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03.07.2019

Das Projekt „Umbau der Villa Schlikker“ – Startschuss für ein Friedenslabor im Museumsquartier Osnabrück

Das Museumsquartier Osnabrück schafft einen neuen historisch-kulturellen Lernort: Die Villa Schlikker wird zu einer Stätte umkonzipiert, an der die Biografie des Osnabrückers Hans Calmeyer thematisiert wird. Die Stadt Osnabrück schreibt eine Machbarkeitsstudie aus, die neben dem Konzeptentwurf einen konkreten Zeitplan sowie eine Kostenschätzung umfasst. Der Beirat des Projekts machte in seiner Beratung den Weg für die nächsten Schritte frei: Auf Basis einer Ausschreibung lädt die Stadt Agenturen ein, Ideen zu Konzept und Umsetzung zu präsentieren. Die Ergebnisse werden in der nächsten Beiratssitzung am 2. Dezember vorgestellt und diskutiert.

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(204336 P) Stehen vor der Villa Schlikker (von links): Wolfgang Beckermann, Nils-Arne Kässens und Prof. Dr. Alfons Kenkmann. Foto: © Swaantje Hehmann

Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent und Vorstand der Stadt Osnabrück, äußert sich zufrieden über den Ausgang der Beratungen: „Der Beirat hat zielführend diskutiert und die Ausschreibung wird in den nächsten Tagen in einigen wichtigen Punkten konkretisiert. Nun verfügen wir über eine tragfähige Grundlage für die weitere Arbeit. Heute sind wir einer neuen wertvollen Institution in der Friedensstadt Osnabrück ein gutes Stück nähergekommen.“ 

Die Stadt Osnabrück hatte den Beirat nach der Grundsatzentscheidung zur Umwidmung der Villa Schlikker einberufen. Beiratsvorsitzender Prof. Dr. Alfons Kenkmann sieht die Arbeit des Beirats und den entsprechenden Ratsbeschluss der Stadt als einen wichtigen Baustein für den Erfolg des Projekts: „Der Beirat hat den Auftrag, auf Basis aktueller wissenschaftlicher Forschungsergebnisse eine reflektierte Darstellung von Calmeyers Wirken zu gewährleisten.“

Öffentlicher Raum als Baustein für Friedensmuseum

In der ehemaligen Osnabrücker Parteizentrale der NSDSAP entsteht ein öffentlicher Begegnungsraum. Für das zukünftige Haus plant die Stadt Dauer- und Sonderausstellungen sowie Veranstaltungen und Workshops. Auf diese Weise soll ein offenes Forum entstehen, das es auch jüngeren Besuchern ermöglicht, Fragen der Gesellschaftspolitik, der Zivilcourage und der Erinnerungskultur zu erfassen und zu diskutieren. Mit diesem Konzept treibt die Stadt Osnabrück die Entwicklung des Museumsquartiers zu einem Friedensmuseum weiter voran. Für die erforderlichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen konnte die Stadt Osnabrück insgesamt 1,7 Millonen Euro Fördermittel einwerben.

Ambivalenz aushalten

Die besondere Form der Museumspräsentation und die offene Einladung zur Debatte im neuen Friedenslabor greift die Ambivalenz auf, die sich in der Person Hans Calmeyers zeigt. Als Teil der nationalsozialistischen Besatzungsverwaltung verantwortete der Osnabrücker Jurist das Überleben, aber auch den Tod der in den Niederlanden lebender Juden. Calmeyer arbeitete von 1941 bis 1944 beim Reichskommissariat in Den Haag. Seine Abteilung war an zahlreichen Repressionsmaßnahmen der Behörde beteilig und entschied zudem in „rassischen Zweifelsfällen“ über den Status „Arier“ oder Jude und Halbjude. Davon hing das Leben der Betroffenen ab, da ausschließlich Juden ersten Grades anschließend in Internierungs- und Vernichtungslager verschleppt wurden. Calmeyer und seine deutschen und niederländischen Mitarbeiter versuchten, Einzelne und ganze Gruppen vor der Verfolgung zu bewahren. Calmeyers Vorgehen verhinderte in 2.866 namentlich bekannten Fällen die Deportation von Juden in die Internierungs- und Vernichtungslager. Yad Vashem, die Jerusalemer Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel, befand, er habe etwa 3.000 Menschen gerettet und verlieh ihm 1992 postum den Titel „Gerechter unter den Völkern“.

Informationen zum Beirat 

Dem Beirat gehören renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreter der jüdischen Gemeinde und des Jugendparlaments an

  • Prof. Dr. Alfons Kenkmann (Vorsitzender, Universität Leipzig)
  • Prof. Dr. Ismee Tames (stellv. Vorsitzende, NIOD/Utrecht University)
  • Dr. Mathias Middelberg (MdB, Calmeyer Forschung)
  • Dr. Christoph Spieker (Villa ten Hompel, Münster)
  • Dr. Petra van den Boomgaard (Calmeyer Forschung Niederlande)
  • Dr. Joachim Castan (Calmeyer Forschung)
  • Michael Grünberg (Jüdische Gemeinde Osnabrück)
  • ein Vertreter des jüdischen Museums in Berlin
  • zwei Vertreterinnen des Jugendparlaments

www.osnabrueck.de

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