Eine Tagung produziert durch Anreise der Teilnehmer, Energieverbrauch und Papierkonsum im Schnitt mehr CO2 als ein einzelner Mensch im ganzen Jahr. Das hat sich die deutsche Kongressbranche in den vergangenen Jahren bewusst gemacht. Der Trend ist klar: Die Branche möchte umweltfreundlicher werden.
In Osnabrück ist ein entsprechendes Projekt des regionalen Tagungs- und Kongressbüros bereits an den Start gegangen. "Grün tagen in Osnabrück" wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 37.000 Euro gefördert.
Einsparpotential schon bei der Anreise
Nach Osnabrück können Tagungsteilnehmer von Hamburg aus schon jetzt in weniger als zwei Stunden für den deutschlandweit einheitlichen Preis von 99 Euro für die Hin- und Rückfahrt mit dem Intercity anreisen. Mit einem Kongressticket, das sie sich schon zuhause selbst ausdrucken können, nutzen sie vor Ort den öffentlichen Nahverkehr. Oder gehen, noch klimafreundlicher, zu Fuß, denn hier sind die Wege kurz.
Weitere Ressourcen werden bei Tagungshotels, Veranstaltungsorten und anderen Anbietern vor Ort eingespart, die ihr Angebot "vergrünen" möchten. Die Umstellung von Einzelverpackungen auf Großgebinde und die Bereitstellung von großen Mehrwegflaschen oder leitungsgebundenem Trinkwasser sind dabei nur erste Schritte. Das bewusste Klimatisieren und Heizen der Räume sowie ein intelligentes Beleuchtungskonzept und die Nutzung von Tageslicht sparen Energie. Konsequente Mülltrennung und Recycling oder die Verwendung von saisonalen und regionalen Produkten im Catering sind in den meisten Betrieben noch keine Selbstverständlichkeit.
Veranstalter aktiv einbinden
Auch die Kongressveranstalter werden in das Projekt eingebunden. Sie sollen zu einer umweltfreundlichen Anreise motivieren und können durch entsprechende Kommunikation insgesamt bewusstes Verhalten bei Teilnehmern und Mitarbeitern auslösen. Mit der Umstellung auf ein digitales Einladungsverfahren und Unterlagenversand per E-Mail kann die bei Konferenzen schon vorprogrammierte Papierflut eingedämmt werden.
Tue Gutes und rede darüber
Das Osnabrücker Projekt möchte mit diesem beispielhaften Zusammenschluss neue Maßstäbe setzen. "Wir schaffen ein Netzwerk, in dem wir miteinander und voneinander lernen, Veranstaltungen klimafreundlich auszurichten. Dabei möchten wir einheitliche Mindeststandards für die Region etablieren", erklärt Oliver Mix, Geschäftsführer der Osnabrück – Marketing und Tourismus GmbH (OMT) das Ziel des Projektes. Die erarbeiteten Standards sollen auch überregional bekannt werden und in weiteren Kongressregionen eingeführt werden. Denn das bundesweite Einsparpotential ist in diesem Bereich beachtlich. Dazu Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU: "Wenn die im Veranstaltungsbereich tätigen Dienstleister durch gemeinsames Handeln und Kommunizieren den Kohlendioxid-Ausstoß um nur insgesamt zehn Prozent verringern, lassen sich damit bundesweit schätzungsweise rund 500.000 Tonnen CO2 einsparen". Das entspräche dem jährlichen CO2-Ausstoß von ungefähr 45.000 Bundesbürgern.