Das Rathaus in Osnabrück.

Ergebnisse und Bewertungen

Pieter de Jode nach Anselm van Hulle,
Oxenstierna
Matthäus Borrekens nach Anselm van Hulle,
J. Crane
Friedenssaal 1735
Friedenssaal
Allegorie auf den europäischen Frieden
Allegorie
Friedensreiter 1648
Friedensreiter  
Verhandlungen über einen Frieden begannen bereits 1630 mit dem Kriegseintritt Schwedens. 1641 wurde der Hamburger Vorfrieden zwischen dem habsburgischen Kaiser, Schweden und Frankreich geschlossen. Es wurde bestimmt, dass in Osnabrück und Münster ein Kongress einberufen werden sollte, um einen Frieden auszuhandeln.

1642 erhielten die Osnabrücker die Nachricht, dass ihre protestantische Stadt und das katholische Münster als Friedensverhandlungsorte ausgewählt worden waren. Die beiden Städte eigneten sich gut als Verhandlungsorte, da Frankreich und der Papst nur einen katholischen und Schweden nur einen protestantischen Kongressort akzeptieren wollten. So konnte getrennt und doch nahe beieinander verhandelt werden. Hinzu kam, dass die Städte durch den Krieg nicht zerstört waren und durch das Umland eine ausreichende Versorgung der Gesandten Gewähr leistet war.

Osnabrück und Münster neutral

Im Frühjahr 1643 wurden die beiden Orte und ihre Verbindungswege für neutral erklärt, die Gesandten konnten anreisen und die Verhandlungen beginnen. Problematisch war, dass der bevorstehende Kongress der erste derart große Friedenskongress in der europäischen Geschichte war und kein Vorbild hatte, an dem die Friedensgesandten sich hätten orientieren können. Die Verhandlungen liefen daher nur schleppend an. Erst mussten die Vertretungen der Machthaber und Länder anreisen und Quartier beziehen. Dann wurden Fragen der Etikette und des Protokolls geklärt. Einige der Gesandtschaften der insgesamt 148 Delegationen bestanden aus bis zu 100 Personen, weshalb die Vorgänge bis zu Verhandlungsbeginn bereits einige Zeit in Anspruch nahmen.

Die Verhandlungen in Münster und Osnabrück wurden juristisch als ein Kongress betrachtet. In Münster verhandelten Vertreter des Kaisers, Frankreichs und der katholischen Reichsstände, in Osnabrück die Unterhändler des Kaisers, Schwedens und der protestantischen Reichsstände. Hinzu kamen hier noch dänische Vermittler. Um Verhandlungsergebnisse auszutauschen, brachten Postreiter wichtige Informationen von Osnabrück nach Münster und umgekehrt.

Das Leben der Deligierten

In beiden Städten beherrschten jetzt die Gesandten das jeweilige Stadtbild und prägten das gesellschaftliche Leben. Sie bewohnten jeweils die prächtigste und weniger prächtige Häuser. So wohnte der schwedische Gesandte Johann Oxenstierna in Osnabrück in der Kleinen Domsfreiheit/Ecke Schwedenstrasse. Dr. Johann Crane, kaiserlicher Gesandter, wohnte in der Ratsapotheke. Der schweizer Gesandte Wettstein quartierte sich bei seinem Osnabrückaufenthalt bei einer Wollweberfamilie ein, sein Zimmer identifizierte er als Hühnerstall. Die Abgesandten gaben Empfänge und Feste, sie mussten mit Lebensmitteln und Hausrat versorgt werden, brachten allerdings auch ihren eigenen Hausstand (Bücher, Möbel, Tapeten) und ihre eigenen Bediensteten (zum Beispiel Köche) mit. Die Abgeordneten trugen dadurch noch unbekannte Gegenstände und Gepflogenheiten in die westfälischen Städte. Hinzu kamen Späher, Lauscher, Dechiffrierer, Lotterieverkäufer, Komödianten, Dirnen und Quacksalber, die vom regen Treiben des Kongresses profitieren wollten.

Bei den Verhandlungen in Münster und Osnabrück standen europäische Fragen, das Reich und dessen Verfassung sowie der Religionsfrieden im Vordergrund. Verhandelt wurde mündlich, man verhandelte in der Sprache, die man gemeinsam sprach. Viele Gesandte sprachen mehrere Sprachen. Schriftstücke wurden ausschließlich in lateinischer Sprache abgefasst.

Die Verhandlungen fanden so gut wie nie unter Beteiligung sämtlicher Gesandter statt. Detailfragen wurden auch zwischen einzelnen Abgeordneten besprochen und die Lösung anschließend der Gesamtheit vorgestellt. Verhandelt wurde in Osnabrück entweder in den Gesandtenwohnungen oder auch im Friedenssaal des Rathauses.

Der Verhandlungsraum im Osnabrücker Rathaus wird seit Abschluss des Westfälischen Friedens 1648 Friedenssaal genannt. Hier hängen seit September 1650 die Porträts der Souveräne der friedensschließenden Parteien und der Gesandten. Die Bilder sind Kopien nach Originalen Anselm van Hulles und wurden wahrscheinlich von einem seiner Mitarbeiter gefertigt.

Der Osnabrücker Friedensvertrag

Am 6. August 1648 wurde in der Residenz des schwedischen Gesandten Oxenstierna der Osnabrücker Friedensvertrag abgeschlossen und per Handschlag der Gesandten bekräftigt. Das Ergebnis des Doppelkongresses waren zwei so genannte Friedensinstrumente, das "Instrumentum Pacis Osnabrugense" und das "Instrumentum Pacis Monasteriense".

Am 24. Oktober 1648 wurden der Osnabrücker und der Münsteraner Vertrag in Münster unterzeichnet. Der Frieden wurde am 25. Oktober 1648 von der Treppe des Rathauses in Osnabrück verkündet. Er hatte Bestand bis 1803/06.

Die wichtigsten Entscheidungen des Westfälischen Friedensvertrages betrafen den konfessionellen Ausgleich, die Bestimmungen zur Reichsverfassung und die Regelung territorialer Ansprüche.

Durch den Friedensschluss wurden die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens bestätigt. Zusätzlich wurden die Reformierten als gleichberechtigte Mitglieder des evangelischen Bekenntnisses, also als dritte Konfession anerkannt. Um die konfessionellen Besitzansprüche zu regeln, wurde das Normaljahr 1624 festgelegt (das heißt, die Verhältnisse des Jahres 1624 wurden wiederhergestellt; die von den Protestanten seit 1552 säkularisierten Kirchengüter durften dadurch zum Teil in ihrem Besitz bleiben oder mussten zurückgeführt werden).

Der Reichstag hatte in Zukunft konfessionelle Fragen paritätisch in zwei Kurien, einem "corpus catholicorum" und einem "corpus evangelicorum", zu entscheiden. Die Stände hatten außerdem fortan das Recht, auf den Reichstagen alle Reichsangelegenheiten mitzuentscheiden. Sie durften von nun an die Landeshoheit selbst ausüben und in weltlichen sowie geistlichen Angelegenheiten entscheiden. So besaßen sie zum Beispiel das Bündnisrecht und konnten sich zum Schutz unter sich oder mit anderen Mächten verbünden, allerdings nicht gegen Kaiser oder Reich, und durften dafür auch Truppen unterhalten. Als wichtigste Änderungen im territorialen Bereich sind zu nennen: Die Bistümer Bremen und Verden wurden säkularisiert und neben den Städten Wismar und einem Teil Pommerns Schweden zugeschlagen. Schweden erhielt hierdurch Sitz und Stimme im Reichstag. Frankreich erhielt das Elsass und die deutsche Stadt Straßburg. Brandenburg erhielt neben Hinterpommern die Bistümer Minden und Halberstadt, Bayern die Oberpfalz. Die Generalstaaten (Vereinigte nordniederländische Provinzen) erhielten ihre bereits am 30. Januar 1648 in Münster besiegelte Unabhängigkeit von Spanien. Die Schweizer Eidgenossenschaft schied endgültig und offiziell aus dem Reichsverband aus.

Gleichberechtigung der Konfessionen

Für Osnabrück wurde eine besondere Lösung gefunden, die "alternative Sukzession". Diese besagt, dass das Bischofsamt in Osnabrück abwechselnd durch einen vom Domkapitel gewählten katholischen (Kölner Suffraganbischof) und einen evangelischen Kandidaten (Prinzen) aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg bekleidet werden sollte. Als erster Bischof kam von Wartenberg nach Osnabrück zurück.

Durch die Verfassungsbestimmungen des Westfälischen Friedens wurde die Trikonfessionalität im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation festgelegt und erhielt mit dem Friedensinstrument das wichtigste "Grundgesetz" des Reiches. Die Neuregelungen brachten die Überwindung des habsburgischen Absolutismus. Politik und Religion wurden fortan stärker getrennt, die Politik säkularisiert, die Religion verrechtlicht. Der Frieden bedeutete insgesamt eine Weiterentwicklung des Völkerrechts.

Aus heutiger Sicht wird deutlich, dass der Dreißigjährige Krieg aus vielerlei Gründen geführt wurde. Ein Komplex aus Loyalitäten, Oppositionen, Motiven und Zielen auf unterschiedlichen Ebenen bedingte die kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Konflikt mehrerer Machtblöcke (Frankreich, Habsburg und Schweden) wurde ausgetragen, Vertreter der katholischen und protestantischen Religion bekämpften sich. So sollte zwischen einer zukünftigen ständischen oder absolutistischen Herrschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation entschieden werden. Das alles vermengte sich mit wirtschaftlichen Motiven.

Der Westfälische Friede konnte die Gründe für die Auseinandersetzungen nicht vollends und sofort beseitigen, brachte aber die Probleme in eine rechtskräftige Form, schrieb Kompromisse fest und ermöglichte eine gegenseitige Akzeptanz und ein friedliches Zusammenleben.

Unterschiedliche Bewertungen

Der Friedensschluss wurde durch die Jahrhunderte hindurch unterschiedlich und je nach der politischen Einstellung des sich äußernden Historikers bewertet. Die positive Beurteilung hielt von 1648 bis zu seiner Gültigkeit 1803/06 an. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Frieden negativ gesehen. Das Friedenswerk hatte zwar eine Neuordnung im Reich gebracht, es dadurch aber gleichzeitig von der Entwicklung zu einem modernen Nationalstaat abgekoppelt, so die vielfache Meinung. Dies hing auch mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon, dem verstärkt aufkommenden Nationalgefühl der Deutschen und den Kämpfen um die Reichsgründung zusammen. Der Krieg und der Frieden wurden als Katastrophe in der Kontinuität der Deutschen betrachtet. Der alte Frieden galt als Inbegriff französischer Hegemonie.

Diese Bewertung verfestigte sich ab 1919 durch den Vergleich zwischen dem Westfälischen Frieden und dem Versailler Vertrag (dem so genannten "Schmachfrieden") und hielt sich bis 1945.

Danach wurde der Westfälische Friede neu untersucht und neu bewertet. "... der Teutsche Frieden von 1648 war ein revolutionäres Dokument im Dienste der Menschenrechte. Mit diesem konnte nicht nur der geistliche Vorrang der Römischen Universalkirche im weltlichen Bereich abgeschüttelt werden, sondern er wies auch im Sinne einer umfassenden Rückkehr zum Recht (revolutio) der politischen Aufklärung den Weg ... " (Zitat Barudio, Seite 592).

Das heutige Osnabrück begreift sich fest in der Tradition des Westfälischen Friedens verwurzelt. Alljährlich wird durch das populäre Steckenpferdreiten an den Frieden erinnert. Inzwischen entstanden hier zahlreiche mit dem Friedensgedanken verbundene Initiativen, die von einem Friedensforum und einem Friedenskomitee koordiniert werden. Dazu gehören zum Beispiel die Verleihung des Erich Maria Remarque - Friedenspreises, Vorträge im Rahmen der Osnabrücker Friedensgespräche oder der festlich begangene Friedenstag.

Suche

Veranstaltungen

Veranstaltungskalender für die Region Osnabrück und das Münsterland

zum Veranstaltungskalender

Bilder, Podcast, Videos

Bildergalerien

Bildergalerien Wie war's? Erfahren Sie es in unserer kleinen Galerie. mehr

Podcast

Podcast Audio-Beiträge der Stadt Osnabrück und des osradios. mehr

Osnabrück im Film

Film Programmkino der ganz besonderen Art. mehr

Soziale Netzwerke

  • YouTube
  • Flickr
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Plus
  • RSS
  • PodCast

Soziale Netzwerke sind wegen zum Teil mangelhaften Datenschutzes in der Kritik. Dennoch wird die Stadt Osnabrück auch weiterhin in den gängigen Sozialen Netzwerken vertreten sein. Bitte beachten Sie dort die jeweiligen Angaben zum Datenschutz und zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Stadt Osnabrück übernimmt keine Gewähr für die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen der einzelnen Sozialen Netzwerke.