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Zeitzeugen 

Zeitzeugen-Arbeitskreis in der Villa Schlikker

Programm 2012

Im Arbeitskreis "Zeitgeschichte" des Kulturgeschichtlichen Museums treffen sich in der Villa Schlikker Menschen, die die Zeit des Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit miterlebt haben. Zeitzeugen und Interessierte sind dazu herzlich eingeladen. Treffpunkt ist jeweils einmal monatlich mittwochs um 10.30 Uhr in der Villa Schlikker, direkt neben dem Hauptgebäude des Kulturgeschichtlichen Museums. Der Eintritt ist frei.

Auch Schulklassen, die Interesse an bestimmten Themen haben, sind herzlich willkommen. Aus organisatorischen Gründen wird darum gebeten, sich frühzeitig mit dem Kulturgeschichtlichen Museum unter Telefon 0541 323-2207 in Verbindung zu setzen.

Der Zweite Weltkrieg forderte die unvorstellbare Zahl von 55 Millionen Toten. Die Frage, welcher Toten dabei künftig wie gedacht werden sollte, hat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland immer wieder zu kontroversen Diskussionen geführt. Während im Nationalsozialismus das öffentliche Totengedenken ausschließlich der Kriegspropaganda diente, musste es nach dem Krieg, der durch die Gräuel der nationalsozialistischen Ideologie geprägt war, neu bestimmt werden: Wie gedenkt man der Kriegstoten? Welcher Toten soll man gedenken? Ist Soldatengedenken ein Gedenken an Täter? Wer war Täter und wer Opfer? Und gehen öffentliches Gedenken und das individuelle Leid in den betroffenen Familien zusammen?

Am 15. Februar, 10.30 Uhr, berichtet Ingrid Neumann unter dem Titel "Mein Vater war politisch Verfolgter" von der Geschichte ihres Vaters Goswin Stöppelmann. Er war Sozialdemokrat und gehörte während des Zweiten Weltkriegs einer Osnabrücker Widerstandsgruppe an. Diese wurde von der Gestapo beobachtet, flog aber nicht auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ihr Vater als politisch Verfolgter zur Leitung der Wiedergutmachungsstelle eingesetzt. Ingrid Neumann schildert, wie sich ihr Vater auch in der Nachkriegsgesellschaft nach wie vor als politisch Verfolgter fühlte.

Marianne Semnet (1935–2010) ist in Osnabrück für ihr politisches und gesellschaftliches Engagement bekannt geworden und 2007 mit der Bürgermedaille der Stadt geehrt worden. Nicht minder interessant ist die Geschichte ihres Ehemannes und politischen Weggefährten Erwin Semnet. Er berichtet am 14. März, 10.30 Uhr, über seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie und seinen politischen Werdegang in Zeiten des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. "Wie wird man Kommunist, Herr Semnet?" ist diese Veranstaltung überschrieben.

Welchen Zwecken diente das Spiel im Nationalsozialismus (Kriegsspielzeug; Reiterkämpfe etc.)? Mit wem wurde gespielt? Gab es soziale Grenzen? Wie sah die Spielwelt im zerstörten Nachkriegsdeutschland aus, in dem die Trümmerwüsten der Städte einen hochinteressanten, aber lebensgefährlichen Abenteuerspielplatz boten? Diesen Fragen zum "Spielen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit" wird am 18. April um 10.30 Uhr nachgegangen.

Am 16. Mai, 10.30 Uhr, geht es um "’Die Wüste’ in der Nachkriegszeit". Der Arbeitskreis sucht nach Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die über die Wohnverhältnisse im Stadtteil "Wüste" berichten können. Wie lebte man dort vor 1945? Welche Veränderungen ergaben sich in der Nachkriegszeit? Und was gibt es über die Umweltsünden zu sagen, die in den vergangenen Jahren zum Vorschein getreten sind?

"Wie sag’ ich’s meinem Enkel?" heißt die Veranstaltung am 13. Juni, 10.30 Uhr. Im Jahr 2002 veröffentlichten Harald Welzer, Sabine Moller und Karoline Tschuggnall ihre Studie über "Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis" unter der Überschrift "Opa war kein Nazi". Hinter dem Titel verbirgt sich die Beobachtung, dass die Geschichte von Angehörigen und Verwandten in vielen Familienerzählungen bis in die Gegenwart verklärt wird. In der Veranstaltung wird diskutiert, welche Erinnerungen innerhalb der Familie wie weitergegeben werden. Ist eine objektive Auseinandersetzung mit einer belasteten Familiengeschichte trotz persönlicher Betroffenheit möglich? Gefragt wird auch nach persönlichen Erfahrungen, wenn die eigenen Enkel oder Urenkel interessiert nach "früher" fragen.

Nach der Sommerpause geht es am 19. September um 10.30 Uhr mit dem Zeitzeugen-Arbeitskreis und dem Thema "Jazz" weiter. In der Nazi-Propaganda wurde der Jazz als "entartet" diffamiert. 1935 wurde Jazzmusik im Rundfunk des Deutschen Reiches offiziell verboten. Privat gehörten Nazigrößen wie Goebbels dagegen zu ihren großen Verehrern. Nach 1945 bot die Jazzmusik der jungen Nachkriegsgeneration ein neues Identitätsangebot. Dies führte nicht selten zu Konflikten mit der Generation der Eltern. Gefragt wird nach persönlichen Erfahrungen. Lieblingsjazzstücke können mitgebracht und abgespielt werden.

"Kleidung und Mode in der Nachkriegszeit" ist das Thema am 17. Oktober um 10.30 Uhr. Ob Karnevalskostüme aus Hakenkreuzfahnen, Konfirmationskleider aus Fallschirmseide oder gestrickte Röcke aus aufgeribbelten Gasmaskentragebändern: In der Nachkriegszeit wurden aus dem, was gerade vorhanden war, Kleidungsstücke aller Art hergestellt. Dabei musste die Mode nicht zu kurz kommen. Zur Not tat es ein schwarzer Strich auf der Beinhaut, um die Naht echter Nylonstrümpfe zu imitieren. Wer noch Kleider aus dieser Zeit besitzt, kann diese mitbringen und von ihrer kreativen Entstehungsgeschichte erzählen.

Am Mittwoch, 14. November, 10.30 Uhr, steht "Die Bekennende Kirche in Osnabrück" im Mittelpunkt des Treffens. Hildegard Schmidt (Jahrgang 1929) wuchs in der Osnabrücker Mariengemeinde als Tochter des Pastors von Loewenfeld auf. Erst nach dem Krieg erfuhr sie, dass ihr Vater Mitglied der Bekennenden Kirche war. Dieser gehörten neben von Loewenfeld auch die Pastoren Hans Bodensiek und Bornschein, Richard Karwehl aus Schinkel und Friedrich Grussendorf aus Eversburg an. Im Gemeindehaus der Mariengemeinde fanden geheime Treffen statt. Die Tochter war auch nicht darin eingeweiht, dass in ihrer Familie Menschen versteckt wurden und dadurch vor der Verhaftung durch die Nationalsozialisten bewahrt worden sind.

Um "Die Küche in der Kriegs- und Nachkriegszeit" geht es am Mittwoch, 12. Dezember, 10.30 Uhr. Die Küche war schon immer zentraler Ort des alltäglichen Lebens. Sie kennt ihre eigenen Gesetze. "Der Weihnachtsstollen hält bis Ostern" hieß es früher beispielsweise. Gefragt wird nach den unterschiedlichen Bedingungen, unter denen in der Kriegs- und in der Nachkriegszeit gekocht wurde. Welche Speisen und Lebensmittel wurden verwendet? Welche Techniken der Konservierung wurden benutzt? Was wurde von Generation zu Generation an "Küchenwissen" weitergegeben? Und welches alte Wissen wird durch die Veränderungen der Konsumgesellschaft nicht länger weitergegeben?
 

Villa Schlikker

Heger-Tor-Wall 27/28
49078 Osnabrück



Ansprechpartner:

Dr. Thorsten Heese
Telefon: 0541 323-4435
(nur montags und mittwochs)
heeseosnabrueck.de

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