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Gemeinschaft, Inklusion und Innovation – Jury zeichnet sechs Projekte aus

Was oder wer wurde gesucht? Warum ein Preis? Ganz einfach: Das Thema „Wohnen“ ist eines der wichtigsten Themen derzeit - in Osnabrück wie in ganz Deutschland - und wird es noch eine Weile bleiben. Dabei ist der Neubau von Wohnraum nur ein Aspekt. Mindestens genauso erfolgversprechend und spannend ist es, den Wohnraum, der schon zur Verfügung steht, geschickt zu nutzen. Im Blick steht dabei nicht nur der Quadratmeter an sich, sondern insbesondere, wie miteinander gewohnt und gelebt wird.

Gute Ideen und interessante Gemeinschaftsansätze, sollen bekannter gemacht werden und andere zum Nachmachen motivieren.

Der erstmalig mit insgesamt 10.000 Euro ausgelobte Preis ist ein Beitrag zu den strategischen Zielen der Stadt Osnabrück, insbesondere dem Ziel 1 „Sozial-und umweltgerechte Stadtentwicklung“, das die Wohnraumentwicklung (1.1) und das soziale Miteinander (1.3) besonders betont.

In diesem Zuge gingen 18 ganz unterschiedliche und vielfältige Bewerbungen um den Preis „So wohnt OS“ bei der Kontaktstelle Wohnraum ein und wurden im Dezember 2019 dem Preisgericht zur Entscheidung vorgelegt. Gefragt waren innovative Ideen für neue Wohnformen. Dabei hat sich die Jury die Entscheidung nicht leichtgemacht. Während der mehrstündigen Sitzung wählte sie sechs hervorragende Projekte aus.  Direkt im Anschluss wurden die Preisträgerinnen und Preisträger darüber informiert, dass sie gewonnen haben, nicht aber, wie hoch ihr Gewinn ausfällt. Bis zur Preisverleihung blieb es also spannend. Am 29. Februar 2020 haben die Gewinnerinnen und Gewinner die eleganten Glas-Trophäen während der Messe Bauen und Wohnen der Sparkasse und die Höhe ihrer Preisgelder erfahren.

Die Siegerprojekte

Mit jeweils 2.000 Euro Preisgeld:

  • Nachbarschaft im Backsteinviertel e. V
  • Wohnen für Hilfe Osnabrück

Mit jeweils 1.250 Euro Preisgeld:

  • WirQuartier
  • Selbstbestimmte Wohngemeinschaft Springmannskamp,
  • Einfamilienhaus auf kleinem Baufeld – Platzwunder im Grünen 
  • Wohnen4: klimaneutral – platzsparend – gesund – sozial variabel 

Die restlichen 1.000 Euro der Preissumme hat die Kontaktstelle Wohnraum der Stadt Osnabrück wegen der hohen Qualität aller Bewerbungen auf die nicht prämierten Beiträge als Anerkennung aufgeteilt.

Preisverleihung und Messe

Die Sparkasse Osnabrück hatte am 28. und 29. Februar 2020 zur Messe Bauen und Wohnen eingeladen. Die Stadt Osnabrück und die Lokale Agenda waren dort zum ersten Mal mit einem überarbeiteten Messestand aufgetreten. Neben den Themen „Barrierefrei leben“ oder den neusten Infos zu den Bebauungsplänen stellten die Fachleute dabei in exponierter Lage auch die Siegerprojekte vor. Vor einem großen Bildschirm machten es sich die Besucherinnen und Besucher in einer kleinen Sitzecke gemütlich und sahen eine Präsentation über die Teilnehmer und Siegerprojekte.  Etwas Besonderes am Messestand war die elegante Glastrophäe, die nicht nur ganz zufällig an einen Leuchtturm erinnert.

Höhepunkt der Messe, zumindest für die Kontaktstelle Wohnraum und die Bewerber des Preises, war die Preisverleihung.

Sozialdezernentin Katharina Pötter eröffnete die Veranstaltung. Überreicht wurde der Preis von den Vertretern der Wohlfahrt aus der Jury.

Auf die Bekanntgabe der Siegerprojekte und Übergabe der Trophäen folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema Wohnen mit der Vorsitzenden des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt, Anette Meyer zu Strohen, und Anke Jacobsen als Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschuss. Als Jurymitglieder erläuterten sie die Entscheidungen und beantworteten Fragen. Aber auch die Wünsche und Inspirationen der glücklichen Gewinner kamen bei dem Gespräch nicht zu kurz. Eine Person aus jedem Siegerprojekt konnte direkt und aus erster Hand über die Beweggründe und Schwierigkeiten auf dem Weg zur Verwirklichung ihres Projektes berichten und so dem Publikum schildern, was einen Pionier so um- und antreibt.

Siegerprojekte

Nachbarschaft im Backsteinviertel e. V. – prämiert mit 2.000 Euro

Sehr ordentlich sieht das Backsteinviertel aus, das westlich der Natruper Str. liegt. Die Häuser sind an der roten Klinkerfassade leicht zu erkennen, ähneln sich alle im Stil und wirken mit den Fensterläden einladend und gemütlich. Ordentlich, um nicht zu sagen beeindruckend, ist auch, was die Menschen hinter den Häusern in den letzten Jahren auf die Beine gestellt haben: Eine Nachbarschaft die einander hilft, Ressourcen teilt und viel zusammen erlebt.

Die Anwohner haben ein Nachbarschaftsfest, eine Olympiade, Wandern, Ausflüge und Besichtigungen veranstaltet. Doch das ist nur ein Teil von dem, was bei NiBS, wie die Nachbarschaft im Backsteinviertel von den Anwohnern genannt wird, auf der Agenda steht. Ein Gerätepool hilft den Mitgliedern bei der Bewältigung von handwerklichen Problemen ebenso wie der fachliche Austausch mit Nachbarn über einen speziellen E-Mail-Verteiler.

Niemand wird hier allein gelassen!

Nun gibt es viele Nachbarschaftsinitiativen kleineren und größeren Umfangs, doch die Professionalität, der Umfang sowie die Ausstrahlung des Projektes „NiBS“ wirkt sich auf das gesamte Quartier positiv aus. Das macht diese Initiative besonders. Der Verein ist grundsätzlich offen für alle, auch die, die nicht in direkter Nachbarschaft zum Backsteinviertel leben. Die Systemgrenzen gehen daher über das Backsteinviertel hinaus und beziehen insbesondere die anliegenden Gebiete mit ein. Die Altersstruktur erstreckt sich von Säuglingen und Kleinkindern bis Senioren; die Wohnformen reichen von Familien mit Kindern über Paare, Alleinstehende mit und ohne Kinder bis zu studentischen Wohngemeinschaften. Ihrem langfristigen Ziel, „ein Umfeld aus langjährig bekannten wie vertrauten Menschen zu schaffen, um den Einzelnen ergänzend oder alternativ zur Familie ein Älterwerden ohne Vereinsamung zu ermöglichen“, kommt diese Nachbarschaft so mit Sicherheit jeden Tag ein Stückchen näher. 

Kontakt NiBs:
Mail: jutta.essl(at)osnanet.de oder Dr.christa.hermanns(at)web.de
Internetseite: https://backsteinviertel.org/

Wohnen für Hilfe Osnabrück – prämiert mit 2.000 Euro

Wohnen für Hilfe ist ein Projekt, das ein einfaches, wie geniales Prinzip verfolgt. Personen, die Wohnraum haben und für die Hilfe im Alltag nützlich wäre, vermieten Ihren Wohnraum vergünstigt an Studenten, die Hilfe bieten können und dringend Wohnraum suchen. Es entsteht eine Win-Win-Situation. Was sich in der Theorie so einfach anhört, benötigt in der Praxis eine Betreuung, denn nicht jeder Topf passt zu jedem Deckel. Wer zusammenwohnt, muss auch zusammenfunktionieren. Das Projekt Wohnen für Hilfe vom AStA der Universität Osnabrück vermittelt zwischen den Parteien. Auf diese Weise entstehen Wohnpartnerschaften, die je nach Bedarf angepasst werden können. Typische Hilfeleistungen können beispielsweise Gartenarbeit, Einkäufe, Bügeln, Kochen oder auch gemeinsame Unternehmungen sein. Art, zeitlicher Umfang der Hilfe und Höhe der Vergünstigung werden vertraglich festgelegt. So gibt es eine verlässliche Grundlage bei dieser besonderen Wohnsymbiose. Ausgenommen sind Pflegeleistungen. Bei dem Prozess steht das Projekt Wohnen für Hilfe den Beteiligten mit Rat zur Seite und vermittelt. Wer also interessiert ist an dieser Win-Win-Situation, kann sich gerne beim AStA melden. Insbesondere Wohnraumbietende werden immer gesucht.

Kontakt Wohnen für Hilfe:
Telefon: 0541 969 4872
Mail: info(at)wfho.de
Internetseite: www.wfho.de

WirQuartier – prämiert mit 1.250 Euro

Der ein oder andere kennt vielleicht schon das WirQuartier, das am Borkumweg in Osnabrück liegt. Der moderne Bau sieht von außen wie ein Mehrfamilienwohnaus aus. Ein inklusives Wohnprojekt erkennt man zunächst nicht. Wer jedoch im Inneren die großzügigen Gemeinschaftsräume und Büros entdeckt, merkt, dass etwas anders ist. Seit 2015 leben hier 28 Studierende und 18 Menschen mit Behinderung unter einem Dach. Durch dieses Miteinander und die ausgeklügelte räumliche Umgebung entstehen ganz einfach Kontakte zwischen den Bewohnenden, die zusätzlich durch die Betreuung eines Sozialpädagogen vor Ort gefördert werden. Durch dieses Konzept ist allen eine selbstverständliche und selbstbestimmte Teilhabe an einem nachbarschaftlichen Alltag möglich.

Vier Akteure haben sich zusammengetan, um dies zu ermöglichen: Das Studentenwerk, die Lebenshilfe Osnabrück, die Friedel und Gisela Bohnenkamp Stiftung und die Heilpädagogische Hilfe Osnabrück. Durch diese Kooperation hat sich das Projekt prächtig entwickelt. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben die Gemeinschaft mit gemeinsamen Aktionen wie etwa Spiele- und Kochabenden im Gemeinschaftsraum sowie sportlichen und kulturellen Aktivitäten außerhalb des WirQuartieres.

Kontakt WirQuartier:
Telefon: 0151 40256723
Mail: H.deJong(at)os-hho.de

Selbstbestimmte Wohngemeinschaft Springmannskamp – prämiert mit 1.250 Euro

Die Selbstbestimmte Wohngemeinschaft liegt mitten in einem normalen Wohnhaus. Im Rahmen der urbanen Nachverdichtung hat die Sparkasse 2019 das moderne Mehrfamilienhaus errichtet, dessen Wohnungen eine Nutzung als studentische Wohngemeinschaften ermöglichen. Die Elterninitiative der Lebenshilfe sah ihre Chance, hier ihren Kindern mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die Anfrage bei der Sparkasse fiel positiv aus und die Lebenshilfe konnte zwei Wohnungen als Ganzes anmieten und nach ihren speziellen Belangen organisieren. Eine Anwesenheitsbereitschaft ist im Herbst 2019 in die Sechser-WG mit eingezogen, die sich auf die zwei Wohnungen aufteilt. Was sich in der Theorie logisch und leicht anhört, war in der Praxis gar nicht so einfach. Angefangen mit der der Finanzierung über die Behörden und Pflegeversicherung sowie die Frage, ob sich die Bewohner überhaupt einleben können, bis hin zur Organisation des passenden Pflegedienstes musste vieles geklärt werden. Solche Dinge sind natürlich besonders kompliziert, wenn man der Erste in der Stadt ist, der sich an eine solche Aufgabe wagt. Die Ausdauer und Offenheit aller Beteiligten, insbesondere der Elterninitiative, hat sich allerdings mehr als gelohnt. Die Bewohner und Eltern sind zufrieden und auch im Haus gibt es die ersten Kontakte mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern. Zum Schluss lässt sich festhalten, dass es funktioniert, in einem Neubau eine Wohngemeinschaft mit besonderen Bedürfnissen zu integrieren, die ein selbstbestimmtes Wohnen mit einer angemessenen Betreuung vereinen kann. Das macht Hoffnung, dass es Nachahmer geben wird.

Kontakt Manfred Müller (Sprecher der Elterninitiative):
Telefon: 0157 55867667
Mail: manfredmueller(at)osnanet.de

Einfamilienhaus auf kleinem Baufeld – Platzwunder im Grünen – [Prämie von 1.250 Euro gespendet an das WirQuartier]

Ein ungünstig geschnittenes Grundstück, eine schwierige Topografie und ein Bebauungsplan, der enge Maßgaben setzt. Viele Bauherren würden das Handtuch werfen oder gar nicht erst auf die Idee kommen, dort zu bauen. Dabei sind es genau diese Flächen, die eine behutsame und effektive Nachverdichtung ermöglichen. Umso mehr sind innovative Konzepte und Ideen gefragt, um den Wohnraum wirklich nutzbar zu machen. Diese Schwierigkeiten und viele gute Lösungen ergeben zusammen das Platzwunder im Grünen von Afra Creutz (Plan.Concept). Eine offen gestaltete Stahltreppe schafft beispielsweise eine räumliche Trennung, ohne Platz für ein Treppenhaus oder Wände zu verschwenden. Staffelgeschosse ermöglichen eine optimale Ausnutzung der überbaubaren Fläche. Zudem gibt es viele andere architektonische Kniffe, wie eine großzügige Westfassade, die den Raum in den Gartenbereich öffnet und so die Wohnqualität erhöht. Praktisch könnten ähnliche Projekte überall entstehen, wo Bauen in zweiter Reihe möglich ist. Vielleicht kommt ja der ein oder andere bei den Bildern auf den Geschmack.

Kontakt Plan.Concept:
Telefon: 0541 982240
Mail: info(at)planundconcept.de

Wohnen4: klimaneutral – platzsparend – gesund – sozial variabel – prämiert mit 1.250 Euro

Der Ansatz von Maria Polewsky ist konsequent: gut und gesund wohnen in jeder Lebenslage, aber in hohem Maße nachhaltig. Dafür hat sie den Entschluss gefasst, ein Holzmassivhaus in zweiter Reihe zu errichten. Statt großzügig neue Fundamente zu betonieren, hat sie die ehemalige Garage kurzerhand mit in den Neubau einbezogen und so die neue Flächenversiegelung minimiert. Auf diese Weise hat die Bauherrin die Wohnfläche auf ihrem Grundstück fast verdoppelt.  Bei den Baumaterialien setzte sie überwiegend auf nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Hanf und Lehm. Kombiniert mit dem hohen Wärmestandard (Passivhaus) durch die Massivholzwände und einer modernen PV-Anlage mit 7,2 KWp sowie innovativer Solar-Heiztechnik, benötigt sie keine fossilen Brennstoffe. Deshalb entfallen ganz nebenbei auch Wartungskosten für die Heizung. Nicht nur die moderne Technik bietet Vorzüge, auch der Grundriss ist clever gewählt. Er ermöglicht auf dem gesamten Grundstück drei bis vier verschiedene Wohneinheiten sowie ein „Joker-Apartment“, die sich unterschiedlich und flexibel kombinieren lassen. Eine getrennte Nutzung ist durch separate Eingänge ebenfalls möglich. Lässt sich hoffen, dass es an der ein oder anderen Stelle in Osnabrück weitere ungenutzte Garagen gibt.

Kontakt Maria Polewsky:
Telefon: 0541 8004788

Aus der Preisauslobung:

Bereits seit Jahren beschäftigt das Thema Wohnen wegen des knappen Wohnraums und sich ändernder Wohnvorstellungen einen Großteil der Stadtgesellschaft. Die Wünsche, aber auch die Möglichkeiten zu wohnen, sind sehr unterschiedlich.

Gleichzeitig erfordern der Klimawandel sowie steigende Bau-, Wohn- und Energiekosten neue Wege im Umgang mit den vorhandenen Ressourcen: weniger Flächenverbrauch, weniger CO², weniger teuer.

Auch die Stadtgesellschaft wandelt sich: mehr Ältere, mehr Einpersonenhaushalte, mehr Zuzug aus dem Umland. Die Stadt mit ihrer vielfältigen Infrastruktur ist gefragt bei Jung und Alt.

Durch sich verändernde Familienstrukturen und eine älter werdende Gesellschaft rückt das Miteinander außerhalb der klassischen Familie verstärkt in den Blick.

Vor diesem Hintergrund zeichnet der ausgelobte Preis Wohnansätze, Gemeinschaften, Pioniere aus, um andere zum Nachahmen zu inspirieren. Viele gute Wohnideen, Nachbarschaften und nachhaltige Lebensentwürfe sind erst einmal privat und blühen im Verborgenen. Mit dem Preis möchte die Stadt Osnabrück diese guten Beispiele bekannter machen.


www.osnabrueck.de

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