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03.09.2018

»In Gegenwart meiner Feinde«: Unbekannter Essay von Erich Maria Remarque zu den Folgen des Ersten Weltkrieges

Ein bislang völlig unbekannter Text des weltberühmten Antikriegsschriftstellers Erich Maria Remarque ist jetzt, 48  Jahre nach seinem Tod, wiederentdeckt worden. Es handelt sich um einen tagespolitischen Essay, den Remarque im Jahr 1929 – kurz nach Erscheinen seines weltbekannten Romans "Im Westen nichts Neues" – exklusiv für das amerikanisches Magazin "McCall’s" verfasst hat, und in dem er sich dezidiert pazifistisch zu den Folgen und Konsequenzen des Ersten Weltkrieges äußert.

Der Text trägt den Titel "In the Presence of Mine Enemies" (In Gegenwart meiner Feinde) und erschien in der Dezember-Ausgabe 1929 des "McCall’s Magazine", einer in New York publizierten Frauenzeitschrift, die sich mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren unter anderem auf den Abdruck literarischer Werke berühmter zeitgenössischer Autoren und Autorinnen spezialisiert hatte.

Anlass für die Publikation war aller Wahrscheinlichkeit nach der 15. Jahrestag des Weihnachtsfriedens 1914: Kurz vor und nach dem 24. Dezember 1914 wurde der Schusswechsel an Teilen der West- und Ostfront ohne Befugnis der Befehlsgewalt und auf Initiative der einfachen Soldaten eingestellt.

Remarque verweist auf diesen Weihnachtsfrieden und setzt ihn in Gegensatz zum militärischen Denken: "Ein Mann schloss seine Augen und sah in seinem Gegner bloß den Feind, niemals einen anderen Menschen. Nur den Feind in ihm zu sehen bedeutet, ihn aus der streng militärischen Perspektive zu sehen."

Remarque ist der Meinung, dass dieses militärische Denken in der Geschichte keinen Beitrag zur Kultur geleistet habe und dass einzig die Aussöhnung und Verständigung zwischen den Völkern zukunftsfähig sei: "Vier Jahre Hass haben einzig den Wunsch geboren, einander zu verstehen. Vier Jahre Kampf haben in uns einzig den Gedanken an Frieden hinterlassen."

Heute, 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges, wissen wir um die Besonderheit dieses Textes, denn diese nach außen getragene pazifistische Grundhaltung Remarques ist selten, da er eine Teilnahme an der öffentlichen politisch-ideologischen Diskussion weitgehend vermied. "In the Presence of Mine Enemies" ist nun ein eindeutiges Statement Erich Maria Remarques gegen den Krieg, der laut seiner Überzeugung weder in der Kultur noch in der Natur der Menschen liege.

Remarques Text erschien unter der Titelzeile "Four Soldiers from four Countries" zusammen mit drei weiteren Essays aus der Feder ehemaliger Soldaten und Überlebender des Ersten Weltkrieges: Henry Barbusse (französischer Sozialist und Pazifist, Autor des Antikriegs-Romans "Le Feu"), R. C. Sherriff (britischer Offizier und Autor des Theaterstückes "Journey’s End") und Captain John W. Thomason, Jr. (US-amerikanischer Offizier des United States Marine Corps und Autor von "Fix Bayonets!").

Der thematische Schwerpunkt der vier Texte liegt auf der Brüderlichkeit der Menschen im und nach dem Ersten Weltkrieg. Dies wurde visuell durch eine Illustration des damals bereits namenhaften Künstlers Frederic Rodrigo Gruger untermalt, der u.a. für die Erfolgsmagazine "The Saturday Evening PostCollier’sCosmopolitan" und "Harper’s Bazaar" tätig war. Die Illustration zeigt Kain, der noch den Stein in der Hand hält, mit dem er nur wenige Augenblicke zuvor seinen im Hintergrund liegenden Bruder Abel erschlagen hat. Ergänzt wurde diese bildgewaltige Metapher durch das Bibelzitat "Am I my brother’s keeper? (Gen, IV, 9)".

Die Hintergründe der Zusammenarbeit zwischen dem McCall’s Magazine und Erich Maria Remarque können heute jedoch nicht mehr nachvollzogen werden; auch das deutsche Original des Essays ist nach bisherigem Forschungsstand nicht erhalten.


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