Die Familie, die eine Villa in der Schloßstraße in Osnabrück bewohnt, lebt nicht streng nach den religiösen Gesetzen, sondern ist dem Reformjudentum zuzurechnen.
Als 21-Jähriger malt Felix Nussbaum mit dem Gemälde "Die beiden Juden" noch sein Bekenntnis zum Judentum, mit dem er sich später in seiner Malerei nur mehr gelegentlich auseinander setzt. In diesem Bild thematisiert er den Konflikt zwischen ständigen Anpassungsleistungen und der Wahrung seiner jüdischen kulturellen Identität, der ihm mit der assimilierten Generation seiner Eltern ständig vor Augen war. Vor dem Hintergrund des Innern der Osnabrücker Synagoge sind die Brustbilder zweier Männer zu sehen: der ältere, in sich gekehrte Jude, ein Porträt des Kantors der Gemeinde Abraham Elias Gittelsohn, verkörpert das orthodoxe Judentum. Als junger, glatt rasierter Mann stellt sich der Maler selbst als Angehöriger der modernen, selbstbewussten Generation dar. Nussbaum thematisiert hier nicht nur einen Generationenkonflikt, sondern betreibt über den Spiegel der Kunst seine Selbstvergewisserung, eine Standortbestimmung, die für seine Malerei eines der typischen Merkmale ist.
Wenn sich Nussbaum mit diesem Bild auch selbstbewusst zum Judentum bekennt, wollte er doch nicht als "jüdischer" Maler rezipiert werden. In der Anfangszeit seines Studiums fehlt diese Thematik fast vollständig.



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