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03.09.2015

Stellungnahme zur Kritik an der Vergabe des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises 2015

Bei der Entscheidung, den syrischen Dichter Adonis mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis auszuzeichnen, war der Jury bewusst, dass die Verleihung eine kontroverse Diskussion entfachen kann. Unter anderem wird Adonis vorgeworfen, er habe keine Distanzierung zum Vorgehen des syrischen Regimes gegen das eigene Volk erkennen lassen.

Adonis selbst äußerte sich in einem Interview 2011 gegenüber qantara.de zu diesem nicht neuen Vorwurf: „Meine widerstrebende oppositionelle Haltung zu dem bestehenden Regime in Syrien (…) rührt aus einer weit zurückliegenden Zeit her. Seit etwa 50 Jahren befinde ich mich in einem ständigen Kampf mit der Diktatur des bestehenden Regimes. Daher bin ich natürlich dagegen“. Des Weiteren ergänzt Adonis in diesem Interview: „Es gibt aber Unterschiede in den Methoden des Widerstands. Ich missbillige Gewalt in all ihren Formen, wie auch immer sie von denjenigen, die sie anwenden, begründet wird. Ich ertrage sie weder von Seiten des Regimes noch von Seiten der Gegner des Regimes“. Er stehe „auf Seiten dieser revolutionären Bewegung, was immer dabei herauskommt“. Er glaube, „dass die Opposition eine neue Ethik und neue Werte schaffen muss, damit sie eine neue Gesellschaft aufbauen kann“ und dass die oppositionelle Bewegung ein Zeichen für die Lebendigkeit des Volkes und ein Hinweis darauf sei, dass es an der Freiheit und am Aufbau einer anderen Zukunft festhalte.
 
Auch Orient-Experte Joachim Sartorius, der 2011 die Laudatio gehalten hat, als Adonis den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main erhalten hat, wies in einem früheren Gespräch mit epd darauf hin, das Adonis „in seiner Haltung zum syrischen Bürgerkrieg relativ früh für Realismus plädiert“ habe und dass „eine Lösung nicht gegen, sondern nur in Verhandlungen mit dem syrischen Diktator erreicht werden“ könne.
 
Dies entspricht dem Anliegen des Remarque-Friedenspreises, nämlich das Engagement für friedliche Lösungen auszuzeichnen. Erst 2013 wurden beispielsweise Avi Primor und Abdallah Frangi für ihre Bemühungen um einen friedlichen Dialog im Nahost-Konflikt entsprechend gewürdigt. Mit der Auszeichnung für Adonis ist aber auch beabsichtigt gewesen, intensiv über die Problematik in Syrien ins  Gespräch zu kommen, über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, die Frage nach der Verantwortlichkeit und Einflüssen anderer Staaten zu stellen.
 
„Vor allem aber ist es für die Entscheidung wichtig gewesen“, sagt Jurymitglied Oberbürgermeister Wolfgang Griesert „Adonis’ Eintreten für eine Trennung von Religion und Staat sowie die Gleichberechtigung der Frauen in der arabischen Welt zu würdigen und sein Engagement für eine aufgeklärte arabische Gesellschaft auszuzeichnen. Dadurch weist er über die aktuellen Konflikte hinaus auch auf grundsätzliche Fragestellungen hin. Sein Werk erfüllt damit in vielfacher Hinsicht die Intention des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises.“


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