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Das Fürstenberghaus 

Das Fürstenberghaus

Bomben zerstörten den Prachtbau. Das Haus Fürstenberg an der Johannisstraße war ein gelungenes Beispiel der Weserrenaissance

Fürstenberghaus
Fürstenberghaus
Fürstenberghaus. Das Modell gibt einen Eindruck vom einst prächtigen Palais
 
Noch heute kommen Osnabrücker Senioren ins Schwärmen, wenn sie sich an das "Haus Fürstenberg" erinnern, das bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in der Johannisstraße/Ecke Seminarstraße stand. Es galt als besonders gelungenes Beispiel eines Gebäudes im Stil der Weserrenaissance.

1611 hatte der bischöfliche Kanzler Gotthard Fürstenberg (1547-1617) das Haus für circa 2000 Reichstaler erbauen lassen. Der aus Werne stammende Fürstenberg hatte in Köln studiert und dort auch erfolgreich seine Rechtsstudien abgeschlossen. 1586 wurde er von Bischof Bernhard Waldeck, dem damaligen Landesherrn des Fürstbistums Osnabrück, zum Rat und Kanzler ernannt. 1588 heiratete Gotthard Fürstenberg in Osnabrück die Tochter Johann Schneiders, der nicht nur Syndikus der Ritterschaft war, sondern auch Bürgermeister der Neustadt. Das neu erbaute Stadtpalais in der Johannisstraße verdeutlicht Wohlstand und gesellschaftliche Stellung des damals fast 65-Jährigen. Mit kunstvoll gestaltetem Giebel, reich verziertem Fenstererker zur Johannisstraße und stattlichem Standerker zur Nebenstraße weist das Gebäude eine architektonische Stilsicherheit auf, wie sie nur aus der Hand eines versierten Baumeisters entwickelt werden kann. Bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts wurden mit diesen architektonischen Merkmalen Schlösser, Rathäuser und hin und wieder auch Bürgerhäuser erbaut. Bei der herausragenden Stellung Fürstenbergs ist anzunehmen, dass er keinen "namenlosen" Architekten mit der Errichtung seines Wohnhauses beauftragte. So könnte der in Bremen tätige Baumeister Lüder von Bentheim durchaus infrage kommen. Doch könnte auch ein Baumeister aus Braunschweig oder Wolfenbüttel die Pläne für das stattliche Palais an der Johannisstraße entworfen haben.

Sehr lange lebten Elisabeth und Gotthard Fürstenberg nicht in diesem für Osnabrücker Verhältnisse großzügig gestalteten Gebäude - kurz nach dem Tod des Kanzlers wurde die Wohnanlage an Freiherrn von Biegeleben aus Limbergen im Amt Fürstenau verkauft. Bis in das 19. Jahrhundert blieb sie in dessen Familienbesitz. Erst 1899 wurde der als "Hof von Biegeleben zu Limbergen" bezeichnete Komplex an Kaufmann Gerhard Deppen verkauft. Dieser ließ das alte spitzbogige Einfahrtstor für seine Glaserei erweitern und richtete im Untergeschoss des Vordergebäudes ein Ladenlokal ein, das er an die Möbelhandlung Fränkel vermietete. Aus dem ehemaligen Stadtpalais war ein typisches Geschäftshaus geworden, das man den eigenen Bedürfnissen anpasste.

Erst in der Weimarer Republik erinnerte man sich wieder an die "Geschichte des Hauses" und versetzte es im Jahre 1929 in seinen ursprünglichen Zustand. Das Beispiel eines auch in Osnabrück existierenden Baustils später Weserrenaissance blieb allerdings weiterhin Wohn- und Geschäftshaus.

Am 25. März 1945 wurde das ehemalige Palais während eines Luftangriffs getroffen und zerstört. Einem Wunder gleich, so erinnern sich Zeitzeugen, blieb die Schaufassade unversehrt stehen. Als man sie jedoch sichern wollte, um das Gebäude als architektonisches Zeugnis vergangener Blütezeit für die nachfolgenden Generationen später einmal aufzubauen, stürzte das verbliebene Mauerwerk ein. Den Sprengarbeiten auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatte das fragile Fassadenwerk nicht standhalten können. An den stolzen Weserrenaissance-Bau erinnern die 1939 entstandenen Fotografien von Rudolf Lichtenberg und das Modell des "Fürstenberger Hauses" von Heinrich Bohn.

 Eva Berger

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