Navigation über die Inhaltsbereiche dieser Seite

Der Hauptinhaltsbereich - hier finden Sie Artikel zum Thema Nachrichten

08.10.2015

OB Griesert gratuliert Swetlana Alexijewitsch zum Literaturnobelpreis

„Ich freue mich sehr, dass die Preisträgerin des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises von 2001, Swetlana Alexijewitsch, nun mit dem Literaturnobelpreis geehrt wird“, kommentiert Oberbürgermeister Wolfgang Griesert spontan die ersten Meldungen. „Swetlana Alexijewitsch fühlt sich dem Werk Erich Maria Remarques in ganz besonderer Weise verbunden. Auch für ihre Arbeit gilt das Motto Remarques: Man muss an die Zukunft glauben, an eine bessere Zukunft. Vielleicht  gab sie in Erinnerung an dieses Motto ihrem Buch über die Tschernobyl-Katastrophe den Untertitel: Eine Chronik der Zukunft.“  

Swetlana Alexijewitsch, 2011 im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses.
(Swetlana Alexijewitsch, 2011 im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses) Swetlana Alexijewitsch, 2011 im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses

Insbesondere das Buch „Tschernobyl“ von 1997, aber auch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ von 1985, „Zinkjungen“, eine Dokumentation über die Folgen des Afghanistan-Krieges von 1992, sowie die Dokumentation über russische Selbstmörder „Im Banne des Todes. Geschichten russischer Selbstmörder“ von 1994 hatte die Jury bewogen, Alexijewitsch 2001 mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis zu würdigen.

In ihrer Dankesrede sagte sie im Friedenssaal des historischen Rathauses: „Weshalb schreibe ich? Weil das Leben für mich ein Rätsel ist, ein Geheimnis, und zugleich etwas Unvollkommenes, Ungesundes… Das Wort entsteht aus der Furcht vor dem Tod, aus der Furcht vor dem spurlosen Verschwinden. Und wir brauchen das Geheimnis, das heißt, die Unendlichkeit. Manchmal erschient mir das Geheimnis als eine zarte Blume, manchmal jedoch – so während des Kriegs in Afghanistan und auf der toten Erde von Tschernobyl – kommt es mir als ein Ungeheuer vor. Im Krieg richtet man mit fast kindlichem Staunen ständig ein und dieselbe Frage sowohl an den Himmel als auch an die Kultur: Wie ist der Mensch fähig, dem anderen Menschen so etwas anzutun? Auf der verlassenen Erde von Tschernobyl, die durch Stacheldraht, Milizposten und unser Nichtbegreifen des Vorgefallenen (wir haben Tschernobyl nämlich nicht vergessen, wir haben es nicht begriffen) von uns getrennt ist, verblüfft am allermeisten: ein Welt ohne Menschen. Eine Welt nach der Technologie. Nach den Ideen. Und mit einemmal entdeckt man, macht man die unangenehme Erfahrung – wie schnell diese Welt doch den Menschen vergisst.“

25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe war Alexijewitsch noch einmal in Osnabrück: Die „Aktion Ferien für Tschernobylkinder“ hatte sie eingeladen. Am 11. März 2011 empfing sie der damalige Oberbürgermeister Boris Pistorius. Die Gäste unterhielten sich über die Gefahren, die vom havarierten Atomkraftwerk in Tschernobyl noch immer ausgehen – noch nicht wissend, dass sich am selben Tag am anderen Ende der Welt der Name „Fukushima“ ins Gedächtnis der Menschheit einbrennt und für Wochen die Weltnachrichten beherrscht.



www.osnabrueck.de

Datenschutz | Impressum | Urheberrechte © 1996-2018: Stadt Osnabrück | Tel: 0541 323-0

zum Seitenanfang mit der Seitenbereichsnavigation springen