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Die Familie Thorbecke 

Die Familie Thorbecke in der Johannisstraße

Der Tabakhandel machte ihn reich

Christian Franz Thorbecke war einmal eine einflussreiche Persönlichkeit in Osnabrück. Als Importeur und Tabakfabrikant verdiente er sein Geld im Handel mit Übersee. An den einstigen Bürgermeister und seine Familie erinnert noch heute die Thorbeckestraße auf dem Kalkhügel zwischen Brinkhofweg und Spiegelkamp.

In der historischen Ausstellung "Stadtalltag um St. Johann" im Kulturgeschichtlichen Museum war das Porträt des "Neustädters" Christian Franz Thorbecke (1763-1830) zu sehen, der ab 1812 Bürgermeister von Osnabrück gewesen ist.

Zu dieser Zeit wohnt er zusammen mit seiner Frau Agnes, einer geborenen Lodtmann, und ihren vier Kindern Klara, Louise, Auguste und Rudolf in der Johannisstraße 105. Mit in der Familie lebten außerdem Auguste Lodtmann und die Magd Magdalena Busch aus Wimmer sowie Carl Meyer aus Ostercappeln. So ist es im Melderegister der als "1. Stadtviertel" bezeichneten Neustadt verzeichnet.

In diesem Register von 1814 wurde für jedes Haus festgehalten, wer dort lebt, wo er geboren ist und wann er nach Osnabrück kam. Eine hochinteressante familiengeschichtliche Quelle für das frühe 19. Jahrhundert. Im Nachbarhaus Nummer 102 (heute Buchhandlung Eicholt und Kassen-Spühr) wohnen demnach die Eltern von Christian Franz Thorbecke, der 82-jährige Daniel Franz Thorbecke (1731-1815) und seine 68-jährige Frau Clare, eine geborene Klincke aus Borgholzhausen. Mit ihnen leben und arbeiten die offenbar unverheiratet gebliebenen Töchter Catharine (36 Jahre) und Clare (26 Jahre) sowie das Dienstpersonal, das aus Bohmte, Oesede, Wiedenbrück und Hunteburg nach Osnabrück kam.

Da Daniel Franz Thorbecke Kaufmann und Tabakfabrikant war, werden die Häuser Nummer 103 (heute Samen Frese) und 104, die im Jahre 1814 als Packhäuser beschrieben sind, das Kontor und die Lagerräume beherbergt haben.

1815 übernimmt Christian Franz Thorbecke als ältester Sohn das Geschäft seines Vaters und führt es mit seinem Bruder Daniel Philipp Thorbecke weiter. Christian Franz ist jedoch nicht nur Geschäftsmann. Als die Regierung des von den Franzosen errichteten Königreichs Westfalen 1808 Heinrich David Stüve als ersten Bürgermeister zum Maire ernennt, stellt sie ihm Christian Franz Thorbecke als Maire adjunkt zur Seite. Vier Jahre später wird er dann selbst zum Maire von Osnabrück ernannt.

Dieses Amt behält er auch nach Einführung der neuen Verfassung unter der hannoverschen Regierung im Jahre 1814, in deren Zuge die Stadt Osnabrück ihre selbstständige Stellung verliert und damit auch die Neustädter Selbstverwaltung endgültig aufgelöst wird. Bis 1830 ist Christian Franz Zweiter Bürgermeister und Direktor der Polizei von Osnabrück. Während seiner Amtszeit sorgt er für die erste öffentliche Badeanstalt (1820) an der Hase, die so genannte "Pagentränke" in der Nähe der heutigen Wachsbleiche. Zu den wichtigsten Leistungen seiner Amtszeit gehört jedoch die Gründung der "Sparkasse für die Stadt Osnabrück", die 1825 in der Stadt nach Göttinger Vorbild eingerichtet wird.

Als Christian Franz Thorbecke am 21. Januar 1830 stirbt, wird er im Familiengrab auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Da sein einziger Sohn Rudolf bereits 1823 durch einen Jagdunfall gestorben war, geht das Geschäft an seine Tochter Louise, die mit Heinrich Wilhelm Wüste verheiratet ist.

Als im Jahre 1864 erneut eine Registrierung erfolgt, sind die Wohnbereiche des Hauses Nummer 102 an den Tabakfabrikanten Bernd Meyer sowie an den Kaufmann Buff vermietet. Haus Nummer 104 wird inzwischen als Fabrikhaus beschrieben und ist Eigentum der Familie Wüste.

Antje Naujock

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