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03.02.2016

Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus

Dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedachten Vertreter aus Stadt und Landkreis Osnabrück am 27. Januar auf dem Marktplatz in Osnabrück. Mehr als hundert Bürgerinnen und Bürger, darunter viele Angehörige der Jüdischen Gemeinde Osnabrück und der Osnabrücker Sinti, erinnerten sich gemeinsam an die Opfer des Nationalsozialismus. Wie jedes Jahr hatte der Landschaftsverband Osnabrücker Land die Zentrale Gedenkveranstaltung ausgerichtet.

27jan 2016 griesert breiwe kranzniederlegung stadtwaage 1.
(27jan 2016 griesert breiwe kranzniederlegung stadtwaage 1) Erinnerungszeichen an der Gedenktafel für die Sinti-Opfer des Nationalsozialismus: Wie zuvor schon an der Gedenktafel für die jüdischen Opfer legten Oberbürgermeister Wolfgang Greisert (zugleich Präsident des ausrichtenden Landschaftsverbandes) und die stellvertretende Landrätin Susanne Breiwe einen Kranz nieder. Foto: LVO

In seiner Ansprache stellte Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert fest, dass die menschenverachtende Tatsache des nationalsozialistischen Rassenwahns die Bevölkerung heute wieder vor die Frage stelle: „Wo liegt unsere Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes?“ Das Land befinde sich in einer deutlich spürbaren Umbruchphase, unsere Gesellschaft sei zu vielfältiger Neugestaltung herausgefordert. Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass das, wovor die Gedenkfeier unmissverständlich warnen wolle, offenbar noch immer das Potenzial zur Spaltung der Gesellschaft habe. Griesert forderte die Besucherinnen und Besucher auf wachzubleiben. Dabei wies er auf die Unterstützung durch  zahlreiche Bildungseinrichtungen, Museen, Gedenk- und Dokumentationsstätten hin, die zur Aufklärung und Vermittlung beitrügen.

Nach einer Schweigeminute legten Griesert und die stellvertretende Landrätin des Landkreises Osnabrück, Susanne Breiwe, vor der Gedenktafel für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gemeinsam einen Kranz nieder.

Baruch Chauskin, Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, stimmte im Anschluss an die Kranzniederlegung „El male rachamim“ an. Dieses Gebet in aschkenasischer Sprache wird  u. a. zum Gedenken an die Opfer des Holocaust vorgetragen. „Erbarmungsvoller Gott, … gewähre vollkommene Ruhe unter den Fittichen Deiner göttlichen Gegenwart … allen Seelen der sechs Millionen Juden, den Opfern der Schoa in Europa, die zur Heiligung des göttlichen Namens ermordet, hingeschlachtet oder verbrannt und vernichtet wurden in Auschwitz, Bergen-Belsen, Majdanek, Treblinka und in den übrigen Vernichtungslagern. …“ Aufmerksame Zuhörer stellten fest, dass Kantor Chauskin zu den aufgezählten Vernichtungslagern noch „Riga“ hinzufügte – die meisten Juden aus Osnabrück seien nach Riga deportiert worden, erläuterte er nach der Veranstaltung.

Zum Abschluss der Gedenkfeier erinnerte Manfred Böhmer, Vorsitzender des Niedersächsischen Verbandes deutscher Sinti, an die Vernichtung auch seines Volkes durch den nationalsozialistischen Terror. Nur ein kleiner Prozentsatz der Osnabrücker Sinti sei am Leben geblieben. Eindrucksvoll schilderte er eine Begebenheit aus dem Lager Auschwitz, die sein Vater berichtet hatte: Fünf Cousins der Familie seien dort zum Duschen eingeteilt worden, dem sechsten, jüngsten, sei die Teilnahme angesichts seines Alters freigestellt worden. Wohl wissend, was passieren werde, habe der Junge sich seinen Verwandten aus eigenem Antrieb angeschlossen, habe sein obligatorisches Handtuch entgegengenommen und sei den anderen hocherhobenen Hauptes in den todbringenden Duschraum gefolgt.

Mit einem Gebet Böhmers und einer weiteren Kranzniederlegung an der Gedenktafel für die Sinti-Opfer des Nationalsozialismus schloss die Veranstaltung.



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