Das Rathaus in Osnabrück.

Kampfhandlungen - Kriegselend - Kampf um Selbständigkeit

Herzog Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel
Philipp Sigismund
Herzog Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel
Kardinal Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen
Friedrich Eitel
Kardinal Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen
Graf Franz Wilhelm von Wartenberg
Franz Wilhelm von Wartenberg
Graf Franz Wilhelm von Wartenberg
 
Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges regierte der lutherische Bischof Philipp Sigismund in Osnabrück. Wie er begrüßte ein Großteil der lutherischen Bevölkerung den Stände-Aufstand in Böhmen. Als 1620 die Niederlage der Böhmen und ihres Winterkönigs bekannt wurde und sich die Kriegshandlungen langsam nach Norden verschoben, machte die Stadt mobil: Der Rat versuchte, die wehrtüchtigen Männer in der Stadt zu halten und sie nicht von den Söldnerheeren abwerben zu lassen; außerdem wurden zur Sicherheit die Festungswerke verstärkt.

Belagerung der Stadt

Am 19. April 1623 wählte das Domkapitel den streng katholischen Kardinal Eitel Friedrich von Hohenzollern zum Nachfolger des verstorbenen Philipp Sigismund. Aber noch bevor der in Rom weilende Eitel in Osnabrück einziehen konnte, lagerten Christian von Braunschweig und Tilly vor der Stadt.

Schwerste Belastungen entstanden für die Bevölkerung, da sie große Summen aufbringen musste, um eine Einquartierung seitens der Kaiserlichen zu verhindern. Nachdem die Gefahr gebannt war, konnte Bischof Eitel in Osnabrück einziehen. Er weigerte sich, das evangelische Bekenntnis unangetastet zu lassen, führte sogleich den neuen Kalender Papst Gregors XIII. ein und betraute die Jesuiten mit der Domschule.

Die Stände und ein Großteil der Bevölkerung wurden durch den gegenreformatorischen Kurs Eitels unterdrückt. Die Gesamtsituation im Reich war durch den erfolgreich kämpfenden Tilly für den Kaiser sehr günstig und die protestantische Seite ohnehin geschwächt.

Als Reaktion darauf wurde König Christian IV. von Dänemark zum Anführer eines protestantischen Gegenbündnisses gewählt, das aus norddeutschen Protestanten und englischen Hilfstruppen sowie Verbänden aus den nördlichen Niederlanden bestand.

Ein neuer Bischof

Am 19. September 1625 starb Bischof Eitel. Als Nachfolger für ein norddeutsches Bistum hatte König Christian IV. seinen Sohn Friedrich vorgesehen, um die protestantische Position in Norddeutschland zu festigen. Die Stadt Osnabrück war gewillt, Friedrich als Nachfolger zu akzeptieren, das Domkapitel war allerdings dagegen. Um die Wahl Friedrichs zu verhindern, wählte das Domkapitel am 27. Oktober 1625 umgehend Franz Wilhelm von Wartenberg - einen illegitimen Sohn Maximilians von Bayern - zum neuen Bischof.

In der Umgebung Osnabrücks rückten gleichzeitig die auf protestantischer Seite kämpfenden Christian von Braunschweig und Ernst von Mansfeld heran und plünderten das Land. Außerdem schnitten die Dänen die Verbindung nach Bremen ab.

Als nun die Wahl von Wartenbergs zum Nachfolge-Bischof bekannt wurde, empörte sich König Christian IV. Er rüstete zum Angriff auf Osnabrück. Die Stadt wollte sich - obwohl überwiegend ebenfalls protestantisch - von Angriff und Besatzung freikaufen. Die Dänen forderten allerdings 40000 Taler und versuchten außerdem, die Stände Osnabrücks zu spalten und Teile auf ihre Seite zu ziehen. Die Stände blieben jedoch einig und verteidigten Osnabrück. Daraufhin versuchten die Dänen durch Entführung zweier Domherren wenn schon nicht Osnabrück, so wenigstens Fürstenau durch Erpressung besetzen zu können. In einem Kompromiss einigte sich das protestantische Osnabrück mit den protestantischen Dänen auf 30.000 Taler Entschädigung für die Dänen, die Duldung der dänischen Besetzung Fürstenaus und die Einsetzung des dänischen Prinzen Friedrich als Koadjutor (Hilfsbischof). Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg lehnte diesen Kompromiss ab und forderte weitere Truppen zu seiner Unterstützung an. Der dänische König Christian IV. war angesichts dieser Bedrohung zu weiteren Zugeständnissen bereit. So einigte man sich auf die Zahlung einer geringeren Summe an die Dänen, die dafür abzuziehen hatten. Eine Besetzung der Stadt konnte so erneut verhindert werden.

Osnabrück wird katholisch

Die Situation änderte sich allerdings, als im August 1626 König Christian IV. bei der Schlacht am Barenberge durch Tilly besiegt wurde. Die dänische Position in Norddeutschland verschlechterte sich weiter. Fürstenau konnte nicht als dänische Bastion gehalten werden. Erneut drohte eine kaiserlich-ligistische Besetzung Osnabrücks, was die Stadt unbedingt verhindern wollte. Der Rat einigte sich mit dem in Iburg residierenden Bischof von Wartenberg auf die Einquartierung von sechs kaiserlich-ligistischen Kompanien. Osnabrück wurde schließlich Lager für 1600 Mann. Unter diesen Umständen beschloss von Wartenberg, zurück nach Osnabrück zu kommen. Hier gründete er eine jesuitische Universität und forderte massive Rekatholisierungen. Er begann mit dem Bau einer neuen Festungsanlage, der heute nicht mehr erhaltenen Petersburg. Osnabrück war durch ihn auf dem Wege, geistliches und geistiges Zentrum des Katholizismus in Nordwestdeutschland zu werden.

Für die überwiegend lutherisch gesinnten Bürger der Stadt war diese Zeit ausgesprochen hart. In ihre Häuser wurden kaiserliche Söldner einquartiert, sie mussten hohe Abgaben zahlen und wurden massiv an der Ausübung ihrer Religion gehindert. Von Wartenberg führte die protestantischen Pfarrkirchen St. Marien und St. Katharinen in den Besitz der katholischen Kirche zurück, schloss das evangelische Ratsgymnasium und entließ die lutherischen Prediger und Lehrer. Jesuiten übernahmen ihre Aufgaben. Dennoch war die Gegenreformation in Osnabrück wenig erfolgreich.

Rückblick

Im Rückblick erscheint die Zeit von 1623 - 1633 als eine Zeit des Kampfes um Selbstständigkeit und Bikonfessionalität in der Stadt. Osnabrück konnte nicht allen andrängenden Mächten gegenüber seine Selbstständigkeit behaupten, Truppeneinquartierungen jedoch meistens verhindern. Auch die wechselnden Bischöfe und das sich wendende Kriegsglück der Truppen konnten Osnabrück nicht zu einer einheitlichen Konfession bringen. Rekatholisierungsmaßnahmen durch streng gegenreformatorische Bischöfe waren nicht von Bestand.

Die Stadt war und blieb nach Einführung der Reformation im Jahre 1543 in zwei konfessionelle Lager geteilt. Einen weiteren tiefen Einschnitt in die Selbstständigkeit der Stadt bedeutete die schwedische Besetzung und Herrschaft in Osnabrück ab 1633.

Wobei eine Besonderheit wäre: Die Probleme zwischen Katholiken und Protestanten sind fast immer von außen in die Stadt hineingetragen worden. Intern war das Verhältnis zwischen den beiden Konfessionen sehr tolerant. Nach der Reformation 1543 war Osnabrück ein Paradebeispiel dafür, dass beide Konfessionen friedlich in einer Stadt miteinander umgehen konnten.

 

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