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14.07.2016

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert zum geplanten Umzug von Sinn-Leffers in das Einkaufszentrum am Neumarkt

„Wirtschaft und Handel müssen weiter gestärkt werden, um den Standort Osnabrück noch attraktiver zu machen“, erklärt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Das ist die oberste Maxime in der aktuellen Diskussion um die regionale Strahlkraft des geplanten Shoppingcenters am Neumarkt. Daher hat die Stadt mit dem Investor Unibail Rodamco vertraglich vereinbart, dass die Hälfte der geplanten etwa 100 Geschäfte neu sein müssen oder alternativ auf der Hälfte der Verkaufsfläche im Center Läden entstehen, die es in Osnabrück noch nicht gibt.

OB Griesert Kette Lewandowski 600.
(OB Griesert Kette Lewandowski 600) Oberbürgermeister Wolfgang Griesert

Die genaue Verteilung und Ausgestaltung liegt in den Händen des Inverstors. Unibail Rodamco wird rechtzeitig vor der Eröffnung des Einkaufszentrums über die Neuansiedlungsquote informieren. „Sinn-Leffers hat mit dem Auslaufen des Mietvertrages Ende 2016 und dem angestrebten Umzug in das Einkaufszentrum eine nachvollziehbare Entscheidung getroffen. Handel ist Wandel – und es ist auch gut so, dass unternehmerische Entscheidungen frei getroffen werden“, so Griesert weiter. „Natürlich ist es für die Eigentümerin der Immobilie keine einfache Aufgabe, eine neue Nutzung für das Grundstück zu finden. Wir als Stadt werden bei einer Neuvermietung oder Umgestaltung im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.“

 

Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) mit Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert

NOZ: Herr Griesert, wie kann die Stadt sicherstellen, dass Unibail Rodamco die vertraglich vereinbarte Neuvermietungsquote von 50 Prozent einhält? Das Problem ist doch, dass die Stadt erst am Ende des Vermietungsprozesses einen Gesamtüberblick hat, aber Mieter und Vermieter jetzt Verträge abschließen und natürlich Planungssicherheit für ihre Investitionen brauchen.

Unibail Rodamco hat einen guten Ruf und die Kompetenz, für einen innovativen Branchenmix in einem architektonisch spannend inszenierten Gebäude mit größtenteils für Osnabrück wirklich neuen Angeboten zu sorgen. Nur durch neuartige Konzepte, wie sie derzeit auch L&T mit dem neuen Sporthaus plant, kann der Einzelhandelsstandort Osnabrück noch weiter nach vorne gebracht werden. Der Nachweis über die Neuansiedlungsquote ist von Unibail Rodamco erst vier Wochen vor Eröffnung des Einkaufszentrums zu führen. Dies ist im Durchführungsvertrag einvernehmlich festgelegt worden. Es kann daher auch nicht im Sinne von Unibail Rodamco sein, zum jetzigen Zeitpunkt öffentlich über einzelne Vertragsoptionen oder Mietverträge zu diskutieren.

NOZ: Eine Klausel im Durchführungsvertrag sagt, dass ein Geschäft umziehen kann, wenn der Vermieter den Mietvertrag kündigt. Gilt das auch, wenn ein Mietvertrag ausläuft – wie im Fall Sinn-Leffers?

Das Auslaufen eines Mietvertrages ist nicht mit der Kündigung durch den Vermieter gleichzusetzen.

NOZ: Hat die Stadt eine Handhabe, einen Umzug von Sinn-Leffers ins neue Center zu verhindern? Wenn ja, würden Sie dieses Mittel anwenden und damit das Risiko eingehen, dass Sinn-Leffers Osnabrück verlässt?

Für die Stadt Osnabrück ist es wichtig, die Wirtschaft und den Handel zu stärken und den Standort Osnabrück noch attraktiver zu machen. Sinn-Leffers hat hier sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung getroffen die aus städtischer Sicht zudem besser als ein Rückzug aus Osnabrück wäre. Die Stadt wird auch nicht, wie im September 2011 die NOZ berichtet hat, den Umzug von Peek- und Cloppenburg oder Saturn in das Center verhindern können. Es geht einzig und allein darum, mit welchem Mieterbesatz die geplanten Neumarkt-Arkaden für die Stadt und die Region so attraktiv werden, dass zusätzliche Kundschaft für den innerstädtischen Einzelhandel gewonnen wird. Mit Umzügen aus anderen Osnabrücker Einkaufsstraßen oder Filialen vorhandener Innenstadtläden ist das alleine sicherlich nicht erreichbar, das hat auch die Wirkungs- und Verträglichkeitsuntersuchung der CIMA dargelegt. Deshalb hat der Rat in dem Vertrag mit der Neumarkt-Projektgesellschaft vereinbart, dass die Hälfte der geplanten etwa 100 Geschäfte neu sein müssen oder alternativ auf der Hälfte der Verkaufsfläche im Center neue Läden entstehen. Isoliert betrachtet passt Sinn-Leffers da hinein, wegen der Begrenzung des Textilangebotes im Center auf etwa 8500 Quadratmeter wäre es dann für Unibail die Aufgabe, mit vielen kleinen, wirklich neuen Marken-Shops und weiteren Ankermietern aus dem Bereich Elektronik, Drogerie oder Lebensmittel die versprochene überregionale Ausstrahlung zu entwickeln.

NOZ: Sinn-Leffers-Geschäftsführer Göbel will sich von der Politik nicht vorschreiben lassen, wo das Unternehmen in der Stadt seine Geschäfte betreibt. Was antworten Sie darauf?

Herr Göbel hat Recht, denn großflächiger Einzelhandel ist unter Beachtung des städtischen Märkte- und Zentrenkonzeptes und bei Berücksichtigung des Baurechtes an vielen Stellen des Stadtgebietes möglich, so auch am Neumarkt. Die Stadt kann darüber hinaus keinem Händler vorschreiben, an welchen Standort er zu gehen hat. Das bleibt eine rein unternehmerische Entscheidung!

NOZ: Sie haben dem Durchführungsvertrag damals nicht zugestimmt, weil er ihnen nicht weit genug ging. Was fehlt nach ihrer Meinung?

Der Durchführungsvertrag legt den Begriff des "Neuen" weit aus. Da Neuheiten aber wesentlich für die Attraktivität eines Centers und damit für die Gewinnung zusätzlicher Innenstadtbesucher sind, habe ich den Stadtrat darauf hingewiesen, dass die Wahlmöglichkeit zwischen Flächen-Quote und Laden-Quote eine Schwäche des Vertrages darstellt, soweit es um die gewollten positive Effekte für den gesamten City-Bereich unserer Stadt geht. Bei derzeit geplanten 16.500 Quadratmetern Verkaufsfläche würde die Neuansiedlungsquote beispielsweise erreicht, wenn ein bis zwei größere Ankermieter und wenige kleine Läden im Center "neu" wären, der größte Teil der geplanten 100 Geschäfte dürfen dann Umzüge aus der Großen Straße, Krahnstraße, Johannisstraße, Jürgensort und Kamp sein. Es ist eben nicht so wie jetzt SPD, Grüne und FDP glauben machen wollen, dass tatsächlich 50 Prozent der Läden neu sein müssten. Das könnte eine Menge von potentiellen Leerständen in vorhandenen Einkaufsbereichen erzeugen. Nach dem CIMA-Gutachten von 2010 sind schon heute Randlagen wie Hasestraße, Georgstraße und Möserstraße gefährdet, aber Frequenzverluste wären auch im Umfeld vom Nikolaiort und bei Galeria Kaufhof zu erwarten. Diese Auswirkung kann nur durch einen innovativen Branchenmix im Center kompensiert werden, der zusätzliche Kundschaft auch in diese Einkaufszonen leitet. Die Verwaltung hatte dem Rat deshalb eine Kombination der Quoten vorgeschlagen.

NOZ: Wie stellen Sie sich die künftige Nutzung der Sinn-Leffers-Immobilie an der Johannisstraße vor?

Handel ist Wandel, aber eine Nachnutzung großer Handelsimmobilien ist auch in Osnabrück vor dem Hintergrund des wachsenden Internethandels nicht einfach, auch darauf hat das dem Rat bekannte CIMA-Gutachten hingewiesen. Gerade in Randlagen müssen die Eigentümer zukünftig über ganz andere Nutzungsarten oder gar einen Abbruch nachdenken. Das konnte man beim alten C&A-Gebäude und kann man immer noch beim Wöhrl-Haus sehen. Für die Wöhrl-Immobilie wurde trotz vieler Busse vor der Türe und der Universität in der Nähe keine eigene Nachnutzung gefunden, auch nicht für ein soziales Kaufhaus. Dafür sind die Renditeerwartungen der Eigentümer immer noch zu hoch. Aber auch andere großflächige Spezialimmobilien wie die ehemalige Dresdner Bank haben Nachnutzungsschwierigkeiten gezeigt. Von der Lage und Erreichbarkeit wäre eine Bildungseinrichtung als Nachnutzung möglich, was aber über die erzielbaren Mieten nicht einfach zu refinanzieren sein dürfte. Das Gleiche gilt für denkbare Büro- oder Wohnnutzungen, die zusätzlich zumindest erhebliche Umbauarbeiten erfordern. Wir als Stadt werden bei einer Neuvermietung oder Umgestaltung der Sinn-Leffers-Immobilie im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.



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