Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation Direkt zur Sucheingabe

Villa Schlikker 

Topografien des Terrors – Nationalsozialismus vor Ort

Vortragsprogramm 2015

23.02.2015. Das Kulturgeschichtliche Museum regt mit seiner Vortragsreihe „Topografien des Terrors – Nationalsozialismus vor Ort“ zur Auseinandersetzung mit der NS-Ideologie und ihrer Zeit an. Veranstaltungsort ist mit der Villa Schlikker die einstige Osnabrücker NSDAP-Zentrale. Als Museum für die Osnabrücker Geschichte des 20. Jahrhunderts ist die Villa heute zentrales Forum einer kontinuierlichen Erinnerungsarbeit zur NS-Geschichte. 2015 jährt sich die Befreiung vom Nationalsozialismus zum 70. Mal. Diesem wichtigen Ereignis widmen sich die diesjährigen Veranstaltungen.
 
Am Donnerstag, 5. März, um 19.30 Uhr spricht Lars-Gerrit Miosga aus Osnabrück über „Goebbels, ‚Hitlerjunge Quex‘ und die UFA. Die Film- und Kino-Welt der NS-Propaganda“. Zwischen 1933 und 1945 entstanden in Deutschland 1.150 Spielfilme. Jeder zehnte davon kann als direkte NS-Propaganda klassifiziert werden. Ihre Feindbilder waren die Weimarer Republik, die Demokratie, linke, aber auch bürgerliche Parteien und immer wieder „die Juden“. Antisemitismus und Militarismus prägten entschieden das Bild der Wochenschauen wie das der UFA-Filme. Selbst als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs viele Kinos und Filmtheater bereits in Trümmern lagen, wurde in den Filmateliers noch gearbeitet und mit „Kolberg“ der teuerste Propaganda- und Durchhaltefilm des „Dritten Reiches“ produziert.
 
Am Freitag, 8. Mai, um 18 Uhr wird die neue Publikation zur NS-Geschichte Osnabrücks vorgestellt. Anlässlich der 70. Wiederkehr der Befreiung vom Nationalsozialismus wird der Öffentlichkeit im Felix-Nussbaum-Haus/Kulturgeschichtlichen Museum die erste umfassende Publikation zur Geschichte des Nationalsozialismus in Osnabrück vorgestellt. An dem Projekt haben namhafte Historikerinnen und Historiker mitgewirkt, die in den vergangenen Jahren zu dieser Geschichte recherchiert haben. Damit wird einem seit langem bestehenden Desiderat der regionalen Forschung abgeholfen. Nur wenige Städte können mit einer vergleichbaren Veröffentlichung aufwarten. Aus diesem Anlass hält Dr. Carl-Heinrich Bösling den Vortrag „Ein langer Weg“. In einem Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte skizziert der Direktor der Volkshochschule Osnabrück den Weg, den die regionale Forschung zur Osnabrücker Geschichte des Nationalsozialismus bis heute genommen hat. Vor diesem Hintergrund weiß er als Kenner der Region die Bedeutung der neuen Publikation für die Forschung wie die Erinnerungskultur zur NS-Geschichte vor Ort zu würdigen.
 
Am Mittwoch, 13. Mai, bietet das Museum vormittags einen Workshop an zur „NS-Propaganda im Film: Das Beispiel „Kolberg“. Die Filmveranstaltung und Diskussion mit Michael Kleinschmidt entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kino- und Filmkultur. Der Freie Medienpädagoge und Filmkritiker Michael Kleinschmidt stellt den letzten großen Propaganda- und Durchhaltefilm des NS-Regimes vor. Mit 8,8 Millionen Reichsmark stellt „Kolberg“ das teuerste Filmprojekt der UFA dieser Jahre da. Anmeldung bei Lars Miosga, FSJ Kultur, E-Mail miosga@osnabrueck.de oder Telefon 0541/323-2359
 
 
Am Donnerstag, 2. Juli, um 19.30 Uhr heißt es: „Neonazismus und Geschlecht“ mit Dieter Beck. Trotz der bekannten zerstörerischen Folgen des „Dritten Reiches“ und seiner Ideologie lassen sich noch heute Menschen vom Nationalsozialismus faszinieren. Nicht erst der Film „Die Kriegerin“ und die NSU-Terroristin Beate Zschäpe haben offengelegt, dass die Neonazi-Szene keinesfalls nur aus Männern besteht. Die Veranstaltung setzt sich mit der Frage auseinander, in welcher Weise die Kategorie „Gender“ heute eine besondere Rolle für die gesamte rechtsextremistische Szene spielt. Was zeichnet den männlichen „Neonazi“ beziehungsweise Rechtsextremen aus, was charakterisiert die neonazistische, rechtsextreme Frau? Und welche Rolle spielen Frauen heute in der Szene?
 
Parallel dazu bietet das Museum nach Vereinbarung den Workshop „Rattenfänger – Über Verführung und Verführbarkeit junger Menschen in NS und Neonazismus“ an. Auf Anfrage können Schulklassen oder Jugendgruppen eine Veranstaltung buchen, in der Dieter Beck nach einem Impulsreferat gemeinsam mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Schülerinnen und Schülern über Ursachen und Folgen ideologischer Verführung am Beispiel des Nationalsozialismus und des Neonazismus diskutiert.
 
Am Donnerstag, 1. Oktober, um 19.30 Uhr widmet sich Martin Siemsen dem Thema „Lokale Heldenkonstrukte – Justus Möser in der NS-Zeit“. Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 bezeichnete nicht nur eine politische Zäsur – auch kulturell zeitigte sie unmittelbar Folgen. Dabei wurde in Osnabrück wie andernorts auch an nationalkonservative Perspektiven angeknüpft. Die propagandistische Besitznahme der literarischen Tradition wurde mit der Möser-Woche 1936 demonstriert. Zwar war Justus Möser bei der ideologischen Begründung eines großdeutschen Imperialismus nur bedingt tauglich, allerdings entdeckte man in ihm aber nun den Erfinder von „Kraft durch Freude“ und benannte die höchste Auszeichnung der Stadt Osnabrück nach ihm.
 
Am Donnerstag, 3. Dezember, um 19.30 Uhr referiert Martina Sellmeyer über „‚Man hat immer Angst gehabt …‘ – Die Vernichtung der jüdischen Gemeinde“. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde eine blühende Gemeinschaft, die fast 500 Menschen umfasste. Der Bau der Neuen Synagoge in der Rolandstraße im Jahre 1906 war dafür der stolze architektonische Ausdruck. Vier Jahrzehnte später, nach NS-Zeit und Shoah, lebten noch ganze zwölf Menschen mit jüdischen Wurzeln in Osnabrück. Die Referentin schildert die Geschichte der Verfolgung der jüdischen Osnabrücker Bevölkerung vom wachsenden Antisemitismus über die sich verschärfenden alltäglichen Schikanen, den Boykott jüdischer Geschäfte und die Reichspogromnacht bis hin zur Deportation und fast völligen Auslöschung des jüdischen Lebens in Osnabrück.

Zurück   Seitenanfang