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Kleine Tiere ganz groß

Eine Handvoll Erde enthält oft mehr Lebewesen als es Menschen gibt. Dieser Satz ist vielen bekannt. Doch wer da eigentlich im Boden lebt, wissen nur wenige. Denn die meisten Organismen im Boden sind so winzig, dass wir sie nicht sehen können. Dabei gehört das Universum unter unseren Füßen zu den äußerst dicht besiedelten Lebensräumen der Erde. Seine Bewohner sind Räuber, Parasiten, Vegetarier oder Aasfresser. Eine bunte Gesellschaft, die unschlagbar ist, in dem was sie tut: wiederverwerten. Recycelt wird alles was (ihnen) schmeckt: Pflanzenreste, Kothäufchen und tote Tiere. Das Ergebnis sind Nährstoffe und Humus.

Eigener Herd ist Gold wert…

Die Tiere im Boden schaffen sich ihre Lebensräume selbst oder greifen auf Vorhandenes zurück. Der allseits bekannte Regenwurm gehört zu der ersten Sorte. Er bohrt und frisst sich durch den Boden. Dabei entstehen die typischen Regenwurmgänge. Einige Arten legen flache Gangsysteme von 30 bis 50 Zentimeter Tiefe an, andere sind wahre Tiefgräber, die sich bis zu drei Meter tief in den Boden bohren. Manche Regenwürmer leben auch Übertage: in der Laubstreu, im Kompost und im zersetzten Holz. Allen gemeinsam ist ihre Vorliebe für abgestorbene Pflanzenteile, die sie zusammen mit der Erde aufnehmen. Die unverdauten Reste werden gut vermengt als Kot ausgeschieden. Dieser ist von äußerst guter Qualität: Krümelig und nährstoffreich, ein Muss für jeden Boden. Ähnlich gute Bodenverbesserer sind die Kleinringelwürmer. Sie sind kleiner (vier bis 40 Millimeter) als ihre Verwandten, die Regenwürmer. Wenn die Böden nicht zu dicht sind, legen auch sie feine Gänge an.

Daneben tummeln sich auch Hundert- und Tausendfüßer im Boden. Einige von ihnen räumen mit Hilfe ihrer Beinkraft die vor sich liegende Erde fort - wie ein Bulldozer. Mit ihren schmalen, langen Körpern wühlen sie sich durch den Boden. Tausendfüßer sind reine Pflanzenfresser und gute Laubzersetzer. Nicht ganz so friedlich sind die Hundertfüßer: Sie fressen andere Bodentiere und verschmähen auch die Tausendfüßer nicht.

Zwar gehört der Steinkriecher auch zu den Hundertfüßern, aber seine Beinmuskulatur ist nicht so gut ausgeprägt. Sein Betätigungsfeld ist deshalb die Bodenoberfläche. Dort findet man ihn in der Streu, unter Steinen und in den oberen Bodenschichten. Diesen Lebensraum teilt er sich mit Asseln und Schnecken.


Tierchen

Platz ist in der kleinsten Höhle…

Boden ist keine strukturlose Masse. Vielmehr bilden sich zwischen den Bodenteilchen verschieden große Hohlräume, die Bodenporen. Diese sind mit Wasser oder Luft gefüllt und bieten Lebensraum für viele Bodentiere. So schwimmen in den wassergefüllten Poren Fadenwürmer und unterschiedliche Einzeller. Die Einzeller sind die kleinsten Bodentiere (0,01 bis 0,5 Millimeter). Zu diesen Kleinsten unter den Kleinen gehören Geißeltierchen, Wurzelfüßer und Wimpertierchen.

Kleinhöhlenbewohner leben in den größeren luftgefüllten Bodenporen. Sie brauchen wenig Platz und finden auch im Dunkeln ihren Weg. Das Graben oder Bohren zur Fortbewegung können sie sich sparen: Sie finden immer eine Lücke zwischen den Bodenteilchen. Zu diesen "Lückenfüllern" zählen auch verschiedene Springschwanzarten. Im Gegensatz zu den Springschwänzen, die an der Bodenoberfläche leben, sind diese Tiere kleiner (0,3 bis 1 Millimeter), schmal, mit kurzen Beinen und Antennen. Sie sind farblos und blind, denn im Dunklen sind andere Sinne gefragt. Gute Tast-, Geruchs- und Feuchtigkeitssinne zeichnen sie aus. Die Sprunggabel, der sie eigentlich ihren Namen verdanken, ist zurückgebildet oder fehlt völlig. Im Boden sind sowieso keine großen Sprünge möglich.

Zu den Kleinhöhlenbewohnern gehören auch viele Insektenlarven und kleinere Milbenarten. Milben sind im Boden reichlich vertreten. Sie gehören wie die Springschwänze zu den wichtigen Zersetzern von abgestorbenen Pflanzenteilen. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen (0,5 bis zwei Millimeter), Formen und Farben. Die größeren Milben leben auf der Erdoberfläche.

Ebenfalls in den Hohlräumen und Spalten im Boden ist der Pseudoskorpion anzutreffen. Im Gegensatz zu den echten Skorpionen besitzt er keinen Giftstachel und ist viel kleiner: Pseudoskorpione werden nur zwei bis vier Millimeter groß. Mit ihren auffälligen Kieferscheren ergreifen sie Springschwänze, Milben und Fadenwürmer.

Bodentiere
Auf und im Boden lassen sich eine Vielzahl von kleinen Tieren entdecken. Dabei hinterlassen sie auch Spuren wie Kothaufen oder Gänge durch den Boden.



Springschwanz, Pseudoskorpion und Pilze aus ungewohnter Perspektive: ohne Lupe oder Mikroskop.
Schnecke
Schnecke
Regenwurm

Für den begehbaren Regenwurm musste zunächst eine Form gebaut werden. Bei einer Länge von über sieben Meter kein leichtes Unterfangen. Mit ihrer Hilfe entstand die eigentliche Haut des Regenwurms.

Bodenteilchen ganz gross - in der Ausstellung wühlt man sich zwischen ihnen hindurch. Hier klein im Modell.
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