Häftlingsbordelle sind ein in der Geschichte der Konzentrationslager bislang wenig beachtetes Phänomen. Die weiblichen Häftlinge, die Sex-Zwangsarbeit leisten mussten, schwiegen nach 1945 ebenso über ihre Erfahrungen wie die Bordellnutzer - männliche, vor allem deutsche Häftlinge, denen die SS den Bordellbesuch im Rahmen eines Prämiensystems ermöglichte. Die ab 1942 von der SS eingerichteten Bordelle sollten als Leistungsanreiz dienen, um die Arbeitsproduktivität der Häftlinge in der Rüstungsindustrie zu steigern. Zugleich wollte die SS-Führung auf diese Weise der von ihr gefürchteten Verbreitung der Homosexualität begegnen.
In den Jahren 1942 bis 945 leisteten mindestens 200 weibliche KZ-Häftlinge in insgesamt zehn Konzentrationslagern Sex-Zwangsarbeit. Der Kulturwissenschaftler Robert Sommer, Kurator der Ausstellung, konnte rund 170 Frauen namentlich ermitteln. Die Mehrzahl von ihnen wurde im Frauen-KZ Ravensbrück rekrutiert. Die Ausstellung geht auf die betroffenen Frauen ein und beleuchtet die Organisation und Funktion der Bordelle aus der Sicht der SS. Sie stellt die Häftlingsbordelle in den einzelnen Konzentrationslagern vor und fragt nach den Gründen für das jahrzehntelange Schweigen über dieses Thema nach 1945. Präsentiert werden rund 150 Dokumente und Fotos sowie Themenmappen und Hörstationen.
Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, Markt 6, 49074 Osnabrück
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