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Der Limberg – von der Kaserne zum Park

Ab Oktober beginnen umfangreiche Abrissarbeiten auf dem Gelände in der Dodesheide

Nichts bleibt wie es war – aus einem Kasernengelände, über dem der Geist des vergangenen Jahrhunderts weht, wird ein moderner Park mit Platz für Gewerbe, Freizeit und Sport. Doch wie das so ist bei jeder guten Sanierung: Bevor es wieder richtig schön wird, kommt der Abriss und am Limberg haben Bagger und Abrissbirne ab Oktober einiges zu tun.

Mit 70 Hektar Fläche sind die ehemaligen Mercer and Imphal Barracks im Stadtteil Dodesheide die größte ehemalige Kaserne der britischen Streitkräfte in Osnabrück, sie ist fast so groß wie alle anderen Osnabrücker Kasernen zusammen. Anfangs teilte ein Zaun das Gelände in zwei Areale, daher wurde das Gebiet auch als Doppelkaserne bezeichnet. Am Limberg waren vor allem Logistikeinheiten untergebracht. Das Ende kam am 26. März 2009: Im strömenden Regen holten zwei Unteroffiziere vor der Wache zum letzten Mal die Flagge ein, dann marschierten die letzten zehn Soldaten aus.

Von der militärischen Vergangenheit wird bald kaum noch etwas zu sehen sein: Es bleiben nur wenige Gebäude stehen. Das Gelände am Limberg ist grün und hat in Teilen den Charakter eines Parks. In Zukunft sollen sich die Menschen dort neben der gewerblichen Nutzung auch erholen können und ihre Freizeit verbringen.

Die Mannschaftsunterkünfte aus dem Jahr 1952 werden abgerissen, sie entsprechen nicht mehr heutigen Ansprüchen. Gleiches gilt für Werkstätten sowie für die technischen Gebäude und Garagen aus den 1970er- und 1980er-Jahren; bei einigen rechnen die Experten damit, dass sie mit Schadstoffen verunreinigt sind. Auch die Exerzierplätze, die Straßen und Leitungen verschwinden. Erst dann kann die eigentliche Erschließung beginnen. Als erstes werden die beiden Exerzierplätze entsiegelt.

Im Zentrum des Kasernenareals errichteten die Briten in ihren letzten Jahren in Osnabrück eine Sanitätsstation, eine moderne Mannschaftsküche mit Speisesaal sowie eine neue Sporthalle. Diese Gebäude bleiben erhalten. Nicht abgerissen werden zudem Gebäude mit Verwaltungs-, Lehr- und Übungsräumen der Feuerwehr, eine zweite Kindertagesstätte, ein Komplex, den die Berufsbildenden Schulen des Landkreises Osnabrück in Osnabrück-Haste nutzen sowie eine ältere Sporthalle. Zudem bleiben die auf dem Gelände derzeit vorhandenen Flüchtlingsunterkünfte vorerst noch erhalten.

Darüber hinaus gibt es drei großzügige Sportplatzareale, von denen zwei ebenfalls erhalten bleiben sollen. Bereits jetzt gibt es Zwischennutzungen der neuen Sporthalle und des Kunstrasenplatzes.

Die Abbruchphase wird voraussichtlich bis Ende 2021 dauern. Eine Anlaufstelle ist das zukünftige Baubüro im ehemaligen Einkaufsmarkt der Britischen Streitkräfte und ihrer Familien im Eingangsbereich der Kaserne. Während der Abbruchzeit müssen die Stadt und die beteiligten Firmen einiges beachten und auf manche Überraschung gefasst sein: Nicht alles ist in den vergangenen 80 Jahren akribisch aufgezeichnet worden. Das Gelände kann mit Kampfmitteln belastet sein, z. B. können  die Arbeiter bei den Bauarbeiten auf Reste von Schießübungen stoßen und es wird nie aus den Augen gelassen, ob nicht doch ein Blindgänger in der Erde liegt.

Planungen sehen einen Beginn der Erschließungsphase  ab Anfang 2022 vor Ab Ende 2023 soll die Vermarktung gewerblicher Grundstücke erfolgen. Interessenten können sich bei der Wirtschaftsförderung Osnabrück GmbH (WFO) melden. Die Stadt und die OBG (Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungs GmbH) als Grundstückseigentümer und die ESOS (Energieservice Osnabrück GmbH) als beauftragter Projektsteuerer arbeiten gemeinsam an dem Projekt.

Daten und Fakten:

Die Gesamtkosten der Maßnahme liegen nach der bisherigen Kalkulation bei rund 34 Millionen Euro, teilweise werden die Kosten mit Städtebauförderungsmitteln aus dem Programm Stadtumbau West finanziert.

Das rd. 70 Hektar große Gelände teilt sich in Zukunft auf in etwa 25,7 Hektar Gewerbefläche, davon 18,8 im Norden und 6,9 im Süden. Etwa 44,4 Hektar sind öffentlich und teilen sich auf in Straßen, Grünflächen, Sport, Wald und Gebäude- und Freiflächen.

Zeittafel:

  • 25. September 2007: Der Rat beschließt die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 578-Limberg-.
  • 2008: Die Basis für weitere Planungen wird mit dem Perspektivplan Dodesheide gelegt, den Fachleute und Bürgerinnen und Bürger in Workshops erarbeitet haben.
  • 10. September 2013: Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Stadtumbau West“ wurde die Kaserne und angrenzende Wohngebiete durch den Rat der Stadt als Fördergebiet „Konversionsstandort Dodesheide“ festgelegt.
  • 5. Dezember 2013: Beschluss Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt zum Bebauungs- und Erschließungskonzept. Der Bebauungsplan wurde aus den Zielen dieses Konzepts entwickelt.
  • 14. April 2014: Ankauf eines ersten Teils der Kaserne im Westen (rd. 5,3 Hektar), angrenzend an die Straße Am Limberg. Dort entsteht eine öffentliche Grünanlage. Als vorgezogene Maßnahme, finanziert aus Mitteln der Städtebauförderung, wurden hier die13 Gebäude – Mannschaftsunterkünfte und zwei Tennisplätze – inclusive des alten Leitungsnetzes abgebrochen und die Grünanlage angelegt. 
  • 30. September 2014: Die Stadt kauft die ehemalige Sanitätsstation von der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) und baut sie zur Kita um.
  • 21. Juli 2015: Der Rat beschließt, das Erstzugriffsrecht der Kommune für das Kasernengelände am Limberg auszuüben.
  • 22. Juli 2015: Die Stadt kauft rund neun Hektar Waldgebiet im Osten der Kaserne von der BImA. Als vorgezogene Maßnahme, finanziert aus Mitteln der Städtebauförderung, wurden die dort vorhandenen Baulichkeiten z.B. die Schleppseil-Testanlage, der Schießstand, die ehemaligen Munitionsanlagen, der Hundezwinger, die Parcoursanlage sowie die alte Kirche abgebrochen. Parallel wurden die alten Wege entsiegelt und das Gebiet renaturiert. Außerdem wurden die Grundlagen für spätere Wege im Wald in Richtung des nahen Nettetals geschaffen.
  • 29. August 2018: Ankauf der restlichen Kaserne in der Größe von ca. 55,4 Hektar von der BImA durch Stadt (öffentliche Flächen) und OBG (zukünftige Gewerbeflächen).
  • September 2018: Übernahme der Kaserne durch die Stadt.
  • 25. September 2018: Satzungsbeschluss Bebauungsplan vom Rat gefasst.
  • 14. Dezember 2018: Der Bebauungsplan wird im Amtsblatt veröffentlicht und tritt dadurch in Kraft. Damit sind die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um auf dem ehemaligen Kasernengelände ein neues attraktives Dienstleistungs- bzw. Gewerbegebiet zu entwickeln sowie Sport- und Freizeitaktivitäten zu ermöglichen.

Geschichte des Standorts in der Dodesheide

Während des Zweiten Weltkrieges befand sich auf dem südlichen Teil des Geländes am Limberg die Teuto-Metallwerke GmbH, die zu den Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerken (OKD) gehörte. Am Limberg wurde von 1936 bis 1945 die Munition für den Krieg produziert – hauptsächlich Infanteriemunition für Gewehre und Pistolen.

Schätzungen gehen davon aus, dass bei den Teuto-Werken 300 Millionen Schuss Munition gefertigt wurden. So steht es in der Publikation „Jeder zehnte Osnabrücker war ein Engländer – die britische Ära und der Konversionsprozess“. Zeitweise waren bei den Teuto-Werken mehr als 1700 Menschen – meist Frauen und ausländische Zwangsarbeiter – beschäftigt.

Die sechs Produktionshallen und die 20 Nebengebäude waren so im Wald verstreut, dass sie von der Luft aus schwer zu erkennen waren. Nur ein einziges Mal warf eine Maschine der Royal Air Force eine Luftmine ab. Die Halle sechs wurde am 15. November 1944 getroffen, drei Menschen starben, 20 wurden verletzt. Die Produktion lief bis Kriegsende uneingeschränkt weiter.

1945 besetzten die britischen Streitkräfte das Gelände und bauten es ab 1950 als Kaserne mit dem Schwerpunkt Logistik großflächig aus. Vier Millionen fertige Patronen lagerten am 2. April 1945 in der Fabrik. Als die Briten an diesem Tag einmarschierten, beschlagnahmten sie das ganze Material. Später wurden alle Hallen und oberirdischen Gebäude abgerissen und die Fundamente gesprengt.

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