Navigation über die Inhaltsbereiche dieser Seite

Hauptinhalt

Jiddische Musik im Felix-Nussbaum-Haus

Konzerte mit „Voices of Ashkenaz“, „Stella’s Morgenstern“, Polina und Merlin Shepherd, „WAKS“ und dem Duo Roswitha Dasch und Ulrich Raue

Die beliebte Konzertreihe „Jiddische Musik im Felix-Nussbaum-Haus“ verspricht auch 2017 wieder spannend zu werden. Stella Jürgensen hat Künstlerinnen und Künstler nach Osnabrück eingeladen, die jiddische Klangwelten in variantenreicher Bandbreite im Felix-Nussbaum-Haus erklingen lassen. Stella Jürgensen, selbst Musikerin, kennt sich in der Musikszene jüdischer Klangwelten besonders gut aus. Sie findet für die Konzerte im Felix-Nussbaum-Haus stets international agierende Musiker, die das Osnabrücker Publikum begeistern. Sie bringt eine junge Generation von Experten und Newcomern zusammen, die traditionelle jiddische Musik und Klezmer mit ihren vielfältigen musikalischen Interpretationen ein multikulturelles Gesicht schenken. In diesen Konzerten lebt Klezmer.

Stella Jürgensen moderiert durch die Konzerte. Sie stellt die Musikerinnen und Musiker vor, gibt profunde Einblicke in rituelle Funktionen bestimmter Musikstücke und verweist auf besondere Kombinationen von Klängen und Rhythmen, die zu den persönlichen Interpretationen des Künstlers, der Künstlerin gehören.

„Voices of Ashkenaz“

Voices of Ashkenaz; Foto Copyright Adam Berry
Voices of Ashkenaz; Foto Copyright Adam Berry

Am Freitag, 17. März, um 20 Uhr findet im Nussbaum-Haus ein Konzert von „Voices of Ashkenaz“. Das Ensemble hat sich auf eine spannende Reise begeben. Fünf Musikerinnen und Musiker aus den USA, Ukraine/Israel und Deutschland widmen sich den überraschenden Verwandtschaften und Parallelen jiddischer und deutscher Volkslieder.


Das Konzertprogramm ist eine kreative Annäherung an diese Verwandtschaften, ein Spiel mit Melodien und Texten. Extrem spannend und nie gehört, kommen hier Traditionen zusammen, die einmal im Aschkenas (hebräisch: Deutschland) der frühen Neuzeit zusammengehörten – und gerade durch ihre unterschiedliche Entwicklung in verschiedenen Kulturen, Zeiträumen und Orten faszinieren.


Ein solches Repertoire braucht besondere Sängerinnen und Sänger – und die sind seit 2016 in dieser Band vereint. Mit Sveta Kundish und Michael Alpert singen in den „Voices of Ashkenaz“ die beiden besten und bekanntesten Vertreter jiddischen Gesangs ihrer jeweiligen Generation. Neben einer traumwandlerischen stilistischen Sicherheit haben die beiden Erfahrung in fast allen Gesangsstilen Europas von West bis Ost, eine tiefe Verwurzelung im jiddischen Lied und seinen diversen Traditionen – und eine große Liebe zu allem, was diesen verwandt ist. Michael Alpert, seit 40 Jahren eine Lichtgestalt der weltweiten Szene der jiddischen Musik, wurde 2015 mit dem National Endowment for the Arts Fellowship ausgezeichnet, dem bedeutendsten Preis für traditionelle Kunst in den USA.

Stella's Morgenstern sowie Polina und Merlin Shepherd

Stella's Morgenstern; Foto Copyright Tobias Gloger
Stella's Morgenstern; Foto Copyright Tobias Gloger
Shepherds; Foto Copyright Paul Bogomazoy
Shepherds; Foto Copyright Paul Bogomazoy

Am Freitag, 19. Mai, um  20 Uhr geben Stella's Morgenstern sowie Polina und Merlin Shepherd ein Konzert im Felix-Nussbaum-Haus. Stella's Morgenstern hat wieder Musiker eingeladen, um mit einem einmaligen Konzert an die traditionelle Musik der osteuropäischen Juden zu erinnern und die Bandbreite neuer jüdischer Musik aufzuzeigen. Unter dem Motto „Mahnung“ präsentieren „Polina und Merlin Shepherd“ (Brighton/UK) und „Stella's Morgenstern“ (Hamburg/Israel) in einer persönlichen Auswahl traditionelle und neue jüdische Kompositionen gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus.

Traditionelle jiddische Friedenslieder und Protestsongs, die von ihrer Aktualität nichts eingebüßt haben, setzen Stella's Morgenstern und die Shepherds Ausgrenzung und Verfolgung entgegen. Darunter mischen die Musiker ihre eigenen Kompositionen, mit denen sie jüdische Volksmusik lebendig halten und die Tradition fortführen möchten. Ergänzend werden Zeichnungen des Tel Aviver Künstlers prof*merose und Zitate jüdischer Friedensaktivisten und Philosophen projiziert.

Polina und Merlin Shepherd schöpfen tief aus der Tradition jüdischer Musik. Sie kreieren eine Spiritualität, die sie außerhalb von Synagogen mit ihren Zuhörern teilen. Beide zählen zu den führenden Musikern, die osteuropäische jiddisch-jüdische Musik in ihrer ursprünglichen Stilistik wieder aufleben lassen.

„Stella's Morgenstern“ spielt neue und alte jüdische Volksmusik mit unverkennbar orientalisch-anglo-sächsischen Einflüssen auf Hebräisch, Jiddisch, Englisch und Deutsch. Die meisten Lieder stammen aus der Feder des Tel Aviver Künstlers Merose, der seit 40 Jahren zwischen Hamburg und Tel Aviv pendelt.

Polina Shepherd, geboren im sibirischen Tomsk, studierte am renommierten Kasan-Konservatorium Gesang. Sie ist spezialisiert auf komplexe Vokal-Techniken, die neben dem Schwerpunkt der Liedinterpretation auch auf die stimmliche Reproduktion instrumentaler Ornamentierungen in kantoraler Musik und im Klezmer ausgerichtet sind.

Merlin Shepherd ist international anerkannter Musiker, Komponist und Dozent. Er war musikalischer Leiter des Royal National Theatre, der Royal Shakespeare Company und des Shakespeare's Globe Theatre in London.

prof*merose, geboren in Tel Aviv, lebt in Hamburg. Er ist Zeichner, Maler und leidenschaftlicher Musikmacher.

Stella Jürgensen (Gesang, Autoharp, Ukulele, Flöte) hat sich auf jiddische und hebräische Volkslieder spezialisiert. Markenzeichen ist ihre tiefe Altstimme, die sie narrativ einsetzt.

Andreas Hecht (Gesang, Gitarren, Banjo, Lautengitarre, Perkussion) studierte klassische Gitarre in Hamburg und spezialisierte sich zunächst auf Flamenco und spanisch-orientalische Genres. Später widmete er sich der Musik Lateinamerikas. Ihn zeichnet seine Vielseitigkeit aus, die er exzellent mit seiner klassischen Spieltechnik zu verbinden weiß.

Klezmer-Workshops

Erstmals lädt das Felix-Nussbaum-Haus am Freitag, 9. Juni, zu Klezmer-Workshops für Sänger und Instrumentalisten. Jugendliche haben die Möglichkeit, von Profis zu lernen, wie jiddische Musik gesungen und gespielt wird.

Chorworkshop mit jiddischen Liedern im Felix-Nussbaum-Haus von 11 bis 16 Uhr: Die Komponistin und Sängerin, Polina Shepherd, genießt internationales Ansehen als Chorleiterin für jiddisches Repertoire. Ihr Workshop richtet sich an alle Sänger, die entweder Noten lesen können oder nach Gehör lernen und vermittelt Charakteristika des jiddischen Gesangs. Teilnehmer erlernen, wie man im Chor „Jiddisch“ klingt, wie Mehrstimmigkeit und Gesang mit speziellen Ornamentierungen und Gesangstechniken angereichert werden und wie man jiddische Tonfolgen und Skalen improvisiert und dabei modern klingt.

Instrumentalworkshop in der Musik-und Kunstschule von 13 bis 17 Uhr : Der renommierte Musiker, Komponist und Pädagoge, Merlin Shepherd, hat eine eigene Methode entwickelt, Instrumentalisten im Klezmer zu unterrichten. Shepherd orientiert sich an der der „Oral Tradition“, der mündlichen Überlieferung, nach der Volksmusik in der Regel weitergegeben wird. Shepherds Methode wurde weltweit von vielen übernommen.

Die Workshops erfolgen in englischer Sprache mit Übersetzung.

Die Workshop-Teilnehmer werden zunächst nach Gehör in die traditionelle Klezmermusik eingeführt und lernen, ihr Instrument auf Jiddisch zum Singen zu bringen. Im Verlauf des Workshops erproben die Teilnehmer im gesamten Ensemble Klezmerstücke für das Abschlusskonzert um 20 Uhr im Felix-Nussbaum-Haus.

„WAKS“

WAKS; Foto Copyright: Hocky Neubert
WAKS; Foto Copyright: Hocky Neubert

„WAKS“ treten am Freitag,10. November, um 20 Uhr im Felix-Nussbaum-Haus auf. „WAKS“ sind Inge Mandos (Gesang), Klemens Kaatz (Piano, Akkordeon, Indisches Harmonium) und Hans-Christian Jaenicke (Violine).

Die Erfindung des Phonographen machte es möglich, menschliche Stimmen zu bewahren. Jiddische Lieder, gesungen von Osteuropäern, wurden durch einen Trichter verstärkt und mit Hilfe einer Membran und eines Metallstifts in Wachswalzen geritzt. Diese verstaubten in Archiven und wurden nach vielen Jahrzehnten geborgen.
So ließ sich der Wunschtraum der Sängerin Inge Mandos verwirklichen, ungeachtet des zeitlichen und geografischen Abstandes mit diesen intensiven und berührenden Stimmen zusammen zu singen: zweistimmig, im Wechsel, oder wo nötig auch das beschädigte Liedgut rekonstruierend. Das WAKS-Ensemble (WAKS bedeutet „Wachs“ auf Jiddisch) mit dem Pianisten Klemens Kaatz und dem Violinisten Hans-Christian Jaenicke schuf dazu ganz eigene Arrangements. Es stellt die Sängerinnen und Sänger aus Osteuropa, die vor 80 Jahren gelebt haben, ins Zentrum der Musik und lassen sich konsequent auf die Stimmen und das Material ein, einschließlich Rauschen und Knacken. Die so bearbeiteten Lieder schaffen eine intime Nähe zu jüdischen Sängern  aus dem vergangenen Jahrhundert, die im O-Ton eingespielt und somit zu Solisten des Konzerts werden. Im Zusammenspiel mit WAKS entsteht eine berührende Verschmelzung von damals und heute – ein Konzept, das es im jiddischen Genre bisher nicht gegeben hat.

„Lerne lachen, ohne zu weinen – Kurt Tucholsky“

Roswitha Dasch und Ulrich Raue; Foto Copyright: Ingo Klatt
Roswitha Dasch und Ulrich Raue; Foto Copyright: Ingo Klatt

Am 8. Dezember um 20 Uhr findet unter dem Titel „Lerne lachen, ohne zu weinen –  Kurt Tucholsky“ ein Liederabend mit Roswita Dasch und Ulrich Raue statt. Nie zuvor ging es auf den Kleinkunstbühnen der Republik lebendiger zu als in den "Goldenen 1920er Jahren". Der Berliner Kurt Tucholsky, einer ihrer geistigen Wortführer, fragte: "Was darf Satire? Satire darf alles!" Über sein politisches Engagement hinaus setzte er seine Schreibkunst auch in den Dienst der Unterhaltung und schaute dabei als "Frauenversteher" gern auf die Rolle des weiblichen Geschlechts.

Roswitha Dasch und Ulrich Raue setzen den hintergründigen Humor Kurt Tucholskys in Sketchen, Gedichten und Chansons charmant in Szene. Abwechselnde Moderationen führen durch Tucholskys Lebensstationen, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Ironie seiner Werke. Das Künstler-Duo zeigt alle Facetten einer Zeit zwischen Agitation und Amüsement. Mit diesem ungewöhnlichen Konzert möchte das Felix-Nussbaum-Haus an den Geburtstag des Malers Felix Nussbaum erinnern, der am 11. Dezember 1904 in Osnabrück geboren wurde.

Förderer

Gefördert wird die Reihe „Jiddische Musik im Felix-Nussbaum-Haus“ von der Felicitas und Werner Egerland-Stiftung.

Tickets

Tickets gibt es im Vorverkauf im Museumsladen zu einem Preis von 15 Euro sowie an der Abendkasse im Museum für 17 Euro.

Weitere Informationen sind unter Telefon 0541 323-2560 erhältlich.


www.osnabrueck.de/fnh

Datenschutz | Impressum | Urheberrechte © 1996-2015: Stadt Osnabrück

zum Seitenanfang mit der Seitenbereichsnavigation springen