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06.04.2011

Vor 100 Jahren: "Eine soziale Einrichtung ist hier neu entstanden"

Vor 100 Jahren, am 22. April 1911, berichtete das "Osnabrücker Tageblatt", die Gemeinde Schinkel beabsichtige eine Flussbadeanstalt in der Hase an der Wellmannsbrücke einzurichten - und damit einem dringenden Bedürfnis der Bevölkerung nachzukommen.

Erste Planungen 1911

Am 22.4.1911 berichtete das "Osnabrücker Tageblatt:" "In der Hase an der sog. Wellmannsbrücke hier soll gemeindeseitig eine Badeanstalt errichtet werden. Das Haseflußbett bleibt unverändert. Das südlich Flußufer wird befestigt, um Erdabrutschungen zu verhüten. Die ganze Anlage wird mit einer entsprechend hohen Einfriedung versehen. Wenn eben möglich, soll die Anstalt mit Beginn der Außenbadezeit der Benutzung übergeben werden. Neben einer als An- und Auskleideraum dienenden Halle werden noch verschließbare Zellen und ein Raum für den Bademeister hergerichtet. Die Errichtung der Badeanstalt, welche auch von den Auswärtigen benutzt werden dürfte, entspricht einem dringenden Bedürfnis. Das nächste Flußbad ist die städtische Badeanstalt in der Nette. Dasselbe liegt aber für die Mehrzahl der hiesigen Ortseingesessenen zu weit entfernt."

Realisierung erst 1912

Dann wurde es still um das neue Flussbad. Das "Osnabrücker Tageblatt" vermerkte am 11. Juli 1911 enttäuscht: "Die im April beschlossene Errichtung einer Flußbadeanstalt an der Wellmannsbrücke ist bis jetzt noch nicht zur Ausführung gelangt, was angesichts des schönen und warmen Sommerwetters zu bedauern ist. Man hört von dem Projekt überhaupt nichts mehr. Wäre es nicht möglich gewesen, schon in diesem Jahre eine provisorische Badeanstalt zu errichten? Damit wäre einem dringenden Bedürfnis abgeholfen worden."

Erst am 1. Mai des Folgejahres keimt wieder Hoffnung auf. Das "Osnabrücker Tageblatt":

"Das Projekt der Errichtung einer Badeanstalt bei der sog. Wellmann'schen Brücke in der Hase ist nunmehr seiner Verwirklichung insofern einen Schritt näher gerückt, als es, wie wir hören, die behördliche Genehmigung erhalten hat. Man darf hieran den Wunsch knüpfen, daß dieselbe recht bald seitens der Gemeinde Schinkel zur Ausführung gebracht werden möge; denn die Schaffung einer geeigneten Badegelegenheit daselbst stellt sich immermehr als ein dringendes Bedürfnis heraus. Die nächste Flußbadegelegenheit in der Nette bei der Hastermühle ist für die Schinkeler Bevölkerung zu abgelegen."

Am 23. Juli 1912 war es endlich soweit. Das "Osnabrücker Tageblatt" berichtete tags zuvor:

"Zur morgigen Eröffnung der Haseflußbadeanstalt in Schinkel wird uns noch geschrieben: Die Haseflußbadeanstalt an der Wellmann's Brücke soll am Dienstag, den 23. Juli, ihrem Zwecke übergeben werden. Sie liegt am Seitenwege entlang unweit der Mindenerstraße und ist auch per Rad bequem zu erreichen. Es ist ein schöner Weg dorthin angelegt worden. Von der Eisenbahnstation Lüstringen ist die Anstalt etwa 4 – 5 Minuten entfernt. Die Badepreise sind mäßig gehalten. Beim angestellten Badewärter sind kleine Erfrischungen (kein Alkohol) zu haben. Das Werk, im Ganzen betrachtet, muß als gelungen bezeichnet werden. Das Hasewasser ist hier stets klar. Die Badeanstalt schließt unmittelbar an ein kleines Wäldchen an und liegt mitten in üppig grünenden Wiesen, in denen nach dem Wasserbade noch ein Sonnen- oder Lichtluftbad genommen werden kann. Es ist zu wünschen, daß das Anlagekapital der Gemeinde Schinkel sich annehmbar verzinst. Eine soziale Einrichtung ist hier neu entstanden."

1927: Vom Flussbad zum Freibad

15 Jahre vergnügten sich Schinkeler und Osnabrücker in den Fluten der Hase; doch war die Freude im wahren Sinne des Wortes nicht immer ungetrübt: die Qualität des Wasser ließ hin und wieder zu wünschen übrig. Grund genug, dem großen "Moskaubad" in der Osnabrücker Wüste nachzueifern und ein Freibad einzurichten. So wurde 1927 das neue Bad, das jetzt unabhängig vom Hasewasser sein sollte, in Angriff genommen. Wie das Freibad an der Wellmannsbrücke beschaffen sein sollte, beschrieb das "Osnabrücker Tageblatt" am 20. Februar 1927:

"Nachdem im vergangenen Jahre trotz der wirtschaftlichen Not das große Freibad in der Moskau gebaut und ein Volksbad im wahren Sinne des Wortes geschaffen worden ist, haben die städtischen Kollegien auf dem Wege zur Volksgesundung wieder einen bedeutenden Schritt weiter getan und dem Projekt einer modernen Freibadeanstalt in Schinkel ihre Genehmigung zur Ausführung erteilt. Obwohl die Kosten ziemlich bedeutend sind, so war man sich doch bewusst, daß Ausgaben für Volksgesundheit und Volkswohl reiche Zinsen tragen. Zum Projekt selbst ist folgendes zu sagen:

Die neue Freibadeanstalt soll auf dem Grundstück des Hofbesitzers Wellmann, an der Wellmannsbrücke, das die Stadt im Wege des Erbbaurechts auf 99 Jahre gepachtet hat, errichtet werden. Die alte, von der früheren Gemeinde Schinkel auf einem Teile des Grundstücks errichtete Flußbadeanstalt fällt weg. Die neue Anstalt liegt an dem von der Mindenerstraße abzweigenden sog. Wellmannsweg und soll in erster Linie der Schinkeler Bevölkerung dienen.
Das ganze Grundstück ist 10.000 Quadratmeter (ca. 4 Morgen) groß. Hiervon entfallen:

auf die Wasserfläche 2.500 Quadratmeter,
auf die Gebäude usw. 650 Quadratmeter,
auf die Freiflächen 6.850 Quadratmeter.

Vorgesehen sind ein Schwimmbecken von 50 x 16 Meter und 1,8 Meter Wassertiefe und zwei Becken für Nichtschwimmer von 0,40 bis 1,40 Meter Tiefe. Das Schwimmbecker erhält einen 3 Meter hohen Sprungturm und eine 3 Meter tiefe Sprungbucht und sonst alle technischen Einrichtungen, die zur Ausübung des Sports erforderlich sind. Sämtliche Becken erhalten Umfassungswände und Sohlen in Eisenbeton.

Zum Schutz gegen Ueberflutung der normalen Hochwässer wird das ganze Grundstück aufgehöht., dadurch erhält auch der Wasserspiegel der Becken eine erhöhte Lage gegenüber dem der Hase. Durch diese Anordnung liegen die Becken vollständig getrennt von der Hase, eine Verlandung derselben ist daher ausgeschlossen. Ein kleines Pumpwerk drückt das Frischwasser in die Becken.
Die Anlagen zum Umkleiden werden nach demselben System (sog. Wechselzellen) gebaut wie im Freibad Moskau. Vorgesehen sind 900 Kleiderablagen für Frauen und 800 für Männer. Dazu kommen noch 850 offene Kleiderablagen für Mädchen und 850 für Knaben. Neben den Räumen für die Kasse, Wärter und Wäsche ist auch eine Wohnung für den Bademeister vorgesehen. Die ganze Anlage wird mittelst eines 2 Meter hohen Maschendrahtzaunes eingefriedigt. Mit dem Bau soll sofort begonnen werden.

Ein lang gehegter Wunsch der Schinkeler Bevölkerung wird damit seiner Erfüllung entgegengehen. Möge auch dieses Freibad für alt und jung eine Stätte reiner Freude werden, wo der Mensch nach der Mühsal des Tages Erholung und neue Kraft findet!"

1998: "Aus" für die Wellmannsbrücke

Bis 1997 blieb das Freibad an der Wellmannsbrücke in Betrieb und brauchte sich über einen Mangel an munterem Treiben nie beklagen, obwohl der Badespaß in den letzten Jahren im Schatten der Autobahn stattfand. Doch dann - 1998 - wurde das Bad im Zuge von Erweiterungen der Gewerbeflächen aufgegeben.

 

 

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