toulouse-Lautrec, Gauguin und Caspar David Friedrich, Ru-bens und Dürer. Sie spannt einen weiten Bogen durch die Kunstgeschichte der vergangenen 500 Jahre und unterstreicht den exquisiten Geschmack des Sammlers. Eine Auswahl zeigt das Nordico Museum in Linz. Zusammengetra-gen hat sie Justus Schmidt in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in der Zeit des Nationalsozialismus also. So hielt er sich in offizieller Mission 1941 in Paris auf, um als Sachverständiger Kunst zu kaufen.

Wie aber zeigt man diese kontaminierte Privatsammlung, die Schmidt nur deswegen aufbauen konnte, weil er sich, wie es im Katalog heißt, mit den „NS- Machtzentren“ arrangierte, „Nutznießer am nationalsozialistischen Kunstraub“ war und als „Sonderbeauftragter für Linz Adolf Hitlers ‚Führermuseum‘ aufbaute“? Gemeinsam mit Brigitte Reutner, Leiterin der Grafik- und Fotosammlung des Hauses, hat Simon Wachsmuth die meisten Werke nicht an die Wände des Museums gehängt, sondern in Ladenschränke untergebracht, die die Besucher selbst öffnen müssen. Diese Art der Unterbringung kommt der menschlichen Neugierde entgegen, Verstecktes und Zurückgehaltenes sehen und entdecken zu wollen. Historische Fotos aus den 30er und 40er Jahren stören den Kunstgenuss und ordnen die Zeichnungen in den historischen Kontext ein, in dem Schmidt sie gesammelt hat. Eine Toninstallation, die in allen Räumen zu hören ist, irritiert und verhindert das stille Vergnügen. Die Zeichnerin Maria Bussmann verstört mit ihren Zeichnungen den Betrachter zusätzlich, lenkt ihn mit ihren Werken ab, schafft neue, auch humorvolle Beziehungen und leitet den Blick wieder zurück auf die Sammlung.

Der letzte Raum ist dem Teil der Sammlung gewidmet, der Zeichnungen aus dem 20. Jahrhundert zeigt. In der Schublade des Schranks begegnet dem Besucher einer Zeichnung von Max Pechstein. Dieser Maler beteiligte sich 1931 in Berlin mit einem Bild an der Ausstellung „Künstler unter sich“, in der Felix Nussbaum mit seinem Gemälde „Der tolle Platz“ für viel Wirbel sorgte und zu einem angesagten Künstler wurde. Eine andere Zeichnung stammt von James Ensor, den Nussbaum auf der Flucht in Ostende traf. Und an der Wand: nur die Studie eines Trommel spielenden Skeletts, eine Vorzeichnung für Nussbaums letztes Gemälde „Triumpf des Todes“.

Und so weist diese sehenswerte Ausstellung in der Friedensstadt Linz mit dem letzten Bild über ihren eigenen Rahmen hinaus auf eine andere Friedensstadt: auf Osnabrück, wo das Gemälde „Triumpf des Todes“ im Felix-Nussbaum-Haus ausgestellt ist.

„Das stille Vergnügen. Meisterzeichnungen aus der Sammlung Justus Schmidt“ ist noch bis zum 5. Januar im NORDICO Museum in Linz zu sehen.


www.osnabrueck.de

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