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28.11.2019

Ngũgĩ wa Thiong’o erhält den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2019 – Verleihung findet trotz Abwesenheit des erkrankten Schriftstellers statt

Den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis erhält in diesem Jahr der kenianische Schriftsteller und Kulturwissenschaftler Ngũgĩ wa Thiong'o im Hinblick auf seine aufklärerischen antikolonialistischen Themen, seinen Bezug auf traditionelle afrikanische Theater- und Erzählkunst sowie für sein Eintreten für den Erhalt der Muttersprache als Identifikationsmerkmal. Aufgrund einer Erkrankung wird der Preisträger seine Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen können. Dennoch findet die Verleihung statt. Beim Festakt wird Abdilatif Abdalla den Preis für wa Thiong’o entgegennehmen.

Foto: Angela von Brill.
(Foto: Angela von Brill) Ray Lema (Musiker), Prof. Dr. Manfred Loimeier (Laudator), Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl (Vors. Jury), Wolfgang Griesert (Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück), Abdilatif Abdalla (Vertreter von Ngũgĩ wa Thiong'o) und Johannes Bayer (Sea-Watch). Foto: Angela von Brill
2010Ngugi1Daniel Anderson UComm.
(2010Ngugi1Daniel Anderson UComm) Foto Ngũgĩ wa Thiong’o; Bildnachweis: Foto Daniel Anderson, zur freien Verwendung

Ngũgĩ wa Thiong'o versteht die Kommunikation unter den Sprachen als friedensstiftendes Element. Er gilt als eine der wichtigsten Stimmen der Literatur aus Afrika, seine im Sammelband Dekolonisierung des Denkens versammelten Essays bestimmen bis heute die Diskussion über die fortbestehenden Folgen der Kolonisierung Afrikas. Seit 1984 schreibt er seine literarischen Texte nur noch in seiner Muttersprache, dem Kikuyu, und übersetzt sie anschließend selbst ins Englische. Zu einer afrikanischen Literatur gehört für ihn das Schreiben in afrikanischen Sprachen, da in ihr die Mythen, die Denkweisen, die gesamte Kultur und die Mentalität der Menschen verankert sind, die diese Sprache sprechen. Über eine Gleichberechtigung der Sprachen sowie eine Dekolonisierung auf allen Ebenen könnten herrschende, postkoloniale Machtverhältnisse in den Ländern Afrikas überwunden und eine eigene, starke Identität gewonnen werden, die letztendlich auch die zu erwartenden Fluchtbewegungen in Richtung Europa verhindern könnte. Unter anderem in seinem Essayband Dekolonisierung des Denkens findet sich eine Auswahl von Vorträgen und Artikeln, die grundlegend seine postkoloniale Kritik und kulturwissenschaftlichen Thesen verdeutlichen.

„Vor allem in seinen Essays verweist Ngũgĩ wa Thiong'o schon sehr früh auf die gerade heute sehr aktuelle Diskussion über die Folgen der Kolonialzeit – ich denke da z.B. an die Frage der Rückgabe erbeuteter Kulturgüter – und die Notwendigkeit, die auch durch europäische Staaten unterstützten oder sogar erst ermöglichten Herrschaftsstrukturen in den postkolonialen Staaten Afrikas zu überwinden“, so Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

„Mit Ngũgĩ wa Thiong'o zeichnen wir einen Schriftsteller aus, dem es um Selbstbestimmung afrikanischer Kulturen geht und um eine Loslösung aus kolonialen Zwängen. Sein Versuch, einen Dialog trotz oder gerade wegen der verschiedenen Sprachen über die Literatur herzustellen, ruft Verständnis für den anderen Kontinent hervor und kann so zum Frieden beitragen. Auch im Hinblick auf die Vermeidung eines neuen Kolonialismus, wie er heutzutage z.B. durch China angestrebt werde, ist Ngũgĩ wa Thiong'o ein wichtiger Vertreter der Eigenständigkeit durch Sprache“, so die Begründung der Jury.

Ngũgĩ wa Thiong'o tritt vehement ein für ein kulturelles Selbstbestimmungsrecht der Völker als identitäts- und friedensstiftendes Merkmal und entspricht damit dem Denken und der Überzeugung Erich Maria Remarques, der sich 1929 zu den Folgen des Ersten Weltkriegs äußerte: „Man weiß endlich, dass alle Menschen auf der Welt gleich sind; man weiß, dass alle gleiche Sorgen haben, gleiche Freuden, gleiche Hoffnungen und das gleiche Leben. Heute macht man sich die Mühe, in den Kopf des anderen Mitmenschen zu schauen. Und vier Jahre Krieg haben uns einzig den Wert des Friedens bewiesen.“

Der Verein „Sea-Watch“ erhält den mit 5.000 € dotierten Sonderpreis. Damit soll das zivile Engagement zur Seenotrettung von Flüchtenden geehrt und stärker in die Öffentlichkeit gerückt werden. Darüber hinaus wird auch das Eintreten für legale Flucht- bzw. Einreisewege gewürdigt sowie die Forderung n ach einer Rettung in Seenot geratener Flüchtende durch die zuständigen europäischen Institutionen. Die ausschließlich durch Spenden finanzierte Initiative wird durch Freiwillige aus ganz Europa unterstützt. „Sea-Watch“ war bisher an der Rettung von weit über 37.000 Menschen beteiligt.

Ngũgĩ wa Thiong’o erkrankt

Trotz der krankheitsbedingten Absage von Ngũgĩ wa Thiong’o wird am Vorabend der Verleihung am Donnerstag, 28. November, die geplante Podiumsdiskussion mit dem Vorsitzenden von Sea-Watch e.V. Johannes Bayer, dem Afrikanisten Manfred Loimeier und dem Journalisten Christian Jakob stattfinden. Unter dem Titel „Afrika geht uns alle an!“ wird das Gespräch von der Journalistin Birgit Morgenrath, deren Schwerpunkthema die Geschichte und Kultur Afrikas ist, moderiert. Der aus dem Kongo stammende Weltmusiker Ray Lema wird den Abend am Klavier begleiten. Die Preisverleihung findet am Freitag, 29. November 2019, um 11 Uhr im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück statt. Beim Festakt wird  Abdilatif Abdalla den Preis für wa Thiong’o entgegennehmen. Abdalla ist ein kenianischer Poet und Publizist. Er gilt als einer der bekanntesten Swahili-Dichter der Gegenwart und lehrt seit 1995 Swahili an der Universität Leipzig. Er ist ein sehr guter Freund von wa Thiong’o, viele gemeinsame Projekt verbindet die beiden. Auf Wunsch des Hauptpreisträgers wird Abdalla den Preis entgegennehmen und ein Grußwort von Ngũgĩ wa Thiong’o verlesen.

Weitere Informationen zu den Preisträgern gibt es hier.

Auf unserem Flickr-Portal haben wir einige Fotos der Pressekonferenz vom 28. November 2019 bereitgestellt.


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