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27.10.2017

Neueste Untersuchungen: Osnabrücker Kupferschatz älter als bisher angenommen

Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven zur Metallurgie, zu Fernhandelsbeziehungen und Bildung gesellschaftlicher Eliten

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine auch für Archäologen ziemlich unverdächtige Stelle am Rande des Osnabrücker Stadtteils Lüstringen, auf der Lennard Janßen, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück, im Juni 2016 auf ein Ensemble von vier kupfernen Schmuckstücken stieß. Eine kleine Sensation bahnte sich an: Die Fundstücke waren drei sogenannte Lunulae, also halbmondförmiger Brust- oder Halsschmuck, und eine Kupferaxt. In Zusammensetzung und Umfang ist dies einer der ungewöhnlichsten und ältesten Schatzfunde Norddeutschlands. Nach nunmehr einem Jahr mit zahlreichen Untersuchungen zeigt sich, dass die Exponate noch älter sind, als ursprünglich angenommen.

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(2017 10 23 Kupferschatz 3 Meyering) Oberbürgermeister Wolfgang Griesert beim Blick durchs Mikroskop auf eine Lunulae; Foto: Stadt Osnabrück, Gerhard Meyering
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(2017 10 23 Kupferschatz 2 Meyering) Von links: Ulrike Haug, OB Wolfgang Griesert und Axel Friederichs begutachten den Fund; Foto: Stadt Osnabrück, Gerhard Meyering
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(2017 10 23 Kupferschatz 4 Meyering) Der Kupferschatz bestehend aus drei Lunulae und einer Axt; Foto: Stadt Osnabrück, Gerhard Meyering

Der Leiter der Stadt- und Kreisarchäologie, Axel Friederichs, erläuterte am Montag, 23. Oktober, Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, die Untersuchungsergebnisse.

„Wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, welchem Zweck diese Schmuckstücke dienten oder warum sie dort vergraben wurden. Sicher ist aber, dass dieser Metallschmuck für die damals lebenden Menschen einen unermesslichen Wert darstellte“, beschreibt Axel Friederichs die Bedeutung des Fundes.

Bei der seinerzeit anschließenden Ausgrabung wurde die unmittelbare Fundstelle als fast 300 Kilogramm schwerer Erdblock eingegipst und nach Hannover ins Landesamt für Denkmalpflege transportiert. In der dortigen Restaurierungswerkstatt wurde der Inhalt des Blockes bis in den Sommer 2017 hinein millimeterweise ausgenommen. Dabei traten fehlende Reststücke der drei Lunulae zutage - immerhin fast 30 Prozent. Außerdem wurden alle noch so winzigen organischen Reste geborgen und mehrere Bodenproben entnommen.

Wichtigste Erkenntnis der Untersuchungen: Entgegen der ursprünglichen Annahme, die vier gefunden Gegenstände seien 4.000 bis 4.500 Jahre alt, konnten die Wissenschaftler feststellen, dass diese mindestens 500 Jahre älter sind. Demnach stammen sie nicht aus der Einzelgrabkultur, sondern aus der sogenannten Trichterbecherkultur, also der Zeit der Großsteingräber.

Mit einem Alter von mehr als 5.000 Jahren eröffnen die Ergebnisse neue Perspektiven zur Erforschung der Anfänge der Metallurgie und führen zu tieferen Einblicken in die Frühzeit der Fernhandelsbeziehungen in Europa und der Herausbildung von gesellschaftlichen Eliten deutlich vor der Wende von der Steinzeit zur Bronzezeit. Die Fundstücke sind so bedeutend, dass sie voraussichtlich 2018 in Berlin im Rahmen einer Ausstellung zum Weltkulturerbe gezeigt werden.

„Osnabrück und sein Umland sind sehr geschichtsträchtig: Seit der Steinzeit, der Varusschlacht, der Zeit Karls des Großen und der Stadtgründung über die Epoche der Hanse bis zur Gegenwart gibt es Entdeckens- und Bewahrenswertes in unserer Region. Als jemand, der es sehr schätzt, Dingen auf den Grund zu gehen, bin ich froh, dass wir mit der Stadt- und Kreisarchäologie eine Einrichtung haben, die schon aus Profession heraus Dinge tiefgründig betrachtet“, so Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

Einen Film zum Fund des Osnabrücker Kupferschatzes zeigt der Internetauftritt des Kulturgeschichtlichen Museums unter www.osnabrueck.de/kupferschatz.

 

 



www.osnabrueck.de

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