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Avi Primor und Abdallah Frangi erhalten den Remarque-Friedenspreis 2013

Friedenspreisträger Avi Primor, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Friedenspreisträger Abdallah Frangi, Foto: Elvira Parton
Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, Prof. Dr. Claus Rollinger, Präsident der Universität Osnabrück, Abdallah Frangi, Avi Primor und Bernd Wagner (Initiative EXIT-Deutschland), Foto: Elvira Parton

Seit 1991 verleiht die Stadt Osnabrück alle zwei Jahre den nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannten Friedenspreis. In diesem Jahr wird die Auszeichnung zum zwölften Mal vergeben.

Den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis erhalten zu gleichen Teilen der 1935 in Tel Aviv geborene israelische Diplomat und Publizist Avi Primor sowie der 1943 in Beerscheba geborene palästinensische Politiker Abdallah Frangi, um ihre beharrlichen Bemühungen um Verständigung zu ehren. Beide Persönlichkeiten treten für einen gemeinsamen Weg der Versöhnung und Verständigung ein. Verliehen wird der Preis insbesondere auch im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen in Nahost. Mit dem Preis soll auch der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, dass nur die Bereitschaft zum Dialog eine weitere Eskalation der Spannungen vermeiden kann. Die Preisträger stehen für eine Kontinuität des Dialogs. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert erläutert die Juryentscheidung: „Mit der Entscheidung der Jury lenken wir den Blick auf ein Gebiet, den Nahen Osten, das politisch immer noch sehr fragil ist. Jede Unterstützung für eine friedliche Lösung des Konfliktes muss im In- und Ausland genutzt werden. Dafür setzen sich unsere Preisträger seit Jahren ein. Gleichzeitig schlagen wir mit dem Sonderpreis eine Brücke zu einem innerdeutschen Konflikt, der mit unserer Geschichte immer verbunden sein wird.“

Die Initiative EXIT-Deutschland erhält den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis für ihre Unterstützung von Menschen, die mit dem Rechtsextremismus brechen. EXIT unterstützt die Auseinandersetzung mit der Vorstellungswelt und dem Verhalten von Rechtsextremisten.

Jurymitglied Prof. Dr. Rita Süßmuth fasste die Gemeinsamkeiten der diesjährigen Preisträger bei der entscheidenden Jurysitzung unter dem Tenor des Umdenkens zusammen. Es gäbe eine innere zwingende Notwendigkeit, Avi Primor und Abdallah Frangi mit EXIT zu kombinieren. In Nahost wollen die Preisträger zum Umdenken anregen, damit Frieden eintreten kann. EXIT will ebenfalls zum Umdenken anregen, damit Frieden eintreten kann – im eigenen Land. Bernd Wagner, einer der Gründer von EXIT Deutschland, erläuterte auf der Pressekonferenz am 14. November: „EXIT-Deutschland verfolgt das Ziel, die demokratische Kultur zu fördern. Mit der Preisverleihung sehen wir uns ermutigt, diesen Weg weiter zu gehen. Denn eine Demokratie zeichnet sich eben gerade auch dadurch aus, dass Menschen die Möglichkeit gegeben wird, zu den Werten einer demokratischen Gesellschaft zurückzukehren.“

Die Preisverleihung findet statt am Freitag, 15. November, um 11 Uhr im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück.

Erich Maria Remarque wurde in einem Interview 1963 einmal gefragt, ob die Tatsache, dass seine Bücher keine Kriege verhindern würden, ihn vom Schreiben abhalten könne. Er antwortete: „Niemals! […] Denn was bleibt, wenn wir nicht daran glauben, dass ein Fortschritt möglich ist, was bleibt? Es ist manchmal sehr schwer, daran zu glauben, das gebe ich zu, aber man muß daran glauben, und man muß auch dafür arbeiten. […] Man kann einfach nur sich hinsetzen und sein kleines bißchen tun und daran arbeiten. Vielleicht hilft es auch etwas.“

In diesem Sinne engagieren sich sowohl Avi Primor als auch Abdallah Frangi. Beide zeichnet aus, dass sie trotz vieler Rückschläge und der sich aktuell zuspitzenden Situation in Nahost weiterhin für den Dialog, die Verständigung und das Suchen nach einer gemeinsamen friedlichen Lösung eintreten. „Ich glaube fest daran, dass es keine Zukunft für Palästina und Israel geben wird, wenn es keinen Frieden gibt. Die Radikalen bestimmen mit ihrer Siedlungspolitik die derzeitige Situation vor Ort. Es ist wichtig, dass sich die amerikanische und europäische Stimme weiterhin erhebt und sich für eine friedliche Lösung einsetzt.“, erklärte Frangi im Rahmen der Pressekonferenz zur aktuellen Situation im Nahen Osten. 

Abdallah Frangi war von 1982 bis 1984 Vertreter der PLO in Deutschland und anderen Ländern, später ausschließlich in Deutschland. Bis 2005 brachte er als Generaldelegierter der Palästinensischen Generaldirektion in Deutschland durch intensive Beziehungen zu deutschen Politikern die Interessenlage des palästinensischen Volkes ins Bewusstsein der deutschen Bevölkerung. Nachdem Frangi 2007 bis 2009 außenpolitischer Sprecher der Fatah war, ist er heute als persönlicher Berater von Präsident Abbas für  außenpolitische Angelegenheiten in Gaza und Ramallah tätig. Selbst bedroht und durch Anschläge gefährdet, setzt er sich dennoch für eine friedliche Zwei-Staaten-Lösung des Nahost-Konflikts ein.
Während seiner Zeit als israelischer Botschafter in Deutschland 1993 bis 1999 wurde Avi Primor in der deutschen Öffentlichkeit als eine der wichtigsten Stimmen des deutsch-israelischen Dialogs bekannt. Auch als Kritiker der eigenen Regierung sprach er sich vehement für einen Dialog zwischen den verschiedenen Interessengruppen aus. Nach dem Ende seiner diplomatischen Laufbahn gründete und leitet er das trilaterale Zentrum für Europäische Studien in Israel in Zusammenarbeit mit einer palästinensischen und einer jordanischen Universität, um zwischen den Studenten aus der Krisenregion Verständigung und Zusammenarbeit zu fördern und zu ermöglichen.

Seit Sommer 2000 hilft die Initiative EXIT-Deutschland Aussteigern aus der rechtsradikalen Szene und bietet Hilfe zur Selbsthilfe an. Sie wird dabei unterstützt durch die Stern-Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“, durch Spenden finanziert und derzeit im Rahmen des EXIT-Projektes „Seitenwechsel – Ausstieg als Einstieg in ein neues Leben“ durch das Bundesprogramm „XENOS. Ausstieg zum Einstieg“ gefördert. Im Vordergrund steht, mit Aussteigern neue Perspektiven außerhalb der rechtsextremen Szene zu entwickeln, Kontakte zu vermitteln und im Dialog auch bei der Aufarbeitung persönlicher Erfahrungen zu helfen. Darüber hinaus werden rechtsextreme Bestrebungen analysiert, Projekte und Institutionen ebenso wie betroffene Familien beraten und unterstützt.

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wird im Sinne seines Namensgebers für belletristische, journalistische oder wissenschaftliche Arbeiten vergeben, die sich mit Themen des inneren und äußeren Friedens auseinandersetzen, sowie für beispielhaftes Engagement für Frieden, Humanität und Freiheit.
 
Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Claus Rollinger, Präsident der Universität Osnabrück, gehören der Jury Prof. Dr. Hans Mommsen, Prof. Dr. Heribert Prantl, Jutta Sauer, Prof. Dr. Rita Süßmuth, Dr. Johano Strasser, Dr. Hubert Winkels sowie Prof. Dr. Tilman Westphalen als Vertreter der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft und Dr. Thomas Schneider als Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrum und als Vertreter der Stadt Osnabrück die allgemeine Vertreterin des Oberbürgermeister Rita Maria Rzyski und der städtische Pressesprecher Dr. Sven Jürgensen an.

Bisherige Preisträger:

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wurde bisher vergeben an Lew Kopelew (1991), Hans Magnus Enzensberger (1993), Uri Avnery (1995), Ludvik Vaculik (1997), Huschang Golschiri (1999), Swetlana Alexijiwitsch (2001), Prof. Dr. Dan Bar-On und Mahmud Darwisch (gleichrangig (2003), Leoluca Orlando (2005), Prof. Dr. Tony Judt (2007), Henning Mankell (2009) und Tahar Ben Jelloun (2011).
Sonderpreise erhielten Anja Lundholm (1991), Dörte von Westernhagen (1993), Milijenko Jergovic (1995), die Gemeinsame deutsch-tschechische Historikerkommission (1997), das Gründungskomitee des Verbandes iranischer Schriftsteller (1999), die Internationale Gesellschaft für historische Aufklärung, Menschenrechte und soziale Fürsorge MEMORIAL (2001), Juri Andruchowytsch (2005), Grigori Pasko (2007), Lukas Bärfuss (2009) und die Menschenrechtsorganisation PRO ASYL (2011).

Rede von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert zum Herunterladen

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