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12.09.2019

Thema Kitaplätze: Jugendhilfeausschuss diskutiert über höhere Quote für Kinder unter drei Jahren

Zentrales Thema bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Mittwoch, 18. September, um 17 Uhr in Raum 717/718 des Stadthauses 1 ist die Kindergartenplanung. Gleich mehrere Tagesordnungspunkte widmen sich diesem Thema. Zentrale Aufgabe ist dabei, die Versorgung der Kinder sicherzustellen.

Eltern von Kindern unter drei Jahren haben Anspruch auf einen Platz in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege. Deshalb hat der Rat der Stadt 2012 eine Versorgungsquote von 60 Prozent beschlossen. Bis 2016 sollten also für 60 Prozent aller Osnabrücker Ein- und Zweijährigen Plätze zur Verfügung stehen. Weil in dem Zeitraum nach dem Ratsbeschluss viele Familien nach Osnabrück gezogen sind und die Stadt weiter wächst, wurde diese Quote nicht erreicht. Zum Vergleich: Lebten im Oktober 2012 noch 2.696 Kinder unter drei Jahren in Osnabrück, waren es Ende 2018 bereits 3.057. „Hinzu kommt, dass die Stadt bei diesem Thema weit in die Zukunft planen muss“, erläutert Stadtrat Wolfgang Beckermann. „Der Zeitraum zwischen dem Erkennen des Bedarfs und dem Moment, in dem neue Plätze zur Verfügung stehen, beträgt inzwischen drei Jahre.“

Doch nicht nur die Anzahl an Kindern steigt, auch der gesellschaftliche Wandel führt zu einer erhöhten Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren. „Immer mehr Familien mit einem Kind unter drei Jahren möchten Beruf und Familie miteinander vereinbaren und benötigen deshalb eine Betreuung“, sagt Hermann Schwab, Leiter des Fachbereichs für Kinder, Jugendliche und Familien. Noch dazu erhöhen rechtliche Änderungen den Druck auf die Kitaplaner. So sieht das niedersächsische Schulgesetz eine flexiblere Einschulung vor. Das heißt, dass Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September eines Jahres das sechste Lebensjahr vollenden, noch bis zum 1. Mai entscheiden können, ob ihr Kind in die Schule kommt oder noch ein Jahr in der Kita bleibt. Zudem ist die Beitragsfreiheit ein Anreiz, Kinder früher und länger in die Kita zu schicken. Auch der Bedarf an integrativen Plätzen steigt. In integrativen Gruppen können jedoch bei gleichem Personal- und Raumbedarf weniger Kinder betreut werden, als in Regelgruppen.

Daraus folgt, dass die angepeilte Versorgungsquote von 60 Prozent nach Einschätzung der Verwaltung nicht mehr ausreicht. Legt man die derzeitige Quote zugrunde, hätten Ende vergangenen Jahres 1.834 Plätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung stehen müssen. Es existierten jedoch nur 1.700, sodass 134 Plätze fehlten. Durch Umbaumaßnahmen an neun Kitas werden derzeit 138 Plätze geschaffen. Weil beim Familien- und Kinderservicebüro bis Anfang August jedoch die Eltern von 166 Kindern unter drei Jahren nachgefragt haben, fehlen auch nach dieser Erweiterung des Angebots 28 Plätze. Deshalb arbeitet die Verwaltung darüber hinaus daran, 51 Plätze in Form von Übergangslösungen bereitzustellen. Zählt man allerdings zu den 166 Kindern noch die 413 Jungen und Mädchen hinzu, deren Eltern sich zwar über Kita-Online um einen Platz beworben haben, sich nach einer Absage aber nicht an der Familien- und Kinderservicebüro gewandt haben, liegt der Bedarf sogar um 579 Plätze höher als das derzeitige Angebot.

„Diese Zahlen sind Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels“, betont Fachbereichsleiter Schwab. Vor diesem Hintergrund schlägt die Verwaltung eine Anhebung der Versorgungsquote für Ein- und Zweijährige – also zwei Jahrgänge – von 60 auf 70 Prozent vor. Zum Vergleich: In Braunschweig liegt die Quote für Ein- und Zweijährige bei 60 Prozent, soll aber auf 65 Prozent angehoben werden, in Hannover ist eine Steigerung von 65 auf 70 Prozent geplant, in Wolfsburg liegt sie bereits bei 70 Prozent. Oldenburg und Delmenhorst haben Quoten für alle Kinder unter drei Jahren – also drei Jahrgänge – entwickelt, in Oldenburg liegt sie bei 65, in Delmenhorst bei 41 Prozent.

Damit Eltern, deren Kinder zunächst keinen Kitaplatz bekommen, die Entscheidung nachvollziehen können, sollen außerdem die Aufnahmekriterien verdeutlicht werden. Dazu möchte die Verwaltung die Kriterien gewichten und mit einem Punktesystem versehen. So ergibt sich für jedes Kind eine nachvollziehbare und transparente Bewertung. Zudem sollen die Plätze in Osnabrücker Kitas zukünftig ausschließlich Kinder vorbehalten sein, deren Hauptwohnsitz in Osnabrück liegt.

Sollte die Versorgungsquote auf 70 Prozent erhöht werden, müssten zwischen 2020 und 2022 rund 16,7 Millionen Euro in den Ausbau von Kitas gesteckt werden. Der Betrieb würde ab 2022 weitere fünf Millionen Euro mehr kosten als bisher.

Die Tagesordnung wird vier Tage vor Sitzungsbeginn im Schaukasten an der Stadtbibliothek ausgehängt. Ausschussunterlagen können in der Bürgerberatung eingesehen werden. Außerdem können die Unterlagen im Internet unter www.osnabrueck.de/ris abgerufen werden. Der Raum ist rollstuhlgerecht zu erreichen.


www.osnabrueck.de

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