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Pflegebericht wirft einen Blick in die Zukunft

Der neue Pflegebericht der Stadt Osnabrück bietet viele Erkenntnisse. Drei davon sind: Die Menschen wollen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Zweitens sind viele Angehörige bereit, jemanden aus der Familie zu pflegen. Und drittens kommt etwas Neues hinzu: Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, die Pflege benötigen, steigt.

Die Bevölkerung wächst, wird älter, lebt vereinzelter und wird internationaler. Die Gesamtpflegequote (Anteil der Leistungsempfangenden an der Gesamtbevölkerung der Stadt Osnabrück) ist von 2,5 Prozent im Jahr 2011 auf 3,45 Prozent im Jahr 2017 gewachsen. Weit mehr als die Hälfte davon sind Frauen. „Das Thema Pflege wird uns noch lange begleiten“, sagt Sozialvorstand Katharina Pötter.

Die Zahl der Menschen, die Pflege benötigen, wächst. Die Zahl der Menschen, die dazu vor allem beruflich bereit sind, nicht. „Als Kommune können wir den Fachkräftemangel nicht allein beheben, das ist vor allem Sache des Bundes“, erläutert Pötter. „Aber wir können unseren Beitrag zu einer bedarfsgerechten Versorgung leisten und wir können die Angebote und die Akteure koordinieren und vernetzen.“ Ein wichtiger Beitrag der Stadt Osnabrück ist unter anderem die wohnortnahe und niedrigschwellige Beratung, z.B. im Senioren- und Pflegestützpunkt oder in den Quartieren, wie zum Beispiel im Schinkel. Zudem kann die Stadt freiwilliges Engagement fördern und unterstützen.

Auch der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, die gepflegt werden müssen, steigt. Der Anteil der Bevölkerung mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Osnabrück ist gewachsen und lag 2019 bei 15 Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt (2013 lag der Anteil bei 10 Prozent). Die Alterszusammensetzungen der deutschen und ausländischen Bevölkerung unterscheiden sich; die nichtdeutsche Bevölkerung ist insgesamt jünger. „Nun kommt aber die erste Generation der diversen Migrationsgesellschaft in das Alter, wo das Thema akut wird, das ist jetzt neu“, sagt Osnabrücks Integrationsbeauftragte, Seda Rass-Turgut.

Ein weiteres Ergebnis des Berichts ist, dass die Menschen so lange es geht zuhause im eigenen Quartier bleiben möchten. 75 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf werden im eigenen Umfeld umsorgt, der Großteil von den eigenen Angehörigen. Die Zeit im Pflegeheim wird kürzer. „Dieses Wissen kann uns bei unseren Planungen leiten“, erläutert Katharina Pötter. „Zum Beispiel dabei, wie die Versorgung vor Ort gestaltet wird und hat auch Auswirkungen auf die Wohnformen.“

Einen Grundtenor hat der Bericht: Reichen die Pflegeplätze? Wie viele sind vorhanden, wie viele werden noch benötigt? „Alles in allem stehen wir gar nicht schlecht da“, betont Pötter. Aktuell gibt es 1451 vollstationäre Plätze. Nach den Zahlen des Berichtes und den Prognosen werden rein rechnerisch 2026 etwa 40 Plätze mehr benötigt, danach wird der Bedarf nach der Bevölkerungsprognose geringer. Ob das tatsächlich so eintritt, lässt sich heute nicht mit absoluter Sicherheit sagen und wird weiter genau beobachtet.

Die Arbeit an dem Pflegebericht hatte noch einen Nebeneffekt. Die Stadt und die Träger der Einrichtungen haben eng zusammengearbeitet. „Wir haben dabei sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Katharina Pötter. „Wir können uns vor Ort wirklich glücklich schätzen.“

Der über 90 Seiten starke Pflegebericht ist im Fachbereich Integration, Soziales und Bürgerengagement, Stabsstelle Sozialplanung entstanden. Er kann unten auf dieser Seite heruntergeladen werden. Erhältlich ist er zudem in gedruckter Form im Senioren- und Pflegestützpunkt in der Bierstraße 32a.

Hintergrund

Der örtliche Pflegebericht der Stadt Osnabrück legt die lokale Entwicklung in der Pflege für die Jahre 2011 bis 2017 dar. Basis sind quantitative und qualitative Datenquellen. Um die aktuelle Versorgungslage in der Pflege erheben zu können, hat die Stadt Osnabrück die Pfleageanbietenden befragt. Darunter fallen vollstationäre und ambulante Pflege sowie Tagespflege und Kurzzeitpflege. Außerdem wird die Anzahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 prognostiziert. Ergänzend nimmt der Pflegebericht Bezug auf das Thema „Pflege im Quartier“ sowie die zunehmende Diversität also Vielfalt innerhalb der Gruppe der Pflegebedürftigen. Daraus werden schließlich Handlungsempfehlungen abgeleitet, damit die pflegerische Versorgung gesichert wird und bleibt.

Das Land Niedersachsen schreibt vor, dass die Kommunen alle vier Jahre einen örtlichen Pflegebericht erstellen. Ziel ist, die pflegerische Versorgung in Niedersachsen flächendeckend beurteilen und die Kommunen vergleichen zu können. So können Gesetze und Handlungsempfehlungen auf der Basis gleich strukturierter Pflegeberichte erarbeitet werden.

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