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18.08.2016

Integration von jugendlichen Zuwanderern – Der Beitrag des Berufsschulzentrums am Westerberg

„Ich möchte Automechatroniker werden“. Die Worte gehen Ali Haboosh gut über die Lippen, auch wenn er sich sehr konzentriert und vermutlich ein bisschen aufgeregt ist. Deutsch lernt er erst seit elf Monaten und nun ist Osnabrücks Oberbürgermeister zu Gast, um sich anzusehen, wie Flüchtlinge unterrichtet werden. Der junge Libanese besucht eine SPRINT-Klasse im Berufsschulzentrum am Westerberg. Das berufspädagogische Förderzentrum ist erster Ansprechpartner für junge Zuwanderer im Großraum Osnabrück, die zwar schulpflichtig, aber zu alt für die Grundschule sind.

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(2016 08 18 Integration BBS sb 01) Ali Haboosh (links) lernt Deutsch in einer SPRINT-Klasse im Berufsschulzentrum am Westerberg. Im Gespräch mit Franz Papenbrock, Schulleiter, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, Lehrer Friedhelm Roeder, Lehrerin Ida Hoeksma und seinen Mitschülern beweist er, wie gut er in elf Monaten Deutsch gelernt hat. Foto: Stadt Osnabrück / Silke Brickwedde
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(2016 08 18 Integration BBS sb 03) In einer SPRINT-Klasse im Berufsschulzentrum am Westerberg lernen 17 Schüler aus neun Nationen Deutsch und bereiten sich auf das Berufsleben vor. Foto: Stadt Osnabrück / Silke Brickwedde

In Ali Habooshs SPRINT-Klasse (Sprach- und Integrationsprojekt) lernen 17 Jugendliche aus neun verschiedenen Ländern: viele aus Syrien, aber auch zum Beispiel aus Afghanistan, Eritrea, Somalia oder Albanien. Vor elf Monaten sprach keiner von ihnen Deutsch, heute kann Oberbürgermeister Wolfgang Griesert sich zu ihnen in den Unterricht setzen und sich unterhalten – ein Dolmetscher ist nicht nötig.
 
Ali Haboosh erzählt, wie die Klasse miteinander lernt und dass sie alle wie Brüder und Schwestern sind. Der Syrer Ali Ahmed berichtet, wie er seine Flucht erlebt hat, bei der er in einem völlig überfüllten Boot von der türkischen zur griechischen Küste gebracht wurde. Das Mädchen Salam Al Ali möchte wiederum wissen, ob der Oberbürgermeister auch Hobbys hat.
 
Bevor die Klasse gemeinsam Deutsch lernen konnte, musste jeder von ihnen ein einstündiges Gespräch absolvieren. Die Schule hat eine Leitstelle eingerichtet, die jeden Schüler aufnimmt, in einem Sprachfeststellungsverfahren testet und einschult. In dieser Leitstelle sitzt der Lehrer Friedhelm Roeder an den Hebeln. Hinter ihm steht das Team um die Vertreter der Schulleitung Ulf Zumbrägel und Franz Papenbrock.
 
120 Schüler sind gerade eingeschult worden – mit jedem von ihnen hat Friedhelm Roeder Kontakt gehabt. „2010 hatten wir eine Sprachförderklasse“, erinnern sich Roeder und Ulf Zumbrägel, „heute haben wir sieben, dazu kommen fünf SPRINT-Klassen.“ Dieses Integrationsprojekt wurde für die berufsbildenden Schulen entwickelt, und soll jugendlichen Flüchtlingen helfen, Sprachbarrieren abzubauen und mit der Berufs- und Arbeitswelt vertraut zu werden. Außerdem lernen die jungen Männer und Frauen die regionale Lebenswelt kennen. „Sie sollen nach Schulschluss um 15 Uhr nicht in ihre eigene, abgeschlossene Welt zurückkehren, sondern Angebote in Kunst, Musik oder Sport wahrnehmen können“, betont Ulf Zumbrägel. Das Berufsschulzentrum hat viele Partner und pflegt ein großes Netzwerk.
 
Von der Leitstelle am Westerberg werden die jungen Flüchtlinge auch auf die berufsbildenden Schulen am Pottgraben und Haste verteilt – alles aus einer Hand. Dieses System soll gewährleisten, dass jeder Jugendliche ein passgenaues Schulangebot findet. „Der große Vorteil ist: alle Partner sind vernetzt und wissen Bescheid“, sagt Lehrer Roeder.
 
„Deutsch lernen ist maßgeblich für die Integration“, findet Zumbrägel. Gemeinsam mit Kammer und Betrieben werden die Schülerinnen und Schüler darauf vorbereitet ins Berufsleben zu starten. Doch der Weg ist schwer. Sich auf Deutsch verständigen zu können, heißt noch lange nicht, die Inhalte eines Ausbildungsberufs zu verstehen. Die Verzahnung von Schule, Arbeitswelt und Gesellschaft stellt dabei einen wesentlichen Beitrag zu Integration der jugendlichen Zuwanderer dar.
 



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