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Chronik 

Chronik 1283 bis 1993

Hochaltar, 1543
Hochaltar, 1543
Hochaltar, 1543
Chorgestühl, 1644
Chorgestühl, 1644
Chorgestühl, 1644
 Dominikanerkirche um 1913
Dominikaner- kirche um 1913
 Dominikanerkirche um 1913
Um 1944-1945, Rißmüllerplatz
Um 1944-1945, Rißmüllerplatz
Um 1944-1945, Rißmüllerplatz
 
Der Bau des Dominikanerklosters stand ursächlich im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zwischen dem Osnabrücker Bischof und dem Rat der Stadt Osnabrück im Mittelalter. Der Bischof versuchte, die Position der Kirche gegenüber der Stadt durch innere Reformen zu stärken, indem er Bettelorden nach Osnabrück zog. Diese Orden erfreuten sich anfangs der besonderen Gunst des Volkes, zumal sie gegen die sich immer stärker abzeichnende Verweltlichung der Kirche standen.

1283
In diesem Jahr begannen sehr wahrscheinlich - nach Ankauf mehrerer Häuser und gefördert durch Stiftungen - die Vorarbeiten zur Errichtung des Dominikanerklosters, der Niederlassung der Dominikaner am Natruper Tor. Das Kloster ist vermutlich auf den Resten eines älteren Bauwerkes platziert. Gründer des Dominikanerklosters waren zwei junge Predigermönche, die gebürtigen Osnabrücker Rembertus (gilt als Stifter des Klosters) und Albertus Düvelius. Archäologische Untersuchungen ergaben, dass während des Baus der Klosteranlage zumindest Teile der ehemaligen Stadttoranlage (Natruper Tor) abgebrochen wurden. Die Klosterkirche ist als einzige Osnabrücker Kirche nicht geostet. Das mag durch ihre Lage an der Stadtmauer und die notwendige Einbeziehung eines älteren Siechenhauses in das spätere Langhaus begründet sein.

1295
Teile des Klosters wurden kurz vor der Jahrhundertwende bezugsfertig. Die förmliche Einrichtung des Klosters erfolgte. Bischof Konrad II Graf von Rietberg, nahm die Patres am Tag vor Johannis in Osnabrück auf. Noch im selben Jahr stellte er den Dominikanern einen Schutzbrief aus. Den Mönchen wurde mit päpstlicher Vollmacht die Genehmigung zur Abhaltung öffentlicher Gottesdienste innerhalb der Stadt und in der Diözese Osnabrück erteilt. Die Dominikaner erhielten auch die Erlaubnis, öffentliche Sammlungen durchzuführen. Die Grenzen des Gabensammelns zwischen Soest, Zutphen, Bremen und Osnabrück wurden festgelegt. Die damalige Bezeichnung des Gebäudekomplexes lautete: "Kloster zum heiligen Kreuz". Volkstümlich wurde das Kloster aber auch Nottruper oder Natruper Kloster genannt.

1297
In diesem Jahr erfolgte sehr wahrscheinlich - jedenfalls spricht auch die Bauform des hohen und langgestreckten Chors für die Bauzeit im späten 13. Jahrhundert - die offizielle Weihe des Klosterchores. Papst Bonifaz verlieh den Dominikanern den mit einer Kirchenweihe üblicherweise verbundenen Ablass.

1303/1304
Durch Schenkungen wurde der Grundbesitz des Klosters erweitert. Unmittelbar nach der Jahrhundertwende vom 13. auf das 14. Jahrhundert wurde der Friedhof des Klosters angelegt.

1. Hälfte des 13. Jahrhunderts
Auseinandersetzungen mit dem Osnabrücker Domkapitel sind bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisbar. Um das Kloster in seiner räumlichen Ausdehnung und Wirksamkeit zu hindern, kaufte es Häuser und Plätze in der Nähe des Dominikanerklosters an. Das Domkapitel verbot den Bürgern der Stadt unter Androhung des Bannes, die Predigten der Dominikanermönche zu besuchen. Selbst Lebensmittel durften den Mönchen nicht verkauft werden.

1319
Der Zwist mit dem Osnabrücker Domkapitel wurde beendet.

1348
Vermutlich aufgrund von Pest-Epedemien, aber auch aufgrund von anhaltender Dürre und großen Überschwemmungen der Hase, ist die Bautätigkeit am Langhaus des Klosters Mitte des 14. Jahrhunderts ganz eingestellt worden.

1372
In diesem Jahr brannte das Dominikanerkloster aus. Die Ursache, die zu diesem Brand führte, ist bis heute unbekannt.

1493
In diesem Jahr wurde den Dominikanern ein Steinbruch am Westerberg zur baulichen Unterhaltung ihres Klosterkomplexes gestiftet.

15. Jahrhundert
Im 15. Jahrhundert konnte der Neubau des Langhauses endlich vollendet werden. Die Ansätze zum Bau des Langhauses reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück.

1521
Streitigkeiten innerhalb der Klostergemeinschaft über die Lehre Luthers sind dokumentiert. Dadurch gerieten die Osnabrücker Dominikaner noch stärker als zuvor in Konfrontation mit dem Rat der Stadt Osnabrück, der Pro-Luther eingestellt war. Überhaupt sprach sich der Dominikanerorden gegen die Einführung der neuen Kirchenlehre aus.

1524
Der evangelisch gesinnte Bischof Franz von Waldeck bekämpft die Bettelorden in Osnabrück. Doch räumten die Dominikaner keineswegs wie die Augustiner und Franziskaner ihre Zellen, sondern ließen den "Sturm des Volkes" auf das Kloster über sich ergehen. Diese Angriffe hingen mit einem Erlass des Bischofs an den Prior des Klosters zusammen, das Kloster "zur Anrichtung armer Leute Häuser und Hospitäler" den Bürgern zu überlassen. Den Dominikanern wurde das Abhalten der Gottesdienste und das Läuten der Glocken verboten.

1543
Das Kloster wurde in diesem Jahr von Osnabrücker Bürgern geplündert. Dabei ist vermutlich der größte Teil des Klosterarchivs verlorengegangen. Der Rat der Stadt soll in Zusammenhang mit dieser Gewalttat Briefe und das Siegel des Klosters an sich gebracht haben. Die Stadt beschlagnahmte Silbergeräte und Zierrat sowie andere Kostbarkeiten aus der Kirche und aus der Sakristei. 25 Pfund des Klostersilbers sollen durch den Bürgermeister veräußert worden sein. Perlen, Korallen und Silbersachen von Kronen, Meßgewände, Bildern und Kirchengefäßen wurden abgerissen. Damit beschenkte man die Bürger. Der Rat der Stadt ließ die Türen des Klosters verschließen. Man legte es darauf an, die Insassen auszuhungern. Dieser Zustand soll insgesamt fünf Jahre angehalten haben. Während dieser Zeit versorgten die Benedikterinnen (Kloster Gertrudenberg) und die Zisterzienserinnen (Kloster Rulle) die Dominikanermönche heimlich mit Lebensmitteln.

Um 1550
Mitte des 16. Jahrhunderts musste der Rat dem Kloster das 1543 gewaltsam fortgeschaffte Archiv zurückgeben. Die Mönche beklagten allerdings den Verlust zahlreicher Akten.

1630
Beim Stadtbrand vom 21. März brannten erneut Teile des Dominikanerklosters ab. Kirche, Bibliothek und alle Nebengebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen. Der Konvent verlor sein ganzes Besitztum und geriet in große Not. Bei diesem Brand ist vermutlich wiederum ein Großteil der im Kloster lagernden Dokumente und Bücher vernichtet worden. Nur wenige Klosterakten, die die Plünderungen und Brände überdauerten, sind bis heute erhalten geblieben. Sie lagern im Niedersächsischen Staatsarchiv Osnabrück.

1613 – 1620
Um den Wiederaufbau des Klosters realisieren zu können, wurden Kollekten-Reisen der Mönche durch Holland und verschiedene Teile Deutschlands organisiert. Schließlich war eine Wiederaufnahme des öffentlichen Gottesdienstes möglich. Die Kirche erhielt wieder einen Turm und die zerstörte Wohnung des Priors wurde wiederhergestellt.

1623
Bei den Unruhen, die im Zusammenhang mit der Wahl des Bischofs Eite Friedrich von Hohenzollern 1623 in der Stadt ausbrachen, wurde das Kloster erneut in Mitleidenschaft gezogen. So wurde der kurz zuvor errichtete Turm der Dominikanerkirche zerschossen.

1628
Unter Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg, der als vom Kaiser eingesetzter Gegenreformator bestrebt war, den Einfluss der katholischen Kirche zu mehren, erlangte die Dominikanerkirche wieder ihre alte rechtliche Stellung. Im gleichen Jahr fand nach langer Zeit wieder eine feierliche Prozession der Dominikaner in Osnabrück statt. In dieser Prozession - so berichtet ein Chronist - sollen die Dominikaner ihre Einstellung gegenüber den evangelischen Bürgern dadurch zum Ausdruck gebracht haben, dass sie ein Bild (oder Figuren) mitführten, auf dem Luther im Bund mit dem Teufel dargestellt wurde.

Um 1634
Während der schwedischen Besetzung Osnabrücks ließ Gustav Gustavson von Schweden die Kirche zum Teil mit einem neuen Flurbelag versehen. Er überwies den Dominkanern zur Reparatur des Klosterdaches und zur Einrichtung eines neuen Schlafsaales die schönsten und kräftigsten Bäume aus den Holzbeständen des Klosters Gertrudenberg.

Um 1641
Eine Chronik vermeldet, dass der "Pöbel" fast alle Scheiben der Klosterkirche durch Steinwürfe zerstört hat.

1644
Kurz vor Kriegsende wurden die Fenster des Chorgestühls der Dominikanerkirche erneuert. Bildnisse von Heiligen des Dominikanerklosters wurden aufgestellt. Hierzu leisteten die katholischen Gesandten, die aufgrund des Abschlusses des Westfälischen Friedens nach Osnabrück kamen - unter anderem der kaiserliche Graf von Trautmannsdorff und der französische Herzog von Longueville - nicht unerhebliche Beiträge.

1795
In diesem Jahr diente das Dominkanerkloster englischen Soldaten als Quartier.

1796
Das Dominikanerkloster wurde zum Hospital ausgebaut.

1803
In diesem Jahr erfolgte die Loslösung des Klosters aus den Bindungen der Kirche (Säkularisation) durch Napoleon I. Während der Besetzung durch französische Truppen (1803 - 1805) erfolgte die Umwandlung von Teilen des Klosters in ein militärisches Magazin.

Um 1900
Es gab Überlegungen, das Kloster ganz abzubrechen.

Um 1910
Kirche und Kloster wurden als Infanterie-Kaserne für kaiserliche Soldaten genutzt. Die umfangreichen Räumlichkeiten mit dem sich daran anschließenden großen (Exerzier-) Platz ließen den Komplex dazu hervorragend geeignet erscheinen. Die Kirche wurde zu diesem Zweck in vier Geschosse - die schon bald in die Halle eingezogen worden waren - eingeteilt.

Um 1913
Die Kirche wurde durch die staatliche Denkmalpflege einer gründlichen inneren Instandsetzung unterzogen.

Um 1965
Die Renovierung der Dominikanerkirche durch die Stadt Osnabrück erfolgte in den 60er Jahren. Vom Abschluss der Arbeiten (1966) zeugt ein Schlussstein im Gewölbe der Kirche. Die Kirche wurde als Mehrzweckveranstaltungsraum - hauptsächlich für Ausstellungen und Konzerte - genutzt.

1970
In diesem Jahr erfolgte die Eröffnung der ersten Ausstellung "Teppiche von Angers" durch das Kulturgeschichtliche Museum in der Dominikanerkirche.

1991
Hinsichtlich ihrer neuen und speziellen Ausrichtung als Veranstaltungsort für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst wird die Dominikanerkirche vom Rat der Stadt Osnabrück in Kunsthalle Dominikanerkirche umbenannt (Dezember 1991). Für die Kunsthalle wurde im selben Jahr ein Sanierungskonzept ausgearbeitet.

1992
In diesem Jahr erfolgte die Renovierung und die technische Ausstattung der Dominikanerkirche zur überregionalen Kunsthalle.

1993
Die Wiedereröffnung beginnt mit einer Retrospektive des Werkes Arnulf Rainers.

Literatur
H. Beckschäfer, Geschichte des Dominikanerklosters zum heiligen Kreuz in Osnabrück, Osnabrück 1913
Hans-Christoph Hoffmann, Die alten Kirchen und Klöster der Stadt, in: Dumont Kunst-Reiseführer: Osnabrück, Oldenburg und das westliche Niedersachsen, Köln 1990, ab Seite 108
W. Müller/G. Vogel. DTV-Atlas zur Baukunst, Band 2, Nördlingen 1981
Hans-Gerd Rabe, Osnabrücker Kunst und Künstler 1900 - 1970, in: Osnabrücker Mitteilungen, Band 81, Osnabrück 1974

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