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Ehrenamtliche Lesepaten in der Grundschule

Eine spendengestütze Kooperation von Grundschule und Freiwilligen-Agentur Osnabrück

Entwicklung
Der Rotary Club Osnabrück-Süd unterstützte in Kooperation mit der städtischen Freiwilligen-Agentur mehrere Jahre drei Lesepatenprojekte zur Lern- und Sprachförderung:

  • Franz Hecker Schule im Stadtteil Nahne (seit 2009)
  • Altstädter Grundschule (2010)
  • Grundschule Pye (2011/12)

Im Herbst 2008 einigten sich die Freiwilligen-Agentur und der Rotary – Club OS Süd auf ein Projekt zur besonderen Leseförderung für benachteiligte Kinder im Grundschulbereich. Die Projektpartner konnten hierbei auf ein Konzept des Rotary Clubs Syke zurückgreifen, welches von der Dipl. Psychologin und Lerntherapeutin Andrea Gudehus-Ochmann entwickelt und in Syke bereits erfolgreich umgesetzt wurde. Nach einigen Gesprächen und Kontaktaufnahmen durch die Freiwilligen-Agentur und die Rotarier wurde nach einer Schule gesucht, die an einem solchen Projekt und dessen Umsetzung interessiert war. Bei diesen Gesprächen sowie aus Erfahrungen mit anderen Projekten und Abfragen bei zahlreichen Grundschulen wurde schnell klar, dass ein hoher Unterstützungsbedarf bei den Leseanfängern bestand. Häufig lag dieser in zuwenig Hilfe von zu Hause oder in Sprachproblemen begründet. Nach Gesprächen mit dem Fachbereich Schule und Sport sowie direkter Kontaktaufnahme zu Schulen fiel die Wahl der Kooperationspartner schnell auf die Franz Hecker Schule in Nahne.

Viele Grundschulen arbeiten bereits mit Lesemüttern und -vätern. Diese kommen stundenweise in den Unterricht und unterstützen die jeweilige Lehrkraft, indem sie einzelne Kinder während des Unterrichts oder danach bei der Erledigung der gestellten Aufgaben begleiten oder mit einzelnen Kindern lesen. Oft haben sie aber ein Kind in der Klasse, in der sie tätig werden. Die Grundschulen sahen es als besonders positiv an, dass die Lesepaten aus dem vorgeschlagenen Lesepatenprojekt diese Nähe nicht haben und so weniger emotional belastet an ihre Tätigkeit gehen und auch Ängste von Eltern der begleiteten Kinder in Grenzen gehalten werden können.

Die Lesepaten des neuen Projektes rekrutierten sich größtenteils aus Kunden der Freiwilligen-Agentur, die dort eine Engagementberatung in Anspruch genommen hatten. Weiterhin wurden in Zusammenarbeit mit den Schulen Pressemitteilungen durch die Freiwilligen-Agentur herausgegeben, wobei sich Interessierte nach Erscheinen entsprechender Aufrufe dort meldeten. Es waren häufig Menschen mit Zeit, die beruflich oder familiär nicht mehr so stark gefordert waren oder sich sehr gezielt für benachteiligte Kinder einsetzen wollten. Sie engagieren sich, weil ihnen das Thema Lesen und Leseförderung am Herzen lag. Einige hatten vorher schon Kindern vorgelesen.

Finanzierung der Pilotprojekte
Der Rotary-Club Osnabrück Süd stellte von 2009- Mitte 2012 die finanziellen Mittel für die Schulung der Lesepaten der ersten drei Projekte zur Verfügung. Weiterhin wurde den Fördervereinen der Schulen ein zweckgebundenes Budget zur Verfügung gestellt, welches für den Ausgleich entstandener Aufwendungen der Lesepaten für die Startphase genutzt werden konnte.
Seit Mitte 2012 fördert nun der L&T Club für die nächsten Jahre den Bestand der zwei ehrenamtlichen Projekte an der Franz-Hecker-Schule und der Altstädter Grundschule. Die Grundschule Pye verfügt noch über Mittel aus dem Startpaket des Rotary-Clubs.

Projektkosten neuer Projekte
Die Gesamtkosten eines Lesepatenprojektes belaufen sich auf rund 4500 Euro für etwa vier Jahre (Startphase).

Dieses Geld wird benötigt für:

  • Erstschulung und weitere Fortbildungen
  • Materialien für die Lesepaten
  • Anerkennungskultur
  • Aufwendungsersatz, zum Beispiel Fahrtkosten

Wichtig ist, dass sich alle geworbenen Lesepaten regelmäßig in einer sich selbsttragenden Gruppe zum Erfahrungsaustausch treffen und auch weiterhin den Kontakt zur Schule und den Fachlehrern halten. Dieser Teil des sehr wichtigen Freiwilligenmanagement wird von den Schulen teilweise selber geleistet.

Organisation
Wie kommt eine neues Projekt zustande?

  • Eine interessierte Grundschule nimmt Kontakt mit der Freiwilligen-Agentur auf.
  • Vorstellung des Projektes durch die Freiwilligen-Agentur bei den Fachlehrern der Grundschule
  • Beschluss zur Projektteilnahme durch die Grundschule.
  • Akquirierung von ehrenamtlichen Lesepaten und Klärung der Finanzierung über den L&T Club oder andere Geldgeber durch die Freiwilligen-Agentur

Bei genügender Anzahl von ehrenamtlichen Lesepaten und bei zu Verfügung stehenden finanziellen Mitteln und/oder fachlichen Ressourssen erfolgt eine Erstschulung in Kooperation mit der Freiwilligen-Agentur und der Grundschule.
Nach der Erstschulung erfolgt zunächst ein Treffen der Lesepaten mit der Schule und den Fachlehrern. Dabei wird die Aufteilung auf die Klassen und Kinder besprochen.

Was passiert vor dem Treffen zur Aufteilung?
Zunächst stellt die Lehrkraft den Bedarf in den Klassen fest. Es sollen Kinder sein, die nach Einschätzung der Lehrkraft mehr regelmäßiges Üben nötig haben, aber keine gravierenden Defizite aufweisen, die eine speziellere Förderung erfordern. Pro Klasse werden auf diese Weise je zwei bis drei Kinder ausgesucht. Diese werden einzelnen Paten zugeordnet, so dass sich im Laufe der Arbeit eine persönliche Beziehung aufbauen kann. Die Zuordnung der Lesepaten erfolgt zunächst nach rein zeitlichen Gesichtspunkten. Wann sollen die Paten in welche Stunde kommen und wer hat wann Zeit?

Eine Besonderheit dieses Lesepaten-Experiments" ist, dass die Arbeit der Lesepaten in allen zweiten, dritten und vierten Klassen individuell mit dem Konzept und den Materialien der jeweiligen Lehrkraft durchgeführt wird, d .h. die Lehrkräfte entscheiden, in welche Stunden die Lesepaten kommen und was sie mit den Kindern tun, bzw. erarbeiten.

Arbeit der Lesepaten

Wie arbeiten die Lesepaten in den Klassen?
Das Projekt startet für alle Lesepaten mit mindestens einer Hospitationsstunde. In der darauf folgenden Woche nehmen die Lesepaten bereits ihre reguläre Arbeit auf. Danach arbeiten die Paten hauptsächlich unterrichtsbegleitend. Manchmal nehmen sie die Kinder einzeln oder in kleinen Gruppen (2-3 Kinder) aus dem Unterricht nach Bedarf und nach Weisung durch Lehrkräfte heraus. Im Einzelfall wird die Leseunterstützung auch während der Betreuungszeit oder am Nachmittag angesetzt.

Wann und wie arbeiten die Lesepaten?

  • Ein- bis zweimal pro Woche eine Unterrichtsstunde
  • Meist in der 1:1 Situation - ein Pate betreut ein Kind
  • Oft werden in der Stunde nacheinander zwei Kinder versorgt.
  • Nach Anweisung durch die Lehrkräfte mit Materialien, die von ihnen zur Verfügung gestellt werden (Lesetexte, Arbeitsblätter, andere Materialien)
  • Inhalte sind schwerpunktmäßig das Lesen, vereinzelt auch die Unterstützung beim selbstständigen Arbeiten in freien Arbeitsphasen

Nach circa sechs Monaten gemeinsamer Arbeit ziehen Lehrkräfte und Lesepaten Bilanz und richten sich gegebenenfalls neu aus.

Bisherige Bilanz
Bisherige Bilanz an den Grundschulen in Osnabrück:
Beide Seiten (Schulen bzw. Lehrkräfte und Lesepaten) empfinden den Einsatz der Lesepaten als Bereicherung. Das Projekt wird in dieser Konstellation in den drei genannten Schulen erfolgreich durchgeführt.

Rückmeldung der Lesepaten:

  • Die Lesepatenschaft macht viel Freude.
  • Entstehung persönlicher Beziehungen zwischen Kindern und Paten. Diese fördern die Lernmotivation.
  • Es besteht das Bedürfnis, zeitnah über die Kinder zu sprechen und von den Lehrkräften Rückmeldung zu erhalten. Dafür ist während der Schulzeit am Vormittag wenig Zeit, daher sind die regelmäßigen Treffen zum Austausch sehr wichtig

Rückmeldung der Lehrkräfte:

  • Lesepatenschaft hat für das einzelne Kind einen hohen Wert! Oft bereitet erst eine wertschätzende und verlässliche Beziehung den Boden für erfolgreiches Lernen. Erfolge sind schnell sichtbar
  • Circa zwei Deutschstunden sind für das Projekt fest reserviert. Dieser organisatorische Rahmen engt die Lehrkräfte weniger ein und erfordert keine besondere Anstrengung und Vorbereitung.

Fazit aller Beteiligten:
Das Projekt verläuft erfolgreich. Es wird in allen Schulen nach den Startphasen weitergeführt.

Lesepaten, Lehrkräfte und Organisatoren sind sich einig darüber, dass diese Form der Leseförderung kein Ersatz für Förderunterricht sein kann und auch nicht ist. Es fehlt der Grundschule an ausgebildeten Lehrkräften, die klassenweise die Förderung übernehmen können. Die ehrenamtliche Arbeit der freiwilligen Lesepaten stellt lediglich eine zusätzliche Qualität zum bestehenden „Leistungspaket“ der Grundschule dar und gilt als Unterstützung beim selbstständigen Arbeiten in freien Arbeitsphasen.


www.osnabrueck.de

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