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Städtebaulicher Ideenwettbewerb: Was ist die beste städtebauliche Entwicklungsperspektive?

Die Kaserne an der Landwehrstraße im Stadtteil Atter ist mit ihren 37 ha die zweitgrößte Kaserne. Um die beste planerische Lösung für die Umnutzung zu erhalten, hat der Projektpartner ESOS - Energieservice Osnabrück GmbH in Abstimmung mit der Stadt Osnabrück im Jahr 2013 einen zweiphasigen städtebaulichen Ideenwettbewerb mit intergrierter Bürgerbeteiligung ausgelobt. Das transparent gestaltete Verfahren sollte vor allem dazu dienen, die Wünsche der Bürger zu berücksichtigen.

An diesem Wettbewerbsverfahren nahmen 25 Architekturbüros teil. Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, ein neues Wohnquartier mit ergänzender Infrastruktur wie nicht-störendem Gewerbe und unter Berücksichtigung der Sportanlagen zu planen. Daneben sollten Angebote für die Nahversorgung einschließlich ergänzender Angebote (Apotheke, Reinigung, etc.) berücksichtigt werden.

Ein weiteres Ziel im Bereich des Wohnungsbaus besteht darin, bezahlbaren Wohnraum für den Familienwohnungsbau zu schaffen. Der Anteil soll hier nach Wettbewerbsvorgabe bei 60% liegen. 40% der Wohneinheiten sollen im Geschosswohnungsbau oder alternativen Wohnformen geplant werden. 

Weitere Details können Sie gerne der Wettbewerbsdokumentation entnehmen.

Am 6. November 2013 entschied das Preisgericht und zeichnete das Architektur- und Stadtplanungsbüro Thomas Schüler Architekten, Düsseldorf, zusammen mit dem Landschaftsplanungsbüro faktorgruen, Freiburg, mit ihrem städtebaulichem Entwurf als ersten Preisträger aus.

Entwurfsidee: "Grüne Mitte Eversheide"

Nach Bekanntgabe des 1. Preisträgers erläutert Dipl.- Ing. Thomas Schüler seine Entwurfsidee.

Ihre Entwurfsidee „Grüne Mitte Eversheide“ und die Chancen für die Stadtteile Atter und Eversburg…
Das Kasernengelände an der Landwehrstraße war bisher undurchlässig, wirkte wie eine Barriere und hat den Stadtteil Atter stadträumlich von Eversburg abgeschnitten. Nach Freiwerden der Kaserne besteht nun die Möglichkeit das fehlende Glied zu ergänzen und die beiden Stadtteile miteinander zu verknüpfen.

Unsere Idee ist es, neben den bestehenden Stadtteilen ein neues Quartier zu entwickeln, mit einer eigenen Identität. Wir belassen in unserer Planung die bestehenden Stadtteilgrenzen und fügen einen neuen, eigenständigen Stadtteil auf dem Gelände der Landwehrkaserne hinzu.
Wir nehmen den bestehenden Grünraum der Siedlung „In der Masch“ auf und führen ihn auf dem Kasernengelände fort, sodass ein ringartig zusammenhängender Landschaftsraum entsteht. Er verknüpft die einzelnen Stadtteile miteinander und schafft einen Grünring mit Fuß- und Radwegen, der alles miteinander verbindet und auch die Wegeverbindung in die Naherholungsgebiete Attersee und Leyer Holz verbessert. [...] Die vorhandenen Bäume im Sicherheitsstreifen werden in den Grünring integriert und geben ihm schon frühzeitig eine freiräumliche Qualität.

Für die Stadtteile Atter und Eversburg entsteht nun eine komfortable fuß- und radläufige Vernetzung  über den bestehenden Sicherheitsstreifen, der die neuen Einrichtungen im Quartier mit den alten Stadtteilen verbindet. Es entstehen neue Flächen zur Nahversorgung, gemeinschaftlichen Einrichtungen für alle Altergruppen und Spiel- und Sportflächen, die auch die Wohnqualität der angrenzenden Stadtteile aufwertet.


Was braucht ein Wohnquartier, damit es langfristig angenommen wird und eine hohe Qualität erfährt?

Die Frage stellt sich bei dieser Planung für uns eher anders, nämlich „wie fügt man ein neues Wohngebiet in dieser Größer in ein gewachsenes Wohnumfeld ein damit es angenommen wird?“

Grundsätzlich denke ich, dass man versuchen sollte Konfliktsituationen zwischen Neu und Alt zu vermeiden, um so eine Akzeptanz für ein Zusammenwachsen zu schaffen. Die Planung sollte die Vorstellungen der Bürger berücksichtigen und eine Aufwertung für die angrenzenden Stadtteile darstellen. Die Qualität der Freiräume spielt hierbei eine maßgebliche Rolle für das Zusammenkommen der Menschen. Über die Freiräume entsteht die Basis für kommunikatives und gemeinschaftliches Leben, dies sollte nicht gezwungen, sondern ungezwungen erfolgen. Freiräume und deren flexible Nutzungsmöglichkeiten sind daher notwendig für ein funktionierendes Wohnquartier.

Wir schaffen in unserer Planung differenzierte Freibereiche mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Haupterschließung, das städtebauliche Rückrat, ist boulevardähnlich gestaltet und bildet eine verbindende Freiraumachse, an der sich unterschiedliche platzartige Aufweitungen befinden. Hier findet städtisches Leben statt und die Kommunikation zwischen Bewohnern. Die unterschiedlichen Plätze besitzen hohe Aufenthaltsqualitäten, mit angrenzenden Flächen für die Nahversorgung, Gastronomie und gemeinschaftlichen Einrichtungen.

Die Grüne Mitte bildet das freiräumliche Herzstück des Quartiers und wird als kommunikative und gemeinschaftliche Parkfläche ausgebildet. Als zentrale Grünfläche fördert sie die Identifikation mit dem Quartier und erzeugt über Spiel- und Aufenthaltsflächen eine hohe Freiraumqualität.
[..]


Wie sehen die Wohnformen der Zukunft allgemein und für unseren Standort aus?

Nun, ich bin kein Zukunftsforscher aber es lassen sich verschiedene Strömungen und Tendenzen erkennen. Die Gesellschaft entwickelt sich hin zu einem „sowohl als auch“, also zu keinen absoluten Konzepten, sondern einer Mischung aus verschiedenen Möglichkeiten, die neu kombiniert werden und immer verfügbar sind. Durch kreative und kritische, engagierte Gruppen entstehen neue Bilder des Zusammenlebens. Diese erzeugen dann unterschiedliche und zeitgemäße Wohnformen, insbesondere im gemeinschaftlichen und umweltbewussten Wohnen.

Auf dem Gelände der Landwehrkaserne sehen wir kein reines Wohnquartier, sondern Faktoren wie Arbeiten, Freizeit und Gemeinschaft hinzu kommen. Für diese Nutzungsanforderungen sollten Freiräume bereitstehen, die dies ermöglichen und eine Mehrfachnutzungen erlauben. [..]

Bei der Planung sollten nicht nur die klassischen Familien gesehen werden, sondern die
Gesamtbreite der Gesellschaft von Jung bis Alt, von Alleinstehend bis Großgemeinschaft berücksichtigt werden. Das gleiche betrifft die Architektur. Hier sind Kombinationsmodelle in allen Bereichen gefragt, wie bei der gemischten Nutzung mit Arbeiten bzw. Gewerbe und dem gemeinschaftlichen Wohnen von Alt und Jung. Die Architektur sollte daher nicht monofunktional sein, sondern unterschiedliche Lebensformen aufnehmen können, also flexible Wohnmodelle die auf die unterschiedlichen und sich ständig wechselnden Lebensmuster reagieren können.
Ich hoffe, dass bei der Landwehrkaserne neben dem klassischen Einfamilienhaus, möglichst viele neue Wohnmodelle entstehen werden.

Wodurch zeichnet sich ein guter Städtebau aus?
Stadtplanung ist eine langfristige Angelegenheit. Konzepte und Ideen, die heute richtig erscheinen, können sich in 10 Jahren als falsch darstellen. Daher muss ein guter Städtebau fähig sein, die veränderten Anforderungen aufzunehmen und mitzuwachsen. Er muss zwar konkrete Grundzüge festschreiben aber auch flexibel genug sein um sich noch zu verändern. Der Städtebau ist daher also eher zeitlos und unterliegt keiner Mode.

Am Anfang der Planung steht eine Idee, eine Vision, ohne diese kann sich keine Stadt weiterentwickeln. Die Planung formuliert welche langfristigen Ziele auf einem Gelände möglich sind, sie definiert wichtige Zielvorstellungen die prägend sein werden, wie die Nutzung, die Verkehrserschließung und die Dimensionierung der Grünflächen. Die konkrete Bebauung und die Architektursprache sind dabei erstmal untergeordnet, müssen aber schon bedacht werden.
Am Ende kann dann von einer guten städtebaulichen Planung gesprochen werden, wenn die formulierten Ziele und Leitbilder nach Fertigstellung sich als umsetzbar und realisierbar gezeigt haben.

Welche Rolle spielen Freiraumqualitäten und innovative Nachnutzungen von Bestandsgebäuden für die Attraktivität eines neu zu entwickelnden Wohnstandortes allgemein und speziell hier bei der Landwehrkaserne?
Jedes Gelände hat seine Besonderheit, seinen „genius loci“, das ihn einzigartig macht. Die vorhandenen Spuren sollten berücksichtigt und gesichert werden, gleich ob Freiraum oder Gebäude. Alte Baumstrukturen die erhaltenswert sind können genauso ein neues Quartier prägen, wie gut  integrierte Bestandsgebäude. [..]

Bei der Landwehrkaserne sind die Bäume entlang der Landwehrstraße, im Sicherheitsstreifen und der Baumbestand der zentralen Achse, die prägenden Grünelemente im Gebiet. Diese wollen wir erhalten und in die Planung integrieren.
Bei den Bestandsgebäuden ist der Großteil der Gebäude nicht erhaltenswert, da es sich nur um einfache Baracken handelt. Einige wenige Gebäude sind baulich hochwertiger und sollten auf jeden Fall erhalten werden. Man sieht ihnen an, dass es alte Kasernengebäude sind die so einen Bezug zum Ort herstellen. Sie geben der Neuplanung eine neue Qualität und fördern das Bewusstsein für den Ort.

Für die neue Nutzung dieser Gebäude bieten sich öffentliche und gemeinschaftliche Einrichtungen an, sozusagen Sonderbausteine die als Solitäre wirken und den Ort neu interpretieren, zum Beispiel ein Kulturhaus mit Cafe im umgebauten Casino. So entstehen Orte mit hoher Attraktivität und Wiedererkennbarkeit.

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