Gegen Ende des 9. Jahrhunderts, nach Aufgabe des offensichtlich nur wenige Jahrzehnte bestehenden Baumsargfriedhofs, begann die planmäßige Besiedlung der kleinen Sandkuppe westlich der Domburg. Eine durch Aufschüttung der Bachniederung neu angelegte Straße, die spätere Marktstraße, verband die Domburg mit der neuen Siedlung und führt weiter zur westlichen Umgehung des Ortes. An der Nordseite dieser Straße wurde ein Areal aus Grubenhäusern ergraben, die vermutlich der Lagerung von Waren oder Vorräten dienten. Nördlich davon gab es weitere Anzeichen von Grubenhäusern und auch ebenerdigen Pfostenbauten, eine ähnliche Bebauung südlich der Straße ist anzunehmen. Die wohl als grundherrlicher Markt anzusehende Siedlung erfuhr weitreichende Veränderungen, als im Jahre 1002 Heinrich II. dem Osnabrücker Bischof das Markt-, Münz- und Zollprivileg verlieh.
Durch die Trockenlegung der Poggenbachaue seit dem frühen 11. Jahrhundert wurde ein Zusammenschluss der früheren Vorburgsiedlungen möglich. Eine 3,5 Hektar umfassende neue Marktsiedlung entstand, deren Spuren die Archäologen bei den Ausgrabungen in vielfältiger Form fanden. So ließ sich eine deutliche Verbreiterung der Marktstraße feststellen, und anstelle der Grubenhäuser und Pfostenbauten wurden Ständerschwellenbauten mit Steinkellern errichtet, bis die Holzbebauung im 13. Jahrhundert weitgehend durch Steinbauten ersetzt wurde. Vereinzelt gab es auch schon früher Häuser aus Stein. So wird für das Jahr 1177 erstmals ein Steinhaus (domus lapidea) am Markt urkundlich erwähnt, und die Grabung auf den Grundstücken Markt 4/5 legte mehrere frühe, nicht unterkellerte Steinwerke frei, die durch Funde in das ausgehende 12. Jahrhundert datiert werden. Es handelt sich um die ältesten nachgewiesenen profanen Steinbauten der Stadt.
Zahlreiche Siedlungsfunde bezeugen neben den freigelegten Fundamenten, Pfostenlöchern und Erdverfärbungen die rege Entwicklung der Marktsiedlung vom kleinen Fremdenfriedhof bis zum florierenden Zentrum der mittelalterlichen Stadt.
Noch im Mittelalter erwies sich der eher aus mehreren Straßen als aus einem freien Platz bestehende Markt als zu klein, um den gesamten innerstädtischen Handel abzuwickeln. Weitere Marktorte kamen hinzu, so der Markt an der Johannisfreiheit in der Neustadt und der Salzmarkt zwischen Nikolaiort und Stubenstraße als. Sie führten zu einer Spezialisierung des Marktgeschehens.
Im Zuge einer umfassenden Neugestaltung anlässlich des Baues des neuen Rathauses (1487 bis 1512) erhielt der Markt seine heutige Gestalt als dreieckiger freier Platz, flankiert von den steinernen Giebelhäusern der Osnabrücker Kaufleute an der Südseite und dem Rathaus an der West- sowei der Marienkirche an der Nordseite.
Spätestens Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Marktbetrieb endgültig auf den Domhof und die Große Domsfreiheit verlegt, nachdem dort die letzten Überreste aus der Zeit der Friedhofsnutzung eingeebnet worden waren.
Altes Rathaus
Eine Urkunde von 1244 belegt erstmals ein Rathaus (domus civium) als Sitz der städtischen Selbstverwaltung. Als Standort des ältesten bekannten Rathauses von Osnabrück, das eventuell mit dem urkundlich genannten Bau identisch ist, ist die nordöstliche Ecke der Kreuzung von Bier- und Krahnstraße mit Hegerstraße und Markt bezeugt. Tatsächlich brachten die Ausgrabungen hier die Fundamente eines Steingebäudes mit Keller ans Licht, das in die Zeit um 1200 datiert und mit diesem Bau in Verbindung steht.
Kaufhaus
Dem Rathaus gegenüber lag am Platz der heutigen Stadtbibliothek ein großes Marktgebäude, das weit in die heutige Krahnstraße hineinreichte. Der gut 40 mal 13 Meter messende Bau wurde bei den Grabungen an zwei Stellen angeschnitten. Für die Zeit um 1200 ist an diesem Standort die am Markt gelegene halla belegt, ab 1383 stand hier das urkundlich bezeugte städtische Wandhaus. Im Erdgeschoss befanden sich die Stände der Fleischer und Bäcker, das erste Geschoss beherbergte zunächst die Tuchhändler, bis dort später der große Gewandhaussaal eingerichtet wurde. In diesem neben Kirchen und Klöstern größten Raum des spätmittelalterlichen Osnabrück fand die jährliche Ratswahl statt, und vielleicht wurden auch Sitzungen des Großen Rates hier abgehalten. Eine Funktion als Rathaus hatte das Wandhaus allerdings nicht inne, so dass die neuzeitliche Bezeichnung „Altes Rathaus“ irreführend ist.
Östlich des Hauses lagen vom 13. bis zum 15. Jahrhundert mehrere lange Parzellen, die in verschiedene Marktbuden aufgeteilt waren.
Neues Rathaus
Das heutige Rathaus wurde 1512 nach 25jähriger Bauzeit fertig gestellt. Anlässlich seines Baues wurden zwischen Marienkirche und Marktstraße alle Bauten abgerissen und der Friedhof aufgegeben, um einen größeren freien Platz vor dem imposanten Neubau mit seiner repräsentativen Ostfassade zu schaffen. Den rechteckigen Sandsteinbau überdeckt ein außerordentlich hohes Walmdach, das ebenso hoch wie das aufgehende Mauerwerk ist.
1648 fanden im Rathaus die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden statt.
Stadtwaage
An die ursprüngliche Funktion des Osnabrücker Marktplatzes erinnert nur noch die Stadtwaage von 1532, in der die Händler ihre Waren wiegen und mit einem amtlichen Siegel kennzeichnen lassen konnten. Der spätgotisch geprägte Bruchsteinbau mit den Sandsteineinfassungen und dem durch horizontale Gesimse unterteilten Staffelgiebel entspricht der Form des Osnabrücker Kaufmannshauses, das für den Marktbereich so charakteristisch war.
















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