In einer subjektiven Auswahl hat Anne Nissen Männer und Frauen aus dem Raum Hannover im Alter zwischen 80 und 97 Jahren nach ihren prägnantesten Lebenserinnerungen befragt. Ein Zyklus von 18 Videointerviews, mehrere Videobeamer und ein mit Spiegeln besetztes Polyeder (Vieleck) bilden die Basis für die Installation „Gezeiten“. Das Polyeder setzt, sich motorisch um die eigene Achse drehend, die Handlung in Gang. Die Videointerviews werden auf das Vieleck projiziert, und gleichmäßig ziehen monumentale Porträts über Wände und Gewölbe des 54 Meter langen und 18 Meter hohen Kirchenschiffs.
Der Versuch, über künstlerische Prozesse mehr Wirklichkeit in Kunsträume zu holen, sowie die Suche nach Authentizität und Originalität im Medienzeitalter sind auch Bestandteile der zweiten großen Installation Anne Nissens, die den Titel „rondo vitae“ (Lebensrad) trägt. Diese Installation ähnelt dem Konstruktionsprinzip des so genannten Daumenkinos. Es wird allerdings motorisch angetrieben. Über ein rund drei Meter hohes, sich permanent drehendes Edelstahlrad werden 5200 auf der Lauffläche des Rades gespeicherte Video- beziehungsweise Fotoprints aufgefächert, die Porträts unterschiedlicher Generationen aus zwei Jahrhunderten miteinander verketten.


Ihre Meinung