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28.12.2017

Zwei junge Männer der Stadtwache trugen das Goldene Buch zum Papst vor den Dom

Papst Johannes Paul II. sitzt am Tisch vor dem Hauptportal des Osnabrücker Domes und schreibt seelenruhig seinen Namen in das  Goldene Buch der Stadt Osnabrück. Kaum einen Meter weiter stehen zwei junge Männer mit Federhut im dichten Gedränge: Stephan Brinkmeyer und Thomas Plogmann. Die beiden Mitglieder der Stadtwache haben das Goldene Buch vor den Dom gebracht – mit der strikten Anweisung dem Papst den Stift zu überreichen und dann das Buch wohlbehalten wieder ins Rathaus zu bringen.

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(1980-11-16_Papst) Thomas Plogmann, links mit Federhut, sieht zu, wie Papst Johannes Paul II sich in das Goldene Buch der Stadt einträgt. Oberbürgermeister Ernst Weber (mit Kette) beugt sich zum Papst herunter, im Hintergrund steht Stephan Brinkmeyer (rechts mit Federhut). Neben Thomas Plog-mann steht Landrat Josef Tegeler. Vor Stephan Brinkmeyer steht Erzbischof Paul Marcinkus, damals „Reisemarschall“ des Papstes, der die Reisen des Papstes plante und organisierte. Foto: Hartwig Fender
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(Stadtwache_1980) Vor dem Hauptportal des Domes warten Stephan Brinkmeyer (links) und Thomas Plogmann mit dem Goldenen Buch auf Papst Johannes Paul II. Foto: Hartwig Fender
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(Plogmann_Brinkmeyer_heute) 37 Jahre später blicken Thomas Plogmann (links) und Stephan Brinkmeyer wieder in das Goldene Buch der Stadt Osnabrück. Foto: Stadt Osnabrück, Silke Brickwedde

37 Jahre ist das jetzt her. Durch die Ausstellung „Von Papst bis Popstar – das Goldene Buch der Stadt Osnabrück“ im Obergeschoss des Rathauses erinnerten sich Thomas Plogmann und Stephan Brinkmeyer wieder an den Tag, als sie dem Papst nah waren – und dann von der Presse verfolgt wurden.  

Eigentlich verlässt das Goldene Buch das Osnabrücker Rathaus nicht. Doch was sollten die Mitarbeiter des Protokolls im Rathaus machen? Der eng gesteckte Zeitplan sah beim Besuch des Papstes am 16. November 1980 in Osnabrück keinen Abstecher in den Friedenssaal vor. Doch ohne Unterschrift sollte Papst Johannes Paul II. die Stadt nun auch wieder nicht verlassen. Keine Frage, das Buch musste zum Dom.

Und so kam es, dass zwei junge Männer, die gerade ihre Ausbildung bei der Stadt Osnabrück beendet und sich als Mitglieder der Stadtwache bewährt hatten, das kostbare Buch vor das Domportal transportierten – und dann kaum einen Meter vom Papst entfernt standen. „Wir liefen mit dem Buch einfach so über die Straße zum Papst. Das kann man sich heute kaum vorstellen“, wundert sich Stephan Brinkmeyer. „Ich war erst  22 Jahre alt und Thomas 19.“ Weder Polizei noch Sicherheitsdienst waren mit dabei und auch kein weiterer Mitarbeiter der Stadt. Eigentlich begleitet die Stadtwache den Karneval, das Steckenpferdreiten oder schmückt besondere Empfänge im Rathaus – das Goldene Buch durch die Straßen zu tragen, war etwas nie Dagewesenes.

Erst warteten Thomas Plogmann und Stephan Brinkmeyer eine ganze Weile im Regen vor dem Hauptportal. An diesem Sonntag im November war es dort noch windiger und ungemütlicher als sonst, das Buch mussten sie irgendwie schützen – endlich kam der Papst aus den mächtigen Türen heraus. „Er war viel kleiner als ich dachte“, erinnert sich Stephan Brinkmeyer. Thomas Plogmann wurde plötzlich von zwei kräftigen Armen umfasst. „Ich hatte ja einen Degen dabei. Der italienische Sicherheitsmann, der trotz des schlechten Wetters eine Sonnenbrille trug, konnte ja nicht wissen, dass er stumpf ist.“ Irgendwann ließ der Mann los. „Wir mussten dem Papst schließlich auch den Stift überreichen.“

Vor dem Portal knieten Fotografen von Stern, Spiegel und Quick auf einer schräg gebauten Holztribüne. Um den Papst herum standen unter anderem Oberbürgermeister Ernst Weber und viele Geistliche. „Ich habe  noch die Seiten des Buches festgehalten, es war ja so windig“, sagt Brinkmeyer. Auch der Landkreis Osnabrück hatte sein Goldenes Buch mitgebracht. Plogmann und Brinkmeyer umrahmten Oberkreisdirektor Wolfgang Kreft, Landrat Josef Tegeler, Prälat Josef Homeyer, damals Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz (und später, ab 1983, Bischof von Hildesheim), Oberstadtdirektor Raimund Wimmer, Papst Johannes Paul II, Oberbürgermeister Ernst Weber und Erzbischof Paul Marcinkus, damals „Reisemarschall" des Papstes.

Dann war der Papst wieder weg und für die beiden Mitglieder der Stadtwache hieß es: „Jetzt nichts wie schnell wieder zurück ins Rathaus.“ Sie hatten die Rechnung aber ohne die versammelte Weltpresse gemacht. „Wir sind so schnell gelaufen wie wir konnten, aber die Fotografen von Stern, Spiegel und Quick waren uns auf den Fersen“, erinnert sich Brinkmeyer. „Aber mit den Schaftstiefeln waren wir nicht schnell genug.“ Auf Höhe von Kerzen Bücker gab es kein Entkommen mehr. „Die Fotografen wollten unbedingt die Unterschrift fotografieren. Wir öffneten also das Buch und konnten später unsere Hände in allen möglichen Zeitschriften wiederfinden.“ Danach erst kam das Goldene Buch wieder ins Rathaus zurück – und hat es seitdem auch nicht mehr verlassen.



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