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27.11.2015

Religionsgemeinschaften betonen "Reichtum von Unterschiedlichkeit und Vielfalt"

Friedensstädte trafen sich im Rathaus des Westfälischen Friedens in Münster

Mit einem Treffen im Rathaus des Westfälischen Friedens in Münster setzten (am Abend des 19. November) Vertretungen von 25 Religionen, Konfessionen und Glaubensgemeinschaften ein Zeichen für Respekt, Toleranz und Solidarität. Die jährliche Begegnung in Münster, die auch dem informellen Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften diente, war mit einer Lichterzeremonie im historischen Friedenssaal verbunden, bei der alle Gemeinschaften Friedenslichter entzündeten.  

2015 11 19 Friedensstaedte Treffen Britta Roski.
(2015 11 19 Friedensstaedte Treffen Britta Roski) Foto: Britta Roski

Erstmals hatten dazu die Oberbürgermeister der beiden Friedensstädte Münster und Osnabrück, Markus Lewe und Wolfgang Griesert, gemeinsam die Religionsgemeinschaften aus ihren Städten eingeladen. Dies ist eine Konsequenz der Auszeichnung der Rathäuser in Münster und Osnabrück mit dem Europäischen Kulturerbesiegel. Künftig soll das jährliche Treffen im Wechsel in den Rathäusern von Osnabrück und Münster erfolgen. Das Kulturerbesiegel der Europäischen Kommission würdigt diese als Stätten des Westfälischen Friedens. Sie stehen dafür, dass Kriege und Konflikte auf dem Verhandlungsweg gelöst werden können.
 
Aus aktuellem Anlass der Terroranschläge in Paris erfolgte der Auftakt des Treffens diesmal bei einer kurzfristig angesetzten öffentlichen Versammlung auf dem Domplatz. Trotz heftigen Regens waren Hunderte Menschen gekommen, um damit Stellung für Frieden und Freiheit zu beziehen. Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, des Christlich-Islamischen Arbeitskreises, der Ditib-Moschee und der Jüdischen Gemeinde aus Münster betonten übereinstimmend: "Wir stehen auf Frieden, auf Freiheit und den Reichtum von Vielfalt" und hoben "den Reichtum von Unterschiedlichkeit und Vielfalt" hervor.

Erklärung im Anschluss an einen Empfang von ca. 110 Vertreterinnen und Vertretern aus über 30 Religionsgemeinschaften in Münster und Osnabrück am 19. November 2015 durch Oberbürgermeister Markus Lewe (Münster) und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (Osnabrück) im Rathaus zu Münster

Wir, Oberbürgermeister Markus Lewe (Münster) und Wolfgang Griesert (Osnabrück),  geben aus Anlass eines interreligiösen Solidaritätsempfanges am 19. November im Rathaus zu Münster folgende Erklärung ab:

Wir sind geschockt durch die jüngsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die Menschheit in Paris, Beirut, Bagdad und über dem Sinai. Wir fühlen uns verbunden mit den Opfern der brutalen Gewalt und mit den Politikern und Religionsgemeinschaften dieser Länder, die zu besonnener Reaktion aufgerufen sind. Angesichts dieser Situation fühlen wir Religionsvertreter und Politiker uns im Rahmen unserer regionalen Möglichkeiten verpflichtet, den Prozess der Friedensbildung mit rechtsstaatlichen Mitteln unbeirrt und verstärkt fortzuführen.

Der Westfälische Friede, der in unseren beiden Städten 1648 geschlossen wurde, hat auf der Grundlage des Paritätsprinzips eine neue Friedensordnung gleichberechtigter Staaten und Konfessionen in Europa geschaffen. Diesem Erbe fühlen wir uns verpflichtet. Gleichberechtigung, Freiheit, Demokratie und Würde bleiben trotz kultureller, religiöser und weltanschaulicher Differenzen ein Grundprinzip unserer gegenseitigen Solidarität und unseres gegenseitigen Respekts.

Wir sind überzeugt, dass alle Religionen ein großes Potential zur Lösung von Konflikten und zur Sicherung des Friedens besitzen. Wir appellieren, diese Potentiale in öffentlicher Verantwortung zu entfalten und jeder Tendenz zu religiöser Absolutheit und Gewalt zu widerstehen. Religion darf nie zur Ideologie degenerieren.
Religions- und Glaubensgemeinschaften sollten sich im Rahmen der Demokratie auch öffentlich äußern und öffentliche Verantwortung übernehmen – besonders in ethischen und sozialpolitischen Fragen. Dabei sollten sie so oft wie möglich zusammen arbeiten.

Ebenfalls sollten die verschiedenen Religionen mit humanistischen Weltanschauungen kooperieren, die sich für die genannten Werte intensiv einsetzen.

Wir warnen davor, Terrorismus in irgendeiner Weise mit der Flüchtlingsfrage zu verbinden. Wir müssen im Gegenteil Solidarität mit allen Flüchtlingen üben, die dem Terror in ihrem Land entflohen sind und nun den gleichen Terror in Europa befürchten. Sie sind in unseren Kommunen und Religionsgemeinschaften herzlich willkommen.

Wir rufen besonders die junge Generation auf, sich in ihrem direkten Lebensumfeld sowie in Politik und Gesellschaft für den Frieden und die Toleranz einzusetzen. Verantwortung zu übernehmen und in einen Dialog mit denjenigen Jugendlichen zu treten, die sich ausgegrenzt und diskriminiert fühlen.

Wir stehen zusammen in unbeirrter Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben trotz bzw. gerade wegen unserer kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Differenzen. Frieden und Gewaltfreiheit sind die Einheit in unserer Verschiedenheit.

Münster/Osnabrück 19. November 2015
Die anwesenden Religionsvertreterinnen und -vertreter und die Oberbürgermeister Markus Lewe (Münster) und Wolfgang Griesert (Osnabrück).



www.osnabrueck.de

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