Tony Judt hat sich als Vermittler zwischen der europäischen und der US-amerikanischen Politik und Kultur hervorgetan, indem er den Lernprozess der Europäer aus dem kriegsbestimmten 20. Jahrhundert und die Politik des zwischenstaatlichen Ausgleichs und der Sozialorientierung in seiner umfassenden historischen Darstellung ´Postwar´ (deutsch: ´Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart´) überzeugend herausgearbeitet hat.
Zugleich ist Tony Judt in seiner politisch-publizistischen Arbeit in US-amerikanischen Medien und mittels Vorträgen und Kongressen als Kritiker einer kriegsorientierten amerikanischen Außenpolitik und einer zunehmenden Illiberalität der inneramerikanischen Öffentlichkeit bekannt geworden. Als pragmatischer Liberaler betont er die Rolle der UNO bei globalen Konflikten, lehnt unilaterale politische Aktionen ab und strebt eine diskursive Verständigung auf allen Ebenen politischen und kulturellen Handelns an.
Gerade weil Tony Judts engagiertes Eintreten für Meinungsfreiheit, Multilateralismus und friedliche Konfliktlösung zu nachhaltigen Diskussionen und gelegentlich auch zu Behinderungen seiner Arbeit geführt hat, hat die Jury mehrheitlich entschieden, die Arbeit des Historikers und politischen Publizisten mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis auszuzeichnen.
Grundlage für die Auszeichnung von Grigori Pasko mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises war sein Gefängnistagebuch "Die rote Zone", ein literarisches Werk von großer sprachlicher Kraft und Eindringlichkeit, das zugleich aber auch ein Dokument der Ohnmacht und Rechtlosigkeit des Einzelnen gegenüber der russischen Staatsmacht und dem Geheimdienst ist, der nach wie vor die Meinungsfreiheit zu unterdrücken versucht. Außerdem wird mit der Auszeichnung Paskos engagierter Einsatz für den Umweltschutz, für Bürgerfreiheiten und Menschenrechte gewürdigt.
Grigori Pasko, ehemals Marineoffizier und Militärjournalist, wurde 1997 nach seiner Rückkehr von Recherchen aus Japan wegen angeblich "versuchter Verbringung geheimer militärischer Dokumente ins Ausland" vom Inlandsgeheimdienst FSB verhaftet. Tatsächlich waren es jedoch seine kritischen Artikel über die atomare Verseuchung des russischen fernen Ostens durch die Pazifikflotte und seine Berichte über den Tschetschenienkrieg, die ihn für den russischen Geheimdienst zum Kriminellen und Staatsfeind machten. Ohne Gerichtsverhandlung folgte eine 21-monatige Odyssee durch mehrere Haftanstalten. Erst 1999 wurde er wegen "Überschreitung dienstlicher Befugnisse" verurteilt, nach einer Amnestie Boris Jelzins aber zunächst wieder freigelassen. In einem Berufungsverfahren wurde Pasko zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt und 2001 erneut verhaftet. 2003 wurde seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Seither kämpft er um seine Rehabilitierung.