Ernst Jacobson wurde am 26. Mai 1884 in Hildesheim geboren. Sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Jena schloss er sehr erfolgreich im Alter von nur 21 Jahren ab. Im Anschluss wurde er Referendar im Bezirk des Oberlandesgerichts Celle. Seit dem Jahr 1907 lebte Dr. Jacobson in Osnabrück. Anfang 1911 schloss er sein Referendariat mit dem Erhalt des "Patents zum Gerichtsassessor" ab und wurde Rechtsanwalt in Osnabrück. Im Ersten Weltkrieg war er als Unteroffizier Frontsoldat in der kaiserlichen Armee. Nach Ende des Krieges ging er mit Rechtsanwalt Köster eine Sozietät ein. Das Büro befand sich im Haus der Familie Jacobson, Wittekindplatz 1a. Im Jahr 1922 wurde Dr. Ernst Jacobson zum Notar ernannt, und er heiratete Margarete Mosheim, die am 9. September 1899 in Eldagsen geboren wurde. Das Ehepaar bekam zwei Kinder: die am 3. September 1923 geborene Tochter Else und den am 15. Januar 1928 geborenen Sohn Rudolf, der sich nach der Emigration in Ralph umbenannte.
Dr. Jacobson war auch ehrenamtlich sehr aktiv. So war er bis 1938, länger als 18 Jahre, der Vorstand der Osnabrücker Synagogengemeinde. Als Funktionsträger der Synagogengemeinde musste Dr. Jacobson zwangsläufig in Gegnerschaft zu den Nationalsozialisten geraten. Bereits im April 1933 postierte sich die SA vor seiner Kanzlei, um Klienten "abzuschrecken". Nachdem ihm bereits zeitweise der Zutritt zum Amtsgericht verboten wurde, erhält Dr. Jacobson am 10. Juni 1933 seine Entlassung aus dem Amt des Notars. Im Januar 1934 wurde er zur Aufgabe seiner Sozietät gezwungen, und ab September 1938 wurde ihm endgültig jede Betätigung als Rechtsanwalt verboten.
Wie viele andere bemühte sich Dr. Jacobson mit seiner Familie um die Auswanderung in die USA. Alle Vorbereitungen waren getroffen, und für die Emigration waren von ihm insgesamt 47.282 Reichsmark "Fluchtsteuer" aufgewendet worden. Aber am 8. Oktober 1938 wurde Dr. Ernst Jacobson in seinem Schrebergarten an der Bohmter Straße tot aufgefunden. Während offizielle Berichte von Selbstmord sprachen, geht sein Sohn heute unter Angabe gewichtiger Gründe davon aus, dass der Vater ermordet wurde. Dem angesehenen Rechtsanwalt und Notar war es nicht mehr gelungen, dem Naziterror zu entkommen. Seiner Frau Margarete gelang mit den Kindern die Emigration nach New York. Die Mutter Dr. Jacobsons und seine Schwester wurden nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert und dort ermordet.