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18.02.2016

Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises 2016 an Adonis

Dem syrisch-libanesischen Lyriker und Essayisten Ali Ahmad Said, bekannt unter dem Künstlernamen Adonis, wurde am Freitag, 19. Februar, der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2016 verliehen. Während einer Feierstunde im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses überreichte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Preis, der nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannt ist. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wurde zum 13. Mal verliehen.

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(E M Remarque Friedenspreis Adonis c AngelavonBrill 01 web) Von links: Prof. Dr. Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück, Preisträger Ali Ahmad Said (Adonis) und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, Foto: Angela von Brill


„Von Erich Maria Remarque haben wir gelernt, dass der Mensch in der Hervorbringung von Krieg gar noch erfinderischer ist als in der Schaffung von Frieden – wider den Sinn des Lebens und wider unsere Auffassung von der menschlichen Natur“, sagte der Preisträger in seiner Dankesrede. Er verwies auf das humanistische Vermächtnis des deutschen Schriftstellers: Anerkennung des Anderen, Liebe zum Leben, Eintreten für Rechte und Freiheiten, für Glück und Offenheit, für die Bekämpfung von Armut, Unwissenheit, gegen Rassismus und Faschismus in all ihren Ausprägungen. Das seien Ziele und Werte, für die er ebenfalls eintritt.
In seiner Begrüßung dankte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert Adonis für seine Bereitschaft, den Preis trotz des massiven internationalen Protestes, vor allem aus der arabischen Welt, anzunehmen. Professor Dr. Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück und Vorsitzender der Jury des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis, verwies auf die Anfeindungen, die vermeintliche Nähe des Preisträgers zum Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und seiner angeblich geringen Unterstützung der syrischen Opposition, die ihn des Preises nicht würdig mache. Diese Vorwürfe seien durch nichts gerechtfertigt.
Am Abend vor der offiziellen Preisverleihung hatte sich Adonis im Rahmen eines Podiumsgesprächs den Fragen der Journalistin Iris Radisch gestellt. „Worte zwischen den Fronten“ lautete der Titel der Veranstaltung in der Aula des Osnabrücker Schlosses. Eine Annäherung an das Werk und das Denken des Schriftstellers stand im Fokus des Podiumsgesprächs, zu dem auch der Nahostexperte Daniel Gerlach eingeladen worden war.
Den Vorwurf, seine syrischen Landsleute im Kampf gegen das Assad-Regime im Stich gelassen zu haben, ließ Adonis in einem Statement nicht gelten: „Ich habe schon vor Jahren einen Brief an Baschar al-Assad geschrieben und ihn darin zum Rücktritt aufgefordert“, sagte Adonis.
Auch sonst fand er klare Worte: „Ich plädiere für die Trennung von Staat und Religion. Ich plädiere für die Einhaltung der Menschenrechte. Ich plädiere für die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. Und ich bin gegen Gewalt, vor allem mit Waffen“. All das seien Ziele, die von den meisten Gruppierungen der syrischen Opposition nicht verfolgt würden. Statt dessen unterstütze er die Vereinigung des Menschenrechtsaktivisten Haytham Manna, die gegen die Militarisierung des Aufstandes sowie gegen eine ausländische Intervention in Syrien eintritt.
Fatal schätzt Adonis die Rolle des Islam in der arabischen Welt ein. Es handele sich um eine Religion, die ihm zu rückständig sei. „Ich komme aus einer arabisch-islamischen Welt, deren politische, kulturelle und soziale Tiefenstruktur noch immer von Religion und Stammesdenken geprägt ist – als stünde sie in einem Kontinuum mit der Kultur des Mittelalters“, sagte Adonis in seiner Dankesrede.
„Adonis setzt sich unermüdlich für eine demokratische Willensbildung ein“, betonte derweil der Juryvorsitzende Lücke. Aus literarischer und essayistischer Perspektive biete er Zugang zum Verständnis der Hintergründe und Traditionen der unterschiedlichen Kulturen. „Die Lektüre seiner Schriften verdeutlicht die Bedeutung der Literatur und vor allem der Poesie im arabischen Raum. Adonis ist damit ein wichtiger Vermittler zwischen arabischer und westlicher Kultur“, erklärte er die Entscheidung der Jury.
In seiner Laudatio forderte der Nahostexperte Daniel Gerlach den Preisträger auf: „Wenn Sie, lieber Adonis, der Welt, aber vor allem den Menschen des Nahen Ostens etwas mehr von den Geheimnissen berichten, die die faszinierende Vielfalt des Kulturraums Syrien mitgeprägt haben. Vielleicht kann das den Weg ebnen: zu einer wahren Integration. Zu Akzeptanz, nicht Toleranz, zwischen den Religionen und Konfessionen.“

Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2016

Seit 1991 verleiht die Stadt Osnabrück alle zwei Jahre den nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannten Friedenspreis. In diesem Jahr wird die Auszeichnung zum 13. Mal vergeben. Den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis erhält der syrisch-libanesische Lyriker und Essayist Ali Ahmad Said, der unter seinem Künstlernamen Adonis veröffentlicht, um sein Eintreten für die Trennung von Religion und Staat, die Gleichberechtigung der Frauen in der arabischen Welt sowie für eine aufgeklärte arabische Gesellschaft zu ehren. Zudem gilt Adonis als der bedeutendste arabische Dichter der Gegenwart.
Verliehen wird der Preis gerade auch im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen in Nahost und speziell in Syrien. Ganz im Sinne Remarques soll Mut gemacht werden, trotz aller Verzweiflung über die Zustände für eine friedliche Zukunft der Region zu arbeiten.
 Die Mitglieder der Jury betonen, Adonis setze sich kritisch mit der Rolle der Religionen auseinander und für eine demokratische Willensbildung ein. Unter dem literarischen Aspekt biete er Zugang zum Verständnis der unterschiedlichen Kulturhintergründe, die Lektüre seiner Schriften verdeutliche zudem die Bedeutung der Poesie im arabischen Raum. So gelte Adonis als ein wichtiger Vermittler zwischen arabischer und westlicher Kultur.
 „Der Dichter muss stets jenseits des Üblichen stehen und es ist seine Pflicht, den Wind der Freiheit und Gleichheit zu unterstützen, der Gesellschaften antreibt“, schrieb Adonis, als er von der Verleihung des Remarque-Friedenspreises erfuhr. Er spricht damit ganz im Sinne Remarques, dessen Worte das dichterische Wirken Adonis‘ bezeichnend beschreiben: „man kann nur sich hinsetzen, und sein kleines bißchen tun, damit Fortschritt möglich ist“.
Adonis wurde 1930 als Ali Ahmad Said Esber in Qassabin (Nordsyrien) geboren und studierte Philosophie in Damaskus. 1955 wurde er wegen politischer Aktivitäten inhaftiert. Danach ließ er sich mit seiner Frau in Beirut nieder, wo er unter seinem Künstlernamen Adonis die avantgardistische Literaturzeitschrift Schi'r (Poesie) herausgab – die zu einer der wichtigsten Stimmen für die Neubegründung der arabischen Lyrik wurde. 1960 nahm er die libanesische Staatsbürgerschaft an und graduierte an der Université Saint-Joseph, wo er noch zu Beginn des Libanesischen Bürgerkrieges 1975 lehrte. 1980 emigrierte er nach Paris, wo er bis heute lebt. Adonis gilt als der bedeutendste arabische Dichter der Gegenwart. Er versucht, die Offenheit der klassischen arabischen Lyrik neu zu beleben, indem er Tabus bricht und Religion hinterfragt. Gerade auch durch seine kritischen Essays erregt er immer wieder Aufsehen in der arabischen Welt.
 Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wird im Sinne seines Namensgebers für belletristische, journalistische oder wissenschaftliche Arbeiten vergeben, die sich mit Themen des inneren und äußeren Friedens auseinandersetzen, sowie für beispielhaftes Engagement für Frieden, Humanität und Freiheit.
 Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück, gehören der Jury Prof. Dr. Heribert Prantl, Prof. Dr. Rita Süßmuth, Dr. Johano Strasser, Dr. Hubert Winkels, Jutta Sauer sowie Prof. Dr. Tilman Westphalen als Vertreter der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft und Dr. Thomas Schneider als Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrum an sowie als Vertreter der Stadt Osnabrück Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und der städtische Pressesprecher Dr. Sven Jürgensen.
 Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wurde bisher vergeben an Lew Kopelew (1991), Hans Magnus Enzensberger (1993), Uri Avnery (1995), Ludvik Vaculik (1997), Huschang Golschiri (1999), Swetlana Alexijiwitsch (2001), Prof. Dr. Dan Bar-On und Mahmud Darwisch (2003), Leoluca Orlando (2005), Prof. Dr. Tony Judt (2007), Henning Mankell (2009), Tahar Ben Jelloun (2011) sowie Abdallah Frangi und Avi Primor (2013).
 Den in diesem Jahr nicht vergebenen Sonderpreis erhielten Anja Lundholm (1991), Dörte von Westernhagen (1993), Milijenko Jergovic (1995), die Gemeinsame deutsch-tschechische Historikerkommission (1997), das Gründungskomitee des Verbandes iranischer Schriftsteller (1999), die Internationale Gesellschaft für historische Aufklärung, Menschenrechte und soziale Fürsorge MEMORIAL (2001), Juri Andruchowytsch (2005), Grigori Pasko (2007), Lukas Bärfuss (2009), die Menschenrechtsorganisation PRO ASYL (2011) und die Initiative EXIT-Deutschland (2013).
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