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Sharing Economy

Fair Teiler Christiane Sever
"Fair-Teiler" in Osnabrück (Foto (c) Christiane Sever/Foodsaver Osnabrück)

Seit Jahrtausenden betreiben Menschen Tauschhandel, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Doch mit wachsendem Wohlstand und dem Preisverfall von Haushaltsgeräten, Garten- und Heimwerkzeugen zerfielen gemeinschaftliche Nutzungsformen. Billige Produkte und mehr Einkommen haben den Luxus des Besitzens ermöglicht, häufig zu dem Preis, dass ein minderwertiges Produkt angeschafft wurde, mit hohem Energieverbrauch und kurzer Lebensdauer. Heute ist es selbstverständlich, dass für zehn nebeneinanderliegende Reihenhausgärten ebenso viele Rasenmäher, Freischneider und Heckenscheren vorhanden sind. Jeder besitzt sein eigenes Gerät, statt eine gemeinsame Nutzung mit den Nachbarn zu vereinbaren.

Lässt sich diese Entwicklung umkehren? Oder kann im Zuge eines kulturellen Wandels die Gemeinschaftswaschmaschine ein Comeback erfahren? Vorstellbar ist, dass Wohnungsgesellschaften wieder stärker Waschräume mit hochwertigen Maschinen bereitstellen. Die Überzeugungsarbeit dafür könnte die Wf4.0 leisten, ebenso wie für Initiativen, die Bohrmaschinen, Handkreissägen und Akkuschrauber stadtteilorientiert und günstig verleihen. Gute Beispiele gibt es zur Genüge, etwa Tauschringe für Produkte und Dienstleistungen. Aufräumen und entrümpeln heißt meistens wegwerfen. Wer braucht noch den alten Schlitten, wem könnte man die kaum getragenen Sportschuhe geben? Die nur einmal benutzte Bettwäsche mag in den Augen des Partners ein Fehlkauf gewesen sein. Für andere ist sie womöglich schön oder "lässig". Jeder Tausch, der dazu führt, dass ein Produkt weiter genutzt wird, statt im Müll zu enden, ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Joachim Löw hat den Gemeinschaftssinn seiner Elf bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien durch eine ganz einfache Maßnahme befördert. Der Bundestrainer teilte die Mannschaft in Wohngemeinschaften auf, die ihr Zusammenleben selbst organisieren. Löw erkannte, dass der soziale Zusammenhalt in der Mannschaft ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Allein mit guten Einzelspielern gewinnt heutzutage keine Mannschaft den Titel. Vertrauen, Verlässlichkeit, Sorge, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft gedeihen vor allem in gemeinschaftlichen Lebenszusammenhängen. Ein Beispiel sind Wohngemeinschaften. In Deutschland sind sie seit der 68er-Bewegung etabliert. Fast ein Drittel aller Uni-Studenten teilt sich inzwischen Dusche und Küchentisch, 1997 waren es erst 20 Prozent. Ein Grund - neben stark gestiegenen Mieten - ist womöglich, dass die niedrige Geburtenrate letztlich auch kleinere Familien und familiäre Netzwerke mit sich bringt. Die Wf4.0 möchte Wohngemeinschaften auch für Singles und Ältere attraktiv machen. Eine Beispiel ist die Initiative "Wohnen für Hilfe", die in Osnabrück vom Asta der Uni koordiniert wird. Solche und andere Co-Housing-Projekte ermöglichen Sorgeleistungen, die über die öffentliche Pflegefinanzierung nicht bezahlbar wären.

Das Internet macht Teilen und Tauschen noch einfacher. Angebote und Anfragen erreichen in sekündlicher Aktualisierung die Interessenten. Nutzer und Anbieter können leicht miteinander in Kontakt treten. Je erfolgreicher die Suche verläuft, desto häufiger werden sie erneut den Dienst nutzen und ihrerseits etwas anbieten. Die heutige Jugend ist mit den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram groß geworden. Für sie ist das Teilen von Videos, Bilder oder Kontakten selbstverständlich. Gut möglich, dass die webaffinen Generationen ein entscheidender Faktor für die Entwicklung einer echten Sharing Economy sind. Es wird sich zeigen, ob das Teilen und Tauschen im großen Stil, auch bei relativ günstigen Produkten, ins Laufen kommt. Die Tauschwirtschaft optimiert die Nutzungsdauer von Produkten, spart Geld, stärkt die Gemeinschaft und die Widerstandskraft der regionalen Ökonomie. Zudem können sich die Teilnehmer von Tauschringen darüber freuen, sich Dinge leisten zu können, für die das Geld nicht reichen würde.

Regionale Initiativen der Sharing Economy:

Christine Rother
Projektbüro "Wirtschaftsförderung 4.0"
Referat für strategische Steuerung und Rat
Bierstraße 29/31 | Raum 50
Tel: 0541 323 2235
rother.c(at)osnabrueck.de


www.osnabrueck.de

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