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Warten an der Westfront 

Warten an der Westfront

Felix Nussbaum - Leben und Werk

1939 erlebt Nussbaum in Belgien als deutscher Jude den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Es beschäftigt ihn die Frage, welcher Nation er sich zugehörig fühlt: In seinem Gastland ist er der ungeliebte Ausländer, in seiner Heimat der verfolgte Jude. Wie in seiner Selbstbildnissequenz aus dem Jahre 1936 fragt Felix Nussbaum in seinem "Selbstbildnis mit Skabiose" nach seiner Identität. Er zeichnet hier das Bild des unkriegerischen Deutschen, der kein Gewehr, sondern die blaue Blume der Kunst und Fantasie präsentiert. Die Kunst erhält für ihn eine neue Bedeutsamkeit: Wie im "Geheimnis" wird er tagebuchartig die politischen Ereignisse dokumentieren, indem er versucht, Bilder für seine innere Wirklichkeit zu finden, die von der äußeren Wirklichkeit, der politischen Entwicklung bestimmt wird. Seine Kunst gewinnt für ihn ihren lebensstabilisierenden Sinn zurück. Zunehmend erkennt er die Verbundenheit seines bislang eher individuell erfahrenen Schicksals mit dem der jüdischen Bevölkerung in Deutschland.

Anfang 1940 entsteht als eine Art Bestandsaufnahme der unmittelbaren Lebensumwelt eine Anzahl von Stillleben, in denen die Dinge der "toten Natur" zu Bedeutungsträgern und Metaphern seiner politischen Lebensumstände werden. Seine ihm unerklärlich gewordene Lebensumwelt setzt Felix Nussbaum zum Beispiel in dem Stillleben "Tombola" nicht mehr als "erzählendes" Bild um, sondern durch die kühl und emotionslos wirkende Darstellung, die in der zufällig und scheinbar sinnlosen Zusammenstellung von Dingen auf die ihm unerklärlich und verwirrend empfundene Welt verweist.

"La nature morte de Felix Nussbaum", das in einem Fetzen der Zeitung "Le Soir" auf den 16. April 1940 datiert ist, entstand kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen am 8. Mai 1940 in Belgien. Zwei Tage später wird Felix Nussbaum, wie alle wehrfähigen Reichsdeutschen, von den belgischen Behörden verhaftet und nach tagelanger Fahrt in einem vernagelten Viehwagon im südfranzösischen Lager St. Cyprien, der "Pyrenäen-Hölle", interniert.

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