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Das höfische Leben in der Neustadt 

Das höfische Leben in der Neustadt

Ein wahrlich fürstlicher Weinkeller. Wie Fürstbischof Friedrich im Osnabrücker Schloss Hof hielt

Georg Matthias Probst, Prospekt des Fürstl. Schlosses Osnabrüg (mit Ansicht der Neustadt) Guckkastenbild, kolorierter Kupferstich, Augsburg nach 1777
Schloss
Georg Matthias Probst, Prospekt des Fürstl. Schlosses Osnabrüg (mit Ansicht der Neustadt) Guckkastenbild, kolorierter Kupferstich, Augsburg nach 1777
 
Im Herbst 1791 zogen dunkle Wolken über Europa auf: Die höfische Welt sah sich durch die Französische Revolution in ihrer politischen Ordnung bedroht. Preußen war bereits mit Österreich ein Militärbündnis eingegangen, und an den europäischen Fürstenhöfen diskutierte man über einen möglichen Krieg gegen Frankreich. Gleichwohl lebte es sich bei Hofe nicht schlecht, wie ein Dokument vom Oktober 1791 aus dem Osnabrücker Schloss-Weinkeller zeigt.

Am 29. September 1791 hatte Prinz Friedrich August von Großbritannien und Irland, zweiter Sohn König Georgs III., Herzog von York und Bischof zu Osnabrück, seine Cousine Prinzessin Friederike Charlotte von Preußen in Berlin Charlottenburg geheiratet. Das frisch vermählte Paar machte auf der Durchreise nach London im Osnabrücker Schloss Zwischenstation.

Der "Tageszettel des Weinkellers vom 31. Oktober 1791" erlaubt einen anderen Blick in die damalige Welt des Adels. Offenbar speiste Friedrich von York im kleinen Kreise seines Hofstaates. Die Herzogin nahm an diesem Essen nicht teil, so dass auch politische Fragen angesprochen werden konnten. Man servierte "Königlicher Hoheit" zum Mittagstisch "2 Weiß- und 2 Rote Champagner, 1⁄2 Ungarischer, 1⁄2 Cap.Wein, 4 Port, 3 Madeira, 10 Rheinweine und 1 Cahors". Für die "Herzogintafel" wurde separat "1⁄2 Madeira und 1 Cahors" aufgetragen.

Die Weine zeigen feinsten Geschmack und lassen noch nichts erkennen von Handelsschwierigkeiten mit französischen Partnern. Der als Clairet bezeichnete roséartige Wein kam aus Bordeaux, allgemein 1791 auch "Claret" genannt. Der Wein von Cahors kam aus dem Südwesten Frankreichs und wurde damals aus der Rebsorte Malbec gewonnen. Unter dem "Ungarischen" wird man sich einen Tokajer vorzustellen haben, der seit dem 18. Jahrhundert verstärkt von Emigranten im dortigen Anbaugebiet kultiviert worden war. Den "Cap.Wein" hatte sich Friedrich August vermutlich aus London anliefern lassen, oder der Osnabrücker Schlossverwalter hatte den Bremer Weinhändler bemüht, denn der Wein kam vom südafrikanischen Kap der guten Hoffnung. Seit 1688 beförderten dorthin emigrierte Hugenotten den Weinanbau.
Welche Mengen verzehrt wurden, bleibt ungewiss. Die Zahlen für die Weinausgabe auf der Tabelle lassen kein Behältnis erkennen, mit dem gemessen worden war. Vielleicht wurde der fürstliche Wein in Silberkannen serviert. Es gab aber auch Weinkühler im Tafelsilber: Sicher ist, dass Champagner seit 1670 in Flaschen geliefert wurde, wobei so manche den Transport nicht überlebte. Die Explosionsgefahr des Champagners in der Flasche war bekannt. Auch mag der Inhalt eines vollen Behältnisses auf dem langen Weg vom Weinkeller, dem ehemaligen Archiv des Vorgebäudes, bis zum Speisesaal im Schloss sich unterwegs halbiert haben.

Der Weinkeller selbst dagegen war absolut sicher, hatte man doch "zu beyden Stockwerken schöne mit gebrannten Mauersteinen aufgeführte Gewölbe mit eisernen Thüren und dergleichen Fensterladen". Die Auswahl der Weine jedenfalls war im Herbst 1791 reichlich, und selbst die Offiziere des Prinzen und Fürstbischofs genossen bei Hofe guten "französischen Wein".

Erst mit dem Kriegsbeginn im Jahre 1792 begann die Furcht vor möglichen Lieferschwierigkeiten. Und im Jahr 1803 wendete sich das Blatt. Da besetzten französische Truppen das Land, und die französische Generalität nahm das Schloss samt Weinkeller in Beschlag.

 Eva Berger

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